Ansteckungsgefahr Ebola-Virus bleibt bis zu 565 Tage im Sperma

Männer sollten nach einer Ebola-Infektion ihr Sperma testen lassen. Teile des Virus können mehr als 500 Tage in der Samenflüssigkeit bleiben. Ursache ist eine Besonderheit der Hoden.
Kino in West Point: Der Slum in Monrovia war von Ebola stark betroffen

Kino in West Point: Der Slum in Monrovia war von Ebola stark betroffen

Foto: John Moore/ Getty Images

Ebola-Viren - oder zumindest Spuren von ihnen - können weit mehr als ein Jahr nach der Infektion im Sperma enthalten sein. Zu diesem Ergebnis kommt die bisher größte Analyse dieser Art. Forscher entdeckten den Erreger bei einem Mann - 565 Tage nachdem sich dieser von seiner Ebola-Erkrankung erholt hatte.

Das Ergebnis zeige, welche Rolle sexuelle Übertragung bei einem erneuten Ausbruch der Krankheit spielen könnte, schreiben die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "Lancet Global Health" . Und wie sinnvoll Testprogramme seien, bei denen das Sperma der Männer untersucht wird.

Immunsystem in den Hoden heruntergeregelt

Für ihre Studie analysierten die Forscher die Samenflüssigkeit von insgesamt 429 Ebola-Überlebenden, die am Men's Health Screening Program der liberianischen Regierung teilgenommen hatten. Bei 38 der Teilnehmer entdeckten die Virologen Erbgut des Virus. Innerhalb dieser Gruppe war der Erreger bei fast zwei Dritteln (24 Männern) auch noch ein Jahr nach der Genesung nachweisbar. Tendenziell war dies eher bei Männern ab einem Alter von 40 der Fall, schreiben die Forscher.

Dass das Virus ausgerechnet im Sperma überdauern kann, hat einen körperlichen Grund: Die Hoden zählen, neben unter anderem den Augen und dem Gehirn, zu den sogenannten immunprivilegierten Organen. Das Immunsystem ist dort heruntergeregelt, um das empfindliche Gewebe zu schützen. Damit steigt jedoch auch die Gefahr, dass sich dort Krankheitserreger festsetzen können. Aus den USA ist ein Fall bekannt, in dem der Erreger im Auge eines Arztes überdauerte.

"Vor dem Ausbruch sind Wissenschaftler davon ausgegangen, dass das Ebola-Virus drei Monate nach der Erkrankung im Sperma gefunden werden kann", sagt Moses Soka, Koordinator der Versorgung von Ebola-Überlebenden im liberianischen Gesundheitsministerium. "Durch die Studie wissen wir jetzt, dass das Virus ein Jahr lang oder länger überdauern kann."

Monrovia: Mann hat wahrscheinlich Frau infiziert

Bislang konnten die Forscher zwar nur genetische Fragmente des Virus nachweisen. Ob die Erreger in der Samenflüssigkeit dazu in der Lage sind, die Krankheit weiterzutragen, wissen sie nicht sicher. Allerdings gibt es Fallberichte, bei denen Ebola-Überlebende das Virus sehr wahrscheinlich beim Sex an Angehörige übertragen haben.

So infizierte sich etwa 2015 eine Frau in der liberianischen Hauptstadt Monrovia, nachdem das Virus eigentlich schon aus der Region verschwunden war. Tests der Samenflüssigkeit ihres Mannes zeigten, dass er den Erreger auch 199 Tage nach dem Ausbruch seiner Krankheit noch in sich trug.

Männliche Überlebende ab einem Alter von 15 können in Liberia aus diesem Grund monatlich ihr Sperma testen lassen. Daneben werden sie zu Safer Sex beraten und erhalten Kondome.

Post-Ebola-Syndrom: Augen-, Hör- und Gelenkprobleme

Für die betroffenen Männer selbst dürfte das Virus keine direkte Gefahr mehr darstellen: Wer sich einmal mit Ebola infiziert hat, gilt als immun. Viele entwickeln jedoch nach ihrer Heilung Sehprobleme, Gelenkbeschwerden sowie Hörschwierigkeiten. Was die Beschwerden auslöst, ist noch unklar. Zumindest bei den Augen könnten aber wie in den Hoden überdauernde Viren die Probleme verursachen.

Bei der bisher verheerendsten Ebola-Epidemie der Geschichte hatten sich mehr als 28.000 Menschen in Guinea, Liberia und Sierra Leone mit dem Virus infiziert. Mehr als 11.000 von ihnen starben. Nach dem Beginn der Epidemie Ende 2013 erklärte die WHO die letzten Ausbrüche im Juni 2016 für beendet.

irb/Reuters
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