Neuer Ebola-Fall Rückschlag für Liberia

Wegen eines neuen Ebola-Falls in Liberia schwindet die Hoffnung, die Seuche endlich überwunden zu haben. Der Nachbarstaat Sierra Leone will jetzt Genitalverstümmelungen bei Frauen unter Geldstrafe stellen, um die Epidemie einzudämmen.
Ebola-Massengrab in Liberia: Eine Angehörige weint um einen Verstorbenen

Ebola-Massengrab in Liberia: Eine Angehörige weint um einen Verstorbenen

Foto: Ahmed Jallanzo/ dpa

Monrovia - Nach Wochen ohne neue Ebola-Fälle erleidet Liberia nun einen herben Rückschlag: Eine Patientin wurde in der Hauptstadt Monrovia positiv auf das Virus getestet. Die Hoffnungen, das afrikanische Land sei Ebola-frei, sind damit vorerst erloschen.

Vor gut zwei Wochen ist der vermeintlich letzte Ebola-Patient entlassen worden. Wenn es in den 42 darauffolgenden Tagen keine Neuinfektion gegeben hätte, hätte das Land offiziell als Ebola-frei gegolten. Wo sich die Frau, die nun positiv getestet wurde, angesteckt haben könnte, ist unklar. Sie habe keinen Kontakt zu den Menschen auf der Ebola-Liste gehabt, erklärte Francis Kateh, der Leiter des Ebola-Krisenzentrums in Liberia. "Wir müssen herausfinden, woher die Person kam", sagte er. "Und ob Kontaktpersonen das Land verlassen haben."

Liberia hat die meisten Toten seit Ausbruch der Seuche zu verzeichnen. So groß die Hoffnungen auch waren, dass Liberia die Epidemie überwunden hat - solange die Nachbarstaaten Guinea und Sierra Leone noch mit dem Virus kämpfen, besteht weiterhin ein hohes Risiko.

Verbot von Genitalverstümmelung in Sierra Leone

Sierra Leone greift inzwischen zu drastischen Maßnahmen, um das Virus einzudämmen: Ende März sollen rund 2,5 Millionen Menschen für drei Tage ihre Häuser nicht verlassen dürfen. Aus Angst vor Neuinfektionen verhängte die Regierung laut britischen Medienberichten außerdem eine Geldstrafe auf die Genitalverstümmelungen von Frauen. Die Beschneidung der äußeren weiblichen Genitalien ist in Sierra Leone eigentlich legal. Häufig wird das Ritual mit unsauberen Klingen vollzogen. Bei Festen, auf denen zahlreiche Mädchen auf einmal verstümmelt werden, wird oft dieselbe Klinge verwendet. Die Gelegenheit müsse genutzt werden, um der Praxis endgültig ein Ende zu setzen, erklärte die britische Entwicklungshilfe-Ministerin Lindsey Northover.

Etwa 88 Prozent der Frauen sind in Sierra Leone von der Verstümmelung betroffen. Menschenrechtsaktivisten zufolge sei es jedoch schwierig, die Praxis zu stoppen, da das Ritual von mächtigen Geheimgesellschaften überwacht wird. Den Mädchen werde oft erzählt, dass sie sterben müssten, wenn sie jemandem von dem Eingriff erzählen.

Insgesamt ist ein Rückgang der Ebola-Epidemie in Afrika zu verzeichnen. Rund 250 kubanische Helfer sollen deshalb ihren Einsatz beenden und in den nächsten Tagen in die Heimat zurückkehren. Im Oktober hatte der Karibikstaat 256 Ärzte und Krankenpfleger nach Guinea, Sierra Leone und Liberia geschickt.


Zusammengefasst: Nachdem vor zwei Wochen der letzte Ebola-Patient in Liberia entlassen wurde, ist nun eine Frau positiv auf das Virus getestet worden. Das Land gilt somit noch nicht als Ebola-frei. Der Nachbarstaat Sierra Leone will die Epidemie mit einer Ausgangssperre unter Kontrolle bringen. Zudem wird eine Geldstrafe auf Genitalverstümmelung bei Frauen verhängt.

kry/AP/Reuters/dpa
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