Kampf gegen Ebola Seuche im Schatten

Die Ebola-Epidemie in Westafrika wird noch Monate dauern, warnt die Weltgesundheitsorganisation. Der Ausbruch sei unterschätzt worden, auch weil viele Familien ihre infizierten Angehörigen versteckt hätten. Das soll sich jetzt ändern.
Ärzte ohne Grenzen in Monrovia: Kampf gegen Ebola

Ärzte ohne Grenzen in Monrovia: Kampf gegen Ebola

Foto: STRINGER/ REUTERS

Der Kampf gegen das Ebola-Virus wird jetzt auch mit den Mitteln des Strafrechts geführt. In Sierra Leone riskiert künftig zwei Jahre Haft, wer Infizierte versteckt. Das jedenfalls berichten mehrere Zeitungen des Landes, darunter die "Awoko" . Demnach hat das Parlament ein entsprechendes Gesetz verabschiedet, der Präsident muss diesem aber noch zustimmen.

Das klingt wie eine Placebo-Maßnahme im Kampf gegen die Epidemie, die in in Sierra Leone und drei weiteren afrikanischen Staaten - Guinea, Liberia und Nigeria - um sich greift. Doch das Gesetz sendet ein Signal: Bleibt nicht im Verborgenen mit euren Kranken; wir müssen wissen, wie viele Infizierte es gibt.

Denn das Ausmaß der Epidemie ist laut Weltgesundheitsorganisation WHO lange auch unterschätzt worden, weil viele Infizierte von ihren Familien versteckt wurden. Die Menschen seien davon ausgegangen, dass es ohnehin keine Heilung gebe und es für die Todkranken besser sei, wenigstens zu Hause sterben zu können.

Mittlerweile unterschätzt niemand mehr die Epidemie. Nie zuvor haben Ärzte einen ähnlich verheerenden Ausbruch dokumentiert. Mehr als 1400 Menschen sind gestorben, die WHO hat den internationalen Gesundheitsnotfall ausgerufen und gewarnt: Er könne noch Monate dauern, bis die Epidemie unter Kontrolle sei. Grenzen wurden geschlossen, Ausgangssperren verhängt, Test-Medikamente eingesetzt.

"Außergewöhnliche Epidemie"

Jetzt haben die Vereinten Nationen den betroffenen Staaten zugesagt, sie massiv zu unterstützen. Das Ausmaß der Epidemie erfordere ein "höheres Level an Koordinierung" als Reaktionen auf frühere Fälle, und die Uno-Mission in Liberia werde dabei eine "starke Rolle spielen", teilte die Uno mit.

Ein Uno-Sondergesandter sagte, die "außergewöhnliche Epidemie" erfordere eine noch nie dagewesene Mobilisierung. Die Uno werde sicherstellen, dass die benötigten Ressourcen "dorthin fließen, wo sie am meisten gebraucht werden".

Die WHO teilte zudem am Samstag mit, sie wolle in Liberia weitere Behandlungsplätze für Ebola-Patienten schaffen. In der Hauptstadt Monrovia sollen demnach weitere Gesundheitszentren errichtet werden, um in den kommenden sechs Wochen die Zahl der Betten um 500 zu erhöhen. Die bisherige Bettenzahl sei angesichts der erwarteten weiteren Zunahme an Patienten unzureichend, hieß es.

Auch aus anderen Teilen der Welt werden einzelne Verdachtsfälle gemeldet:

  • Nach Angaben des Gesundheitsministeriums von Großbritannien wurde auch erstmals ein Brite positiv auf das Virus getestet. Der Mann lebt demnach in Sierra Leone. Zu Berichten, wonach der Infizierte in den kommenden Tagen zur Behandlung nach Großbritannien geflogen werden soll, wollte sich das Ministerium nicht äußern.
  • In Kanada wurde nach Angaben der Gesundheitsbehörden ein Patient isoliert, der kürzlich aus Guinea zurückgekehrt war und an starkem Fieber litt. Demnach wurden Blutproben entnommen, es sei aber sehr unwahrscheinlich, dass er sich infiziert habe.
  • In Bolivien wurde ein indischer Patient, der sich kürzlich in mehreren Städten in Westafrika aufgehalten hatte, unter Quarantäne gestellt, nachdem er Symptome gezeigt hatte. Auch hier liefen die Untersuchungen noch.

otr/dpa/Reuters