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Behandlung auf Isolierstation Ebola-Patient in Leipzig gelandet

Er ist der dritte Ebola-Infizierte, der in Deutschland behandelt wird: In Leipzig ist ein Patient aus Liberia angekommen. Derweil schicken die USA 100 Marineinfanteristen in das westafrikanische Land.

Leipzig - Erst Hamburg und Frankfurt, jetzt Leipzig: Ein weiterer Ebola-Patient aus Afrika ist zur Behandlung in Deutschland eingetroffen. Das Flugzeug mit dem Erkrankten landete am frühen Donnerstagmorgen auf dem Flughafen Leipzig/Halle.

Nach Angaben des sächsischen Gesundheitsministeriums handelt es sich bei dem Patienten um einen Uno-Mitarbeiter. Über seinen Zustand gab es zunächst keine näheren Informationen. Der Kranke soll in der Leipziger Spezialklinik St. Georg behandelt werden. Das Krankenhaus verfügt über eine Sonderisolierstation für hochinfektiöse Krankheiten. Die Klinik wollte im Laufe des Tages über Einzelheiten zur Behandlung des Patienten informieren.

In Frankfurt am Main liegt ein Mediziner aus Uganda auf einer Seuchenstation, ein weiterer Erkrankter aus dem Senegal wurde nach fünf Wochen Behandlung gesund aus einer Hamburger Klinik entlassen.

An der Ebola-Epidemie in Westafrika sind nach Uno-Angaben mittlerweile fast 3900 Menschen gestorben. Insgesamt infizierten sich 8033 Patienten mit dem gefährlichen Virus, vor allem in Liberia, Sierra Leone und Guinea, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Mittwoch bekannt gab. Dem Virus erlagen demnach 3865 von ihnen, also beinahe die Hälfte.

Ebola ist ein sogenanntes hämorrhagisches Fieber. Das Virus zerstört feinste Blutgefäße und verursacht so massive Blutungen im Körperinneren. In der Folge versagen häufig innere Organe, was zum Tod führt. Ebola überträgt sich über den direkten Kontakt zu Körperflüssigkeiten oder -ausscheidungen.

Rotes Kreuz sucht freiwillige Helfer

Für den Einsatz in den Ebola-Gebieten in Westafrika haben sich nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) nicht genügend qualifizierte Freiwillige gemeldet. Es gebe zwar viele Anfragen, aber "wir haben derzeit noch bei weitem nicht genügend Bewerber mit medizinischem Hintergrund, die auch geeignet sind und für einen Einsatz in Westafrika infrage kommen", sagte DRK-Präsident Rudolf Seiters der "Bild"-Zeitung.

Bisher seien beim DRK 1459 Anfragen zum Ebola-Einsatz aufgelaufen, nur 97 Kandidaten seien aber grundsätzlich geeignet, erläuterte Seiters. Die Bewerber müssten tropentauglich sein und sehr gut Englisch sprechen. Gesucht würden Ärzte, Hebammen, Physiotherapeuten, Kranken- und Gesundheitspflegepersonal, Pharmazeuten, Labortechniker und Röntgenfachkräfte.

USA entsenden hundert Marineinfanteristen nach Liberia

Die USA verstärken den Kampf gegen die Ebola-Epidemie. Sie entsenden kurzfristig hundert Marineinfanteristen. Die bislang in Spanien stationierten Soldaten werden nach Liberia verlegt, wie das Pentagon mitteilte. Die Marineinfanteristen sollen am Donnerstag an ihrem neuen Einsatzort eintreffen und den Nachschub unterstützen, bis andere Einheiten der US-Armee diese Aufgabe übernehmen.

Ausgerüstet sind sie mit zwei Transportflugzeugen und vier Spezialflugzeugen vom Typ "Osprey", die mit ihren Rotoren wie Hubschrauber starten und landen können.

Bislang waren rund 350 US-Soldaten in Westafrika stationiert, um bei der Eindämmung der Epidemie zu helfen. In den kommenden Wochen soll die Truppenstärke auf bis zu 4000 anwachsen. Die Einheiten sollen unter anderem Krankenhäuser aufbauen und die Versorgung mit Hilfsgütern sicherstellen.

"Unser Militär baut im Großen und Ganzen eine Infrastruktur auf, die nicht existiert, um den Transport von Personal und Ausrüstung und Nachschub zu erleichtern, damit mit dieser tödlichen Epidemie umgegangen werden kann", sagte US-Präsident Barack Obama nach Beratungen mit ranghohen Militärvertretern im Pentagon. Die USA verfügten über "einzigartige Fähigkeiten", um die betroffenen Länder beim Kampf gegen Ebola zu unterstützen. Zuvor war der erste Ebola-Patient in den USA gestorben.

Weltbank-Chef: "Kläglich gescheitert"

Weltbank-Präsident Jim Yong Kim zieht ein kritisches Fazit im Kampf gegen das tödliche Virus. Die internationale Gemeinschaft sei "kläglich gescheitert". Nachdem die Krise nun auch Spanien und die USA betreffe, sei die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass das Virus auch andere europäische Länder erreiche, warnte Kim in einem Interview mit dem "Guardian".

Er wünsche sich die Unterstützung der westlichen Regierungen für einen neuen 20 Milliarden Dollar (15,7 Milliarden Euro) schweren Gesundheitsfonds für Notfälle, sagte der Weltbank-Präsident. "Ebola war eine Bewährungsprobe, und wir haben versagt. Wir sind mit unserer Reaktion kläglich gescheitert", zitierte das Blatt den Weltbank-Präsidenten in seiner Onlineausgabe.

yes/dpa/AFP