Ebola-Quarantäne selbst beendet Die eigenwillige Kaci Hickox

Die US-Krankenschwester Kaci Hickox hat nach ihrer Rückkehr aus Westafrika ihre Ebola-Quarantäne selbst beendet. Ärzte ohne Grenzen warnen derweil davor, den Rückgang der Ebola-Fälle in Liberia überzubewerten.
Kaci Hickox und ihr Freund Ted Wilbur: "Ich bin kerngesund."

Kaci Hickox und ihr Freund Ted Wilbur: "Ich bin kerngesund."

Foto: AP/dpa

Kaci Hickox hat etwas auf sich genommen, was nur wenige Menschen tun würden: Freiwillig ging die 33-Jährige nach Sierra Leone, um Ebola-Kranken zu helfen. Wochenlang musste sie mit ansehen, wie Menschen am Ebolafieber sterben. Inzwischen ist sie zurück in den USA und sieht sich mit einer anderen Realität konfrontiert: Der Ebola-Hysterie und der Angst der Bevölkerung, dass Kaci Hickox das lebensgefährliche Virus in sich tragen und es verbreiten könnte.

Jetzt hat Hickox etwas getan, das für großes Aufsehen sorgte: Entgegen behördlicher Ebola-Quarantäneauflagen entfernte sich die Krankenschwester am Donnerstag von ihrem Haus und unternahm mit ihrem Freund eine Fahrradtour. Und das, obwohl sie sich nach einer Anweisung der Behörden noch in einer 21 Tage langen Quarantänezeit befindet. "Ich will niemanden in Gefahr bringen. Aber ich bin kerngesund", sagte Hickox gegenüber Reportern vor ihrem Haus in Fort Kent, Maine.

Vergangenen Freitag war Hickox nach dem Hilfseinsatz in Westafrika auf dem Flughafen in Newark, New Jersey, gelandet und wurde dort zum ersten Opfer einer Zwangsquarantäne, die die US-Bundesstaaten New York und New Jersey kurz zuvor für alle Ebola-Helfer aus Westafrika verhängt hatten: Vom Flughafen wurde sie in ein Krankenhaus gefahren und sollte dort die nächsten 21 Tage in einem Isolationszelt festgehalten werden.

Wie eine Kriminelle behandelt

Doch die Krankenschwester protestierte massiv. Über die Behandlung "als Kriminelle" am Flughafen und über die Zustände im Quarantänezelt. Schließlich ließ der Staat New Jersey sie am Montag gehen. Den Rest der Quarantänezeit sollte sie nach Absprachen mit den Behörden zu Hause verbringen. Dabei hatte Hickox seit ihrer Rückkehr keine typischen Ebola-Symptome gezeigt. Ebola-Infizierte sind ausschließlich dann ansteckend, wenn sie Symptome wie Fieber, Erbrechen oder Durchfall haben. Anstecken kann man sich bei einem Infizierten nur, wenn man dessen Körperflüssigkeiten wie Erbrochenes, Fäkalien oder Blut berührt.

Während in den USA die Ebola-Hysterie um sich greift, grassiert das Ebolavirus in Westafrika weiter. Zwar gab die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bekannt, dass die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen mit Ebola in Liberia erstmals rückläufig ist. Doch die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) warnt dringend davor, schwache Anzeichen für einen möglichen Rückgang überzubewerten.

"Es ist zu früh, Schlussfolgerungen aus einer Abnahme der Ebola-Fälle in Monrovia zu ziehen", sagte der MSF-Missionschef Fasil Tezera. Zwar sei die Zahl der Aufnahmen im 250 Betten umfassenden Ebola-Zentrum der Organisation in der liberianischen Hauptstadt um etwa 80 Prozent gesunken. Rückschlüsse auf die Gesamtlage in Liberia ließen sich daraus jedoch nicht ableiten. Die Schätzungen könnten zudem unzuverlässig sein.

Eine MSF-Sprecherin in Dakar sagte der Nachrichtenagentur AFP, viele Menschen in Monrovia riefen bei der Ebola-Hotline an, weil sie krank seien. Sie würden aber nicht abgeholt, weil es nicht genügend Krankenwagen gebe. Solche Patienten tauchten nicht in den Statistiken auf. Der Verlauf dieser Epidemie sei unvorhersehbar.

Laut den jüngsten WHO-Zahlen haben sich seit Ausbruch der Epidemie mehr als 13.000 Menschen mit Ebola angesteckt, fast 5000 von ihnen sind daran gestorben. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus.

Um die Epidemie einzudämmen, setzen Seuchenexperten große Hoffnungen in die Entwicklung neuer Impfstoffe. Die ersten könnten nach Schätzung der WHO im Januar 2015 zu einem breiteren Einsatz in den Ebola-Gebieten kommen. Derzeit laufen die ersten klinischen Phase-I-Studien an. Auch Mediziner des Universitätsklinikums Tübingen beginnen in der kommenden Woche mit einem Test in Gabun. Die Studie solle zeigen, welche Dosis des Impfstoffs Freiwillige sicher vertragen, sagte der Direktor der Tropenmedizin, Peter Kremsner.

Beim dem Test in Gabun handelt es sich um eine von weltweit vier Studien zu diesem Impfstoff namens VSV-EBOV. Gabun hat aktuell zwar keine registrierten Ebola-Fälle, es gab dort jedoch Ausbrüche der Krankheit in vergangenen Jahren. An dem Test sollen 60 gesunde Probanden teilnehmen. Kommende Woche bekämen die ersten Freiwilligen den Stoff gespritzt, sagte Kremsner. In der Studie werde das Mittel in unterschiedlicher Dosierung verabreicht und mögliche Nebenwirkungen beobachtet.

Der Impfstoff wurde in Kanada entwickelt und regt das Immunsystem dazu an, Antikörper gegen ein bestimmtes Protein von Ebolaviren des Zaire-Stamms zu produzieren. Getestet werden soll der Impfstoff auch am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Dort sollen 30 Gesunde teilnehmen, teilte eine Sprecherin mit. Es bestehe keinerlei Gefahr, sich mit Ebola zu infizieren. Der Beginn der Studie stehe noch nicht fest.

Experten rechnen damit, dass es noch mehrere Monate dauern wird, bis die Ebola-Epidemie unter Kontrolle ist. Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds IWF brauchen die besonders betroffenen Länder Guinea, Liberia und Sierra Leone dringend mehr Geld. Es gebe für das kommende Jahr einen großen Finanzierungsbedarf, sagte ein IWF-Sprecher am Donnerstag. Die Organisation prüft demnach noch, wie sie auf die Geldnot der Staaten reagiert.

Bereits im September hatte der IWF zinslose Darlehen über 130 Millionen Dollar gebilligt. Damals schätzte er, dass die drei Länder insgesamt 300 Millionen Dollar benötigen, um die Folgen der Viruserkrankung zu bewältigen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind groß: Wegen der Seuche sind etwa Bergbau, Landwirtschaft und Dienstleistungsbranche gelähmt.

Spenden für die Ebola-Krisengebiete

cib/AFP/dpa