Westafrika WHO fürchtet Ebola-Ausbreitung in Nigeria
Warten auf Neuigkeiten: Verwandte von Infizierten vorm Eingang eines Ebola-Behandlungszentrums in Monrovia, Liberia
Foto: DOMINIQUE FAGET/ AFPGenf - Im Südosten Nigerias droht nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO eine Welle von Ebola-Erkrankungen. In der Hafenstadt Port Harcourt seien bisher drei Fälle bestätigt, bei vielen weiteren ist eine Ansteckung wahrscheinlich. Der Ausbruch habe das Potenzial, sich schneller zu verbreiten als die Welle in der Metropole Lagos, wo das Virus zuerst auftrat, warnte die WHO.
Entscheidend für die Verbreitung in Port Harcourt war nach Angaben der Organisation die Infektion eines Arztes, der nach seiner Erkrankung noch Patienten operierte und vermutlich zu Dutzenden Menschen Körperkontakt hatte. Bei dem am 22. August verstorbenen Arzt, seiner Frau und einem Menschen in der Klinik wurde der Ebola-Erreger bestätigt. Fast 400 Kontaktpersonen stünden unter Beobachtung. Bei 60 davon besteht demnach ein hohes bis sehr hohes Infektionsrisiko.
Heimlich einen Infizierten behandelt
Das Ebolavirus hatte Nigeria, das bevölkerungsreichste Land Afrikas, am 20. Juli mit einem Mann aus Liberia erreicht, der am Flughafen von Lagos zusammenbrach und fünf Tage später starb. Über eine Kontaktperson dieses Mannes hatte sich der Arzt aus Port Harcourt infiziert. Er könnte vor allem Patienten, Gäste einer Familienfeier und Mitglieder seiner Gemeinde angesteckt haben.
Der Arzt habe heimlich, außerhalb des Krankenhauses, einen Patienten behandelt, der ihm gesagt hatte, dass er mit einem Ebola-Kranken Kontakt hatte, sagt Abdulsalami Nasidi von der nigerianischen Seuchenschutzbehörde. "Als er selbst krank wurde, hat er seinen Kollegen nicht gesagt, dass er Kontakt zu jemandem hatte, der sich mit Ebola angesteckt hatte. Er wurde in ein allgemeines Krankenhaus gebracht, wo jeder behandelt wird." Es sei der einzige Fall, der ihnen entgangen sei. "Dafür bezahlen wir jetzt."
Diskussion über Einsatz nicht zugelassener Medikamente
In Genf diskutierten fast 200 Experten am Donnerstag darüber, welche noch nicht zugelassenen Medikamente im Kampf gegen das Virus helfen könnten. Die WHO hatte Mitte August grünes Licht für den Einsatz von Ebola-Wirkstoffen gegeben, die noch nicht am Menschen getestet wurden. Ergebnisse des aktuellen Treffens sollten am Freitagabend bekannt gegeben werden.
"Es gibt derzeit einige sehr vielversprechende Experimente mit Impfstoffen", hatte WHO-Chefin Margaret Chan am Mittwoch in Washington betont. "Wir hoffen, damit in Kürze auf die Überholspur gehen zu können. Dann haben wir die Möglichkeit, die Krankheit besonders wirksam zu bekämpfen." Die Ebola-Epidemie in Westafrika habe inzwischen mehr als 1900 Menschenleben gefordert, 3500 Menschen seien erkrankt. Allein in der vergangenen Woche war die Zahl der Todesopfer um 400 gestiegen.
"Das ist keine afrikanische Krankheit, das ist eine globale Krise. Und deshalb brauchen wir auch eine globale Lösung", sagte Chan. Jedes Land müsse sich beteiligen, am besten durch Experten, zumindest aber mit Material oder Geld. "In der 40-jährigen Geschichte von Ebola war noch keine Epidemie so schwer, so ernst und so komplex wie diese."
Weil die Ebola-Epidemie alle medizinische Hilfe beansprucht, sterben in Sierra Leone, Liberia und Guinea immer mehr Menschen an anderen Krankheiten. Vielerorts seien zudem Gesundheitsstationen unbesetzt, weil örtliche Kräfte sich selbst mit Ebola infiziert hätten oder aus Angst vor Ansteckung nicht zur Arbeit gingen, berichtete die Organisation Ärzte ohne Grenzen am Dienstag.
Die Uno hatte bereits am Dienstag erklärt, der Region drohe wegen der Epidemie ein dramatischer Nahrungsmangel. Aufgrund von Quarantänemaßnahmen und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit könne die bevorstehende Haupternte nur zum Teil eingebracht werden. Die Preise in den besonders betroffenen Ländern würden bereits jetzt steigen.