Lebensgefährliche Infektion So wurde der Ebola-Patient in Hamburg wieder gesund

Extremer Flüssigkeitsverlust, gefolgt von einer Blutvergiftung und schweren Lungenproblemen: Die Ärzte des Ebola-Patienten in Hamburg haben jetzt erstmals berichtet, wie sie den Mann retten konnten.
Isolierstation im Hamburger UKE (Archivbild): Ebola-Patient ist wieder gesund

Isolierstation im Hamburger UKE (Archivbild): Ebola-Patient ist wieder gesund

Foto: Marcus Brandt/ dpa

Hamburg - Der erste Ebola-Patient in Deutschland ist ohne den Einsatz experimenteller Mittel wie ZMapp genesen, berichtet das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Der 36-jährige WHO-Mitarbeiter hatte allerdings mit schweren Komplikationen zu kämpfen, schreibt das Team von Ärzten und Infektiologen im "New England Journal of Medicine" . Neben einem schweren Flüssigkeitsmangel entwickelte er eine bakterielle Blutvergiftung, seine Atmung versagte, er litt unter Bewusstseinsstörungen und Halluzinationen.

Der Mann aus dem Senegal war fünf Wochen auf der Sonderisolierstation der Klinik behandelt worden, Anfang Oktober wurde er gesund entlassen. Mitarbeiter des UKE, des Bernhard-Nocht-Instituts (BNI) für Tropenmedizin und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZI) veröffentlichten nun die Erkenntnisse aus seiner Therapie.

Der Mann hatte als Epidemiologe in einem Ebola-Behandlungszentrum in Sierra Leone gearbeitet. Dort infizierte er sich höchstwahrscheinlich bei einem Kollegen. Zehn Tage später brach die Krankheit bei ihm aus. Weitere zehn Tage später kam er nach Hamburg.

"Der Flüssigkeitshaushalt des Patienten war stark gestört, das Verdauungssystem angegriffen", erklärte UKE-Arzt und Erstautor Benno Kreuels. Flüssigkeit und Elektrolyte hätten ausschließlich über Infusionen gegeben werden können: In den ersten Tagen benötigte der Patient teilweise mehr als zehn Liter pro Tag. An diesen Tagen verlor er durch Durchfälle zwischen vier und achteinhalb Liter täglich.

Schwere Komplikationen

Die typischen Ebola-Symptome wie Durchfall und Erbrechen waren schon nach wenigen Tagen abgeklungen, die Viruslast des Patienten nahm ab. Doch wegen einer Blutvergiftung (Sepsis) verschlechterte sich der Zustand des Patienten vom 13. Krankheitstag an. Zudem seien die Bakterien gegen verschiedenste Antibiotika resistent gewesen. Der Mann hatte ausgeprägte Bewusstseinsstörungen und eine zunehmend eingeschränkte Lungenfunktion. "Nur die intensivmedizinische Betreuung rettete unseren Patienten", sagt Tropenmediziner Stefan Schmiedel. Unter anderem musste der Mann mehrere Tage beatmet werden.

Die Ärzte vermuten, dass die Sepsis erheblich dazu beiträgt, dass Ebola-Patienten in Westafrika sterben. Durch die infolge der Ebola-Infektion extrem entzündete Darmschleimhaut kann es wahrscheinlich leicht zu einer Blutvergiftung kommen.

Der Hamburger Patient wurde am Tag 40 nach dem Ausbruch der Krankheit entlassen - seit mindestens 20 Tagen waren in Blut, Speichel, Schweiß, Stuhl, Urin, Tränenflüssigkeit und Bindehautabstrich keine infektiösen Ebolaviren mehr festgestellt worden. Die Mediziner hätten viel über das Virus und den Krankheitsverlauf gelernt, sagt Marylyn Addo, Leiterin der Sektion Tropenmedizin am UKE.

UKE-Arzt hilft bald im Krisengebiet

Die Behandlungskosten könnten sich laut SPIEGEL-Informationen insgesamt auf rund zwei Millionen Euro summieren. Den direkten Behandlungsaufwand hatte die Klinikleitung ursprünglich auf rund 300.000 Euro geschätzt, es kamen jedoch unerwartete Mehrausgaben dazu. Die WHO hatte nach dem Transport des Patienten nach Hamburg zugesichert, für die Behandlungskosten aufzukommen.

Tropenmediziner Schmiedel wird bald selbst im Krisengebiet in Westafrika helfen. Er werde am Mittwoch für die Organisation Ärzte ohne Grenzen für drei Wochen nach Sierra Leone reisen, sagte er am Donnerstag - in ein Krankenhaus, das mitten im Hauptendemiegebiet liegt. Dort seien die Behandlungsbedingungen wegen der Personalknappheit äußerst limitiert. Er mache sich aber keine Sorgen, mit dem hochgefährlichen Ebolavirus infiziert zu werden: "Ich hab überhaupt keine Angst, weil ich weiß, wie man sich davor schützen kann."

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wbr/dpa