Kampf gegen das Virus Ebola-Infizierter aus Dallas in kritischem Zustand

Ärzte kämpfen um das Leben des ersten Ebola-Kranken in den USA. Die Epidemie hält die Welt in Atem: Während in Frankreich und Deutschland zwei Menschen geheilt wurden, meldet der US-Bundesstaat New Jersey zwei neue Verdachtsfälle.

Schule in Dallas, Texas: Schüler nach Kontakt mit Ebola-Infiziertem zu Hause
REUTERS

Schule in Dallas, Texas: Schüler nach Kontakt mit Ebola-Infiziertem zu Hause


Washington - Der Zustand des ersten in den Vereinigten Staaten entdeckten Ebola-Patienten ist sehr ernst. Thomas Eric D. wird auf der Intensivstation des Texas Health Presbyterian Hospital in Dallas behandelt, doch bisher ist keine Besserung in Sicht.

Der aus Liberia eingereiste Mann hatte bei Angehörigen in einer Wohnung gelebt, als er die ersten Symptome zeigte. Er soll wenige Tage vor seiner Entdeckung auf der Notfallstation eines Krankenhauses in Dallas um Hilfe gebeten haben. Er sei aber wieder nach Hause geschickt worden - obwohl er das Personal darüber aufgeklärt habe, dass er aus Liberia komme.

Thomas Frieden, Leiter der US-Seuchenschutzbehörde, erklärte, die Nachricht über den Ebola-Patienten in Dallas habe landesweit die Bereitschaft der Krankenhäuser erhöht, ankommende Patienten auf potentielle Risiken zu testen - vor allem jene, die aus von der Epidemie betroffenen Ländern Afrikas eingereist sind.

Am Freitag hatte ein Expertenteam die gesamte Wohnung der Familie von D. dekontaminiert. Sie lagerten Matratzen, Handtücher und Laken sowie persönliche Dinge des Infizierten in Fässern ein und versiegelten sie.

CDC-Checkliste: So werden Kontaktpersonen überprüft (bitte klicken)
SPIEGEL ONLINE (deutsche Übersetzung)

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US-Behörden untersuchen derzeit 114 Personen, die unter Umständen in Kontakt mit dem Ebola-Patienten D. gekommen sein könnten, der über Brüssel in die Vereinigten Staaten geflogen war. Bei neun der Verdachtsfälle ist ein Kontakt mit dem Virusträger nachgewiesen, weitere 40 stehen als potentielle Kontaktpersonen unter Beobachtung. Keiner von ihnen zeige bisher Symptome. Derzeit gebe es keine Neuinfektionen, betonte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Samstag.

Zwei neue Verdachtsfälle in New Jersey

Auf dem internationalen Flughafen von Newark in New Jersey sind am Samstag zwei Passagiere eines United Airlines-Fluges von Seuchenschutzexperten in Empfang genommen worden. Beide hätten Symtome von Ebola gezeigt, hieß es. Vater und Tochter seien aus Liberia eingereist.

Es gibt aber auch gute Nachrichten: Eine in Liberia mit dem Ebola-Virus infizierte französische Mitarbeiterin der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) ist französischen Regierungsangaben zufolge geheilt. Die Frau habe das Krankenhaus bereits verlassen, teilte Gesundheitsministerin Marisol Touraine mit. Sie war in einem Militärkrankenhaus bei Paris behandelt worden - mit einem noch nicht zugelassenen japanischen Grippemittel, das die zuständige Ministerin aber für die Behandlung von Ebola freigegeben hatte.

Nach fünfwöchiger Behandlung konnte auch ein im Hamburger Universitätsklinikum UKE behandelter Ebola-Patient aus dem Senegal als geheilt wieder entlassen werden. Der Klinik zufolge geht es dem Mitarbeiter der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gut, er könne nun in seine Heimat zurückkehren. Der Mann war für die WHO als Arzt tätig und hatte sich in Sierra Leone mit dem Virus angesteckt.

EBOLA-VERDACHT - DAS PASSIERT IN DEUTSCHLAND
  • dpa
     
  • Wann ist ein Ebola-Verdacht begründet?
  • Wie wird eine Infektion diagnostiziert?
  • Wie groß ist die Gefahr, dass sich das Virus ausbreitet?
  • Lesen Sie hier die Antworten.
Ein weiterer Ebola-Patient war in der Nacht zum Freitag in das Universitätsklinikum Frankfurt am Main aufgenommen worden. Laut Hessens Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) handelt es sich um einen aus Uganda stammenden Mitarbeiter einer italienischen Hilfsorganisation, der sich als Arzt ebenfalls in Sierra Leone infiziert hatte.

In Westafrika sind laut WHO bereits mehr als 3300 Menschen an dem Virus gestorben.

ala/Reuters/AFP

insgesamt 17 Beiträge
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pille! 04.10.2014
1. die CDC
Checkliste hat ja bisher bestens funktioniert. Vor einigen Jahren war ich mit einem Notfall Mediziner aus New York zusammen auf einer Weiterbildung. Der hätte da gar nicht hin gemusst, er wusste eh alles besser....
karend 04.10.2014
2. Ehrlichkeit
Ohne Ehrlichkeit bringen die Kurzuntersuchungen an Flughäfen nicht viel. Bei seiner Ausreise beantwortete Mr. Duncan die Frage nach Kontakten mit an Ebola erkrankten Personen mit "No". http://www.nbcdfw.com/news/health/Dallas-DA-Considers-Charges-Against-Ebola-Patient-278057811.html?_osource=SocialFlowTwt_DFWBrand http://www.nbcdfw.com/news/local/Liberia-to-Prosecute-Man-Who-Brought-Ebola-to-US-277910851.html
thunderstorm305 04.10.2014
3. Wie das wohl enden wird?
Ich wundere mich dass man die Flugverbindungen aus den gefährdeten Ländern nicht bereits unterbrochen hat. Und wenn die Epidemie nicht in den Griff zu bekommen ist, muss man sich auch fragen welche anderen Wege Ebola nach Europa finden kann.
Rollvieh 04.10.2014
4. Was erwartet man denn?
Wenn jemand in Afrika ist und den Verdacht hat, er könnte sich mit Ebola infiziert haben, müsste er schon ungewöhnlich altruistisch sein, wenn er am Flughafen die Wahrheit sagen und auf die Reise in die USA oder ein EU-Land verzichten würde, wo er eine vernünftige medizinische Behandlung erhalten könnte, die seine Überlebenschancen massiv erhöhen würde. Solange er noch keine Symptome hat, ist er ja auch nicht ansteckend, sagen die Fachleute. Dass man ihn abwimmelt, wenn er dann mit den ersten Symptomen in ein Krankenhaus geht, war so sicher nicht vorgesehen... Im Interesse der Allgemeinheit wäre es selbstverständlich, wenn jeder Reisende mögliche Kontakte zu Ebolakranken wahrheitsgemäß angibt - aber der durch eine einfache Lüge zu erlangende persönliche Vorteil ist einfach zu groß, als dass man darauf bauen kann.
urknallmarinchen@yahoo.de 04.10.2014
5. @thunderstorm305
Die Menschheit beherrscht ihre demografische Entwicklung nicht. Sie hat weder einen Plan noch eine Strategie. Die Menschheit verbraucht jetzt schon 50% mehr an Ressourcen, als es gerechtfertigt wäre. Früher oder später kommt es daher m.M.n. zwangsĺäufig zum Kollaps. Die Natur wird sich wehren, so oder so. Das größte Raubtier aller Zeiten wird eines Tages bezahlen müssen. Ob es uns nun gefällt oder nicht...
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