Epidemie in Westafrika So kämpft die Welt gegen Ebola

Immer mehr Menschen infizieren sich in Westafrika mit dem Ebolavirus, die Uno warnt vor einem Kollaps der betroffenen Staaten. Durch die dramatische Lage gewinnt auch die internationale Hilfe an Schwung. Ein Überblick.

Mitarbeiter des Roten Kreuzes in Guinea: Es fehlt an Ärzten, Krankenhäusern, Geld
AFP

Mitarbeiter des Roten Kreuzes in Guinea: Es fehlt an Ärzten, Krankenhäusern, Geld


Hamburg - Woche für Woche werden die Prognosen düsterer, das Ebolavirus verbreitet sich ungebremst in Westafrika. Bislang konnten Hilfsorganisationen vor Ort die Epidemie nicht eindämmen, US-Forscher fürchten Hunderttausende neue Infizierte. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) starben bereits mehr als 2460 Menschen, der Großteil davon in Liberia, Sierra Leone und Guinea. Die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich deutlich höher.

Die Epidemie trifft einige der ärmsten Länder der Erde, ihre Bekämpfung fordert die internationale Gemeinschaft. Nachdem die US-Regierung angekündigt hat, 3000 Soldaten in das betroffene Gebiet zu entsenden, lässt auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen Hilfen der Bundeswehr prüfen. Ein Teil der internationalen Bemühungen im Überblick:

Der Bedarf an Soforthilfen:

  • Nach Angaben der Vereinten Nationen werden rund eine Milliarde Dollar (763 Millionen Dollar) für den Kampf gegen die hochansteckende Krankheit benötigt.
  • Das Rote Kreuz rief zu Spenden in Höhe von 25 Millionen Euro auf.
  • Die WHO fordert zusätzlich zwischen 500 und 600 ausländische Ärzte und Krankenschwestern und weitere 1000 örtliche Gesundheitsmitarbeiter in den Epidemieregionen. Die Krankenhäuser sind zum Teil so überfüllt, dass Todkranke weggeschickt werden müssen. Außerdem gibt es vielerorts keine Kapazitäten mehr, um etwa Schwangere oder Malaria-Kranke aufzunehmen.

Material und Personal:

  • Das Welternährungsprogramm (WFP) will rund 1,3 Millionen Menschen in Guinea, Liberia und Sierra Leone mit Hilfsgütern versorgen. Bislang erhielten nur etwa 148.000 Menschen Hilfen.
  • Die WHO und die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen sind mit je rund 200 internationalen Experten in den Epidemiegebieten vertreten.
  • Mehr als hundert Mitarbeiter der US-Seuchenschutzbehörde (CDC) arbeiten bereits in den betroffenen Ländern. US-Präsident Barack Obama kündigte an, außerdem 3000 Soldaten nach Westafrika zu schicken.
  • China stockte sein medizinisches Personal vor Ort auf 174 Helfer auf.
  • Die Afrikanische Union schickte hundert Helfer.
  • Kuba will insgesamt 165 Ärzte und Krankenschwestern entsenden.
  • Frankreich plant die Einrichtung eines Behandlungszentrums in Guinea.
  • Großbritannien kündigte den Bau eines 62 Betten umfassenden medizinischen Zentrums in der sierraleonischen Hauptstadt Freetown an.
  • Das Bundesverteidigungsministerium prüft mögliche Hilfen durch die Bundeswehr. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen will ein mobiles Krankenhaus nach Liberia schicken, allerdings ohne Bundeswehr-Ärzte.

Hilfsgelder aus dem Ausland:

  • Die USA haben bislang 100 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt. Die US-Entwicklungshilfebehörde USAID will zusätzlich 75 Millionen Dollar freigeben, mit denen weitere Behandlungseinheiten und Schutzkleidung für die Helfer beschafft werden sollen. Die US-Regierung hat den Kongress zudem um 88 Millionen Dollar gebeten, um die Produktion des experimentellen Ebola-Wirkstoffs ZMapp zu unterstützen.
  • Die Europäische Union sagte 150 Millionen Euro zu. Brüssel forderte die Mitgliedstaaten zu weiteren Finanzhilfen bis Ende des Monats auf; bislang flossen demnach rund zehn Millionen Euro.
  • Die Weltbank stellte bis zu 200 Millionen Dollar unter anderem für Material und Gehälter in Aussicht.
  • Die WHO brachte hundert Millionen Dollar als Nothilfe auf den Weg.
  • Die Bill und Melinda Gates Stiftung von Microsoft-Milliardär Bill Gates überwies im September insgesamt 50 Millionen Dollar an UN-Stellen und internationale Organisationen.
  • Deutschland stellte zwölf Millionen Euro zur Verfügung, darunter zehn Millionen Euro aus dem Etat des Entwicklungsministeriums für die WHO.

irb/AFP

insgesamt 4 Beiträge
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postit2012 17.09.2014
1. Gut,
dass da was ins rollen kommt, denn angesichts dieser Bedrohung sitzen wir wirklich alle in einem Boot. Schlüsselfrage ist wirklich die Information der Bevölkerung, was wohl unglaublich schwierig ist und durch Bundeswehrärzte wahrscheinlich auch nicht geleistet werden könnte.
Malshandir 17.09.2014
2. Geld alleine hilft nicht
Geld alleine hilft nichts. Und toll 62 Betten bei demnaechst Hunderttausenden Infizieren, das hilft gar nichts. Die Massnahmen muessen jetzt EIndaemmung sein und dann Hilfe. Ja Eindaemmung heisst, man muss klar abgrenzen, wo man noch retten kann und was aufgegeben werden muss. Wir reden hier von einer betroffenen Region von 21 Millionen Menschen. Die koennen nicht alle medizinisch versorgt werden. Und die Zahlen von 20-50.000 sind sehr optimistische Schaetzungen. Ich gehe eher von Millionen Infizierten aus. Uns muss klarsein, wenn es der Virus nach Europa oder Asien schaft, reden wir schnell von Hunderten millionen Toten. Daher muss man die Region konsequent abriegeln.
velado 17.09.2014
3. beschaemend
wie passiv sich die deutsche Ausenpolitik verhaelt. Geld und Material ..nur nicht die Haende schmutzig machen.Gratuliere zu dem zynismus zu schreiben, dass die Hilfsorganisationen die Lage nicht in den Griff bekommen haben...
Maulwürfin 17.09.2014
4.
Wenn jeder Deutsche nur 5 Euro spenden würde hätten wir 400 000 000 Euro 3 x mit denen man helfen kann.
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