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Epidemie Ebola-Patient in Dallas in kritischem Zustand

Er reiste aus Liberia über Brüssel nach Texas, dort wurde diagnostiziert: Der Mann hatte sich mit Ebola infiziert. Sein Zustand ist kritisch. In Deutschland werden jetzt zurückgekehrte Helfer überwacht.

Thomas Laackmann ist gerade vom Ebola-Hilfseinsatz aus Liberia zurückgekehrt. Im niederrheinischen Weeze erzählt er Journalisten von den Aufbauarbeiten zweier Isolierzelte in der Hauptstadt Monrovia. Laackmann war dort Einsatzleiter eines Hilfsteams, das die Katastrophenhilfe ISAR Deutschland in Duisburg nach Liberia geschickt hat. Immer wieder muss er auf Fragen zum Infektionsrisiko antworten.

"Wir gehen davon aus, dass wir kein Ebola haben", sagt er sicher und zieht ein Fieberthermometer aus seiner Hosentasche. Jede Stunde messen er und seine Kollegen. "Fieber heißt nicht automatisch Ebola", sagt er. Aber man müsse dann die Ursache suchen.

Menschen, die sich mit dem Ebolavirus infiziert haben, sind erst dann ansteckend, wenn sie Symptome haben. Hohes Fieber etwa, starke Muskelschmerzen oder Durchfall. Viermal seien Laackman und sein Team bei der Rückreise medizinisch untersucht worden. Von dem ersten diagnostizierten Ebola-Fall in den USA habe er gehört. "Wenn wir nicht in die Puschen kommen und versuchen, einen Keil in die Übertragungskette zu schlagen", sagt Laackmann, "kann es die Gefahr geben, dass Ebola nach Deutschland kommt."

Wie der Ebola-Infizierte in die USA kam

Der Patient in Dallas, Texas, war bei seiner Abreise aus Liberia am 19. September auf Fieber geprüft worden. Sein Weg führte ihn mit Zwischenstopp in Brüssel nach Dallas. Am Mittwoch bestätigte die liberianische Regierung, dass er zu dem Zeitpunkt kein Fieber hatte. Am 24. September fühlte sich der Mann zum ersten Mal krank, am 26. September suchte er erstmals ärztliche Hilfe, die Ärzte schickten ihn aber zunächst wieder nach Hause. Am 28. September wurde er auf die Isolierstation eines Krankenhauses in Dallas eingewiesen. Am 30. September bestätigten Labortests, dass er sich mit dem Ebolavirus infiziert hatte.

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Ebola-Patient in den USA: Wie Kontrollen die Ausbreitung verhindern sollen

Foto: DPA/ CDC

Nach Angaben einer Krankenhaussprecherin befindet sich der Mann in einem kritischen Zustand. Die USA haben bereits mehrere Patienten erfolgreich behandelt, die sich nach dem Ebola-Ausbruch in Westafrika infiziert hatten. Allerdings stellte man das Virus bei ihnen noch vor Ort fest, so dass sie mit entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen in die USA transportiert werden konnten.

Die US-Seuchenschutzbehörde Centers for Diesease Control and Prevention (CDC) hat nach Angaben ihres Chefs Thomas Frieden ein siebenköpfiges Team zusammengestellt, das alle Menschen identifizieren sollte, die mit dem Erkrankten Kontakt hatten. Dazu gehörten Familienmitglieder und medizinisches Personal.

Demnach sind die drei Mitglieder der Besatzung des Rettungswagens, in dem der Patient in die Klinik eingeliefert worden war, inzwischen negativ auf Ebola getestet worden. Dennoch stehen sie für die nächsten 21 Tage unter Quarantäne. Das ist die maximale Spanne vom Zeitpunkt der Infektion bis zum Ausbruch des Ebolafiebers.

Warum wurde der Mann erst wieder nach Hause geschickt?

"Ich habe keinen Zweifel, dass wir diesen Ebola-Fall kontrollieren und dafür sorgen werden, dass sich die Krankheit in diesem Land nicht weiter ausbreiten wird", hatte Frieden am Dienstag bei einer ersten Pressekonferenz gesagt. Gleichwohl blieben aber einige Fragen danach offen: Warum etwa wurde der Mann bei seinem ersten ärztlichen Besuch wieder nach Hause geschickt?

Nach Ansicht des Leiters des US-Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten, Anthony Fauci, reagierten die Mediziner zu spät. Der Arzt in der Notaufnahme hätte den Patienten fragen müssen, ob er kürzlich ins Ausland gereist sei, sagte Fauci dem US-Sender CNN. Der Hinweis auf den Aufenthalt in Liberia wäre dann ein "gewaltiges Warnsignal" gewesen.

Während eine größere Ausbreitung von Ebola in den USA dennoch eher unwahrscheinlich ist, haben die von der Epidemie betroffenen Länder in Westafrika weiterhin mit der desolaten Lage zu kämpfen. Thomas Laackmanns Eindrücke aus Monrovia sind noch frisch. Auf der Pressekonferenz zeigt er Fotos: Von einem toten Mann, der am Straßenrand gestorben ist. Menschen hatten ihm noch Wasser und Lebensmittel hingestellt. Das Bild von Menschen auf einem Pick-up, die vor einer überfüllten Isolierstation warten. Die Leute in einem Bretterverschlag vor der Station, die auf Aufnahme hoffen - bei 45 Grad Hitze.

Hilfe in zwei klimatisierten Hightech-Zelten

Innerhalb von knapp zwei Wochen haben die Helfer von ISAR Deutschland und dem Medikamentenhilfswerk Action Medeor zwei klimatisierte Hightech-Zelte aufgestellt, mit je 22 Betten, durch Vorhänge voneinander abgetrennt. Je besser die Bedingungen für die Patienten, desto größer seien die Überlebenschancen, sagt Laackmann.

Guinea, Sierra Leone und Liberia sind am stärksten von der Epidemie betroffen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind ihr bereits mehr als 3000 Menschen zum Opfer gefallen. Die WHO rechnet mit einer hohen Dunkelziffer.

Laackmann hat an dem Morgen bei der Begrüßung niemandem die Hand gegeben. Das sitze aus den letzten Wochen in ihm drin: kein Händeschütteln, mindestens einen halben Meter Abstand, Händewaschen und den Gebrauch von Desinfektionsmitteln, literweise. Das seien die Vorsichtsmaßnahmen, obwohl das Helferteam keinen direkten Kontakt mit Ebola-Patienten hatte.

Auch Lars Schaade, Vize-Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI) kann nicht ganz ausschließen, dass das Ebolavirus eines Tages in Deutschland auftaucht. Die Experten schätzten das Risiko aber weiter als gering ein. An dieser Einschätzung habe sich auch durch den Fall in den USA nichts geändert, sagte er in einem Interview mit der dpa. An Startflughäfen in Westafrika werde ein sogenanntes Exit-Screening durchgeführt.

Das Risiko für Helfer bei einem Einsatz wie diesem hält Laackmann für gering. "Um an dem Virus zu erkranken, muss schon einiges passieren", sagt er. Da müsse man schon grob fahrlässig sein."

cib/Elke Silberer, dpa/Reuters