Fehler bei Ebola-Bekämpfung "Wir haben Demut gelernt"

Mehr als 10.000 Menschen hat der Ebola-Ausbruch in Westafrika das Leben bisher gekostet. Hätte das verhindert werden können? Nach monatelanger harscher Kritik gibt die WHO jetzt zu, nicht effektiv und rasch genug gehandelt zu haben.
Ebola-Patientin in einer Quarantäne-Station in Koidu, Sierra Leone: "Wir wissen nicht, wann der nächste große Ausbruch kommt"

Ebola-Patientin in einer Quarantäne-Station in Koidu, Sierra Leone: "Wir wissen nicht, wann der nächste große Ausbruch kommt"

Foto: BAZ RATNER/ REUTERS

Es war eine deutliche Warnung, die Ärzte ohne Grenzen (MSF) im Juni 2014 aussprach: Die Ebola-Epidemie in Westafrika sei völlig außer Kontrolle, hieß es seitens der Organisation. Sie sei mit ihren Möglichkeiten, auf den Ausbruch zu reagieren, an ihrem Limit angekommen. Doch es sollte sechs Wochen dauern, bis Margret Chan, Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) den globalen Gesundheitsnotfall ausrief. In dieser Zeit starben Hunderte Menschen an den Folgen des Ebolafiebers.

Jetzt, mehr als ein Jahr nach dem Beginn des Ebola-Ausbruchs, hat die WHO schwere Fehler bei der Bekämpfung der Epidemie eingestanden. In einer am Montag verbreiteten Erklärung versprach die Uno-Sonderorganisation grundlegende Verbesserungen im Umgang mit Seuchen. "Wir werden unsere Arbeitsweise verändern", erklärten WHO-Chefin Margaret Chan und die gesamte Führung der Organisation in dem Dokument . Das Krisenmanagement der WHO habe angesichts des Ausmaßes der Katastrophe anfangs weitgehend versagt. Die Organisation müsse grundlegend reformiert werden.

Der nächste Ausbruch kommt bestimmt

Zugleich appellierte die WHO an alle Staats- und Regierungschefs der Welt, die Bedrohung durch Ebola trotz des tendenziellen Rückgangs der Seuche in den letzten Wochen weiter sehr ernst zu nehmen: "Wir wissen nicht, wann der nächste große Ausbruch kommt oder was ihn auslösen wird. Aber die Geschichte sagt uns, dass er kommen wird."

Laut WHO sind in den drei am schwersten von Ebola betroffenen westafrikanischen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone bisher mehr als 10.600 Menschen an der Krankheit gestorben. Insgesamt haben sich dort 25.600 Menschen mit dem Virus infiziert, seit die Krankheit im Dezember 2013 ausgebrochen war. Eine hohe Dunkelziffer wird befürchtet.

Hilfsorganisationen wie Ärzte ohne Grenzen hatten der WHO bereits vor Monaten eine viel zu träge Reaktion auf die Ausbreitung des Virus vorgeworfen. Die WHO habe zu lange gezögert, ehe sie im August 2014 den Internationalen Gesundheitsnotstand ausrief und zu weltweit koordinierten Abwehrmaßnahmen gegen den damals bereits mit Abstand schwersten bisherigen Ebola-Ausbruch aufforderte.

Zu langsam

"Wir haben Lektionen der Demut gelernt", erklärten nun WHO-Chefin Chan sowie ihre Stellvertreter und alle Regionaldirektoren der Organisation in dem gemeinsamen Statement. "Wir haben sehr ernsthaft die Kritik zur Kenntnis genommen, dass unter anderem die anfängliche Reaktion der WHO zu langsam erfolgte und unzureichend war, dass wir nicht energisch genug die Welt alarmiert haben, dass unsere Reaktionskapazität zu gering war, dass wir nicht effektiv bei der Koordinierung mit anderen Partnern waren, dass es Mängel bei der Risikokommunikation gab und dass Verwirrung herrschte hinsichtlich der Rollen und Verantwortlichkeiten auf drei Ebenen der Organisation."

Insgesamt listet die WHO acht Bereiche auf, in denen es im Rückblick erhebliche Versäumnisse und Fehleinschätzungen gegeben habe. In den daraus zu ziehenden Schlussfolgerungen heißt es: "Wir werden die Kapazitäten entwickeln, rasch und effektiv auf Krankheitsausbrüche und humanitäre Notlagen zu reagieren."

Dafür solle unter anderem eine globale Notfall-Arbeitsgruppe geschaffen werden. Zugleich verspricht die WHO-Führung, die nötige grundlegende Reform voranzutreiben. "Einige haben gesagt, die Welt brauche eine neue Organisation. Wir stimmen zu, und wir wollen, dass die WHO diese Organisation wird."

cib/dpa
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