Seuchenschutz Deutschlands Vorbereitung auf den Ebola-Ernstfall

Je länger die Ebola-Epidemie in Westafrika dauert, desto größer ist die Gefahr, dass Reisende das Virus in andere Länder bringen. Wie wappnet sich Deutschland?

Schulung zum Umgang mit hochansteckenden Patienten: Das medizinische Personal muss sich vor einer Ansteckung schützen
DPA

Schulung zum Umgang mit hochansteckenden Patienten: Das medizinische Personal muss sich vor einer Ansteckung schützen

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Ein Infizierter, der das Ebolavirus aus Westafrika in die USA gebracht hat, hat dort zwei Pflegekräfte angesteckt. Eine der Frauen durfte, als sie bereits eine erhöhte Körpertemperatur hatte, in einen öffentlichen Flieger steigen. Der Vorgang offenbart gravierende Sicherheitsmängel - in der Klinik und bei den zuständigen Behörden.

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Heft 43/2014
Wie der Kapitalismus unser Vermögen gefährdet

Wie gut ist Deutschland auf den Fall vorbereitet, dass hierzulande mit Ebola Infizierte einreisen, erkranken und andere anstecken? Das Risiko für solch eine Einschleppung schätzen Experten zum jetzigen Zeitpunkt als sehr gering ein. Dennoch bereitet man sich auf diesen Ernstfall vor.

Vier Flughäfen - Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt und München - sind auf den Umgang mit hoch ansteckenden Krankheiten bei Reisenden vorbereitet, heißt es beim Bundesgesundheitsministerium. Trete ein Verdachtsfall in einem Flugzeug auf, werde es an einen dieser Flughäfen umgeleitet. Die Flughäfen verfügten über Notfallpläne und spezielle Räumlichkeiten.

In Deutschland gibt es sieben Kompetenz- und Behandlungszentren, an denen Ebola-Patienten unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen behandelt werden können. Sie befinden sich in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Leipzig, München und Stuttgart. Nach Aussage von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) stünden dort insgesamt 50 Betten für Ebola-Patienten bereit. Tropenmediziner August Stich, Sprecher des Ständigen Arbeitskreises der Kompetenz- und Behandlungszentren, sagte allerdings gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, dass gleichzeitig nur etwa zehn Patienten betreut werden könnten, da der Personalaufwand sehr hoch sei und der Personalstand in Deutschland einfach nicht vorhanden.

Falls jemand in Deutschland an Ebola erkrankten sollte, ist allerdings unwahrscheinlich, dass er sich sofort bei einem der sieben Kompetenzzentren meldet. Mögliche erste Anlaufstellen sind eher der Hausarzt, der Rettungsdienst, das örtliche Klinikum oder die Polizei.

Hausärzte informiert, Kliniken bereiten sich vor

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hat bereits Informationen herausgegeben, die sich an Katastrophenschutz, Rettungsdienst sowie für Gesundheit zuständige Behörden, Einrichtungen und Institutionen richten. "Die Kompetenzzentren sind gut vorbereitet. Jetzt geht es darum, dass auch alle anderen Akteure für den Ernstfall gewappnet sind", sagt BBK-Präsident Christoph Unger. Für Anfang November plant das Amt ein Sonderforum zum Thema Ebola. Verbindliche Richtlinien gibt das BBK nicht heraus - Gesundheits- und Katastrophenschutz sind in Deutschland Ländersache.

Das Robert Koch-Institut (RKI) beschreibt auf seiner Webseite, wie medizinisches Fachpersonal bei einem Ebola-Verdacht agieren sollte - vom Eigenschutz durch entsprechende Kleidung über die Isolierung des Erkrankten zum Schutz der anderen Patienten bis hin zur Desinfektion potentziell kontaminierter Bereiche und der korrekten Abfallentsorgung.

Diese Informationen haben die Kassenärztlichen Vereinigungen an ihre Mitglieder weitergeleitet. Zum Teil haben sie direkte Ansprechpartner für das Thema ernannt, an die sich die Ärzte bei Fragen wenden können. "Die Ärzte sollten also informiert sein", sagt der Pressesprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Roland Stahl. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin hat ebenfalls in einem Newsletter an ihre Mitglieder auf die aktuellen Fachinformationen hingewiesen.

Auch die Krankenhäuser beschäftigen sich mit der Thematik. Am Klinikum der Universität München beispielsweise sind die Notaufnahmen darauf eingestellt, möglicherweise hochansteckende Patienten rasch zu identifizieren und schnellstmöglich von anderen Patienten zu trennen. "Wir stellen für die Notfallambulanzen der Klinik Infektions-Notfall-Boxen zusammen, die die erforderliche persönliche Schutzausrüstung sowie ein Hände- und ein Flächendesinfektionsmittel enthalten", sagt Pressesprecher Philipp Kreßirer. Die Mitarbeiter seien bereits für die Thematik sensibilisiert, weitere Schulungen stünden an. In der Abteilung für Tropenmedizin würde bei Ebola-Verdacht der Arzt schon in entsprechender Schutzkleidung kommen.

Menschen, die den Verdacht haben, sie könnten an Ebola erkrankt sein, empfiehlt das RKI übrigens, einen Arzt anzurufen - mit Hinweis auf den Verdacht, genauer Beschreibung der Symptome, der Reiseorte und der Reisedauer. Der Arzt werde dann das weitere Vorgehen mit dem Patienten besprechen.

Dass Länder in der Lage sind, Ebola nach Auftreten eines Einzelfalls schnell einzudämmen, zeigt das Beispiel von Nigeria. Nachdem ein Mann, der mit schweren Symptomen am Flughafen von Lagos zusammengebrochen war, das Virus ins Land gebracht hatte, gab es zwar noch insgesamt 19 weitere Fälle - elf davon bei medizinischem Personal. Inzwischen gilt das Land aber wieder als frei von Ebola.

Spenden für die Ebola-Krisengebiete
Ärzte der Welt e.V.

Stichwort: Ebola

Deutsche Kreditbank (DKB)

IBAN: DE06 1203 0000 1004 3336 60

BIC: BYLADEM1001

Internet: www.aerztederwelt.org

Ärzte ohne Grenzen e.V.

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE72 3702 0500 0009 7097 00

BIC: BFSWDE33XXX

Internet: www.aerzte-ohne-grenzen.de

Spenden bei Ärzte ohne Grenzen sind nicht zweckgebunden.

Cap Anamur

Stichwort: Ebola

Sparkasse KölnBonn

IBAN: DE85 3705 0198 0002 2222 22

BIC: COLSDE33

Internet: www.cap-anamur.org

Caritas international

Stichwort: Ebola-Hilfe

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE88 6602 0500 0202 0202 02

BIC: BFSWDE33KRL

Internet: www.caritas-international.de

Deutsches Rotes Kreuz

Stichwort: Ebola

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE63 3702 0500 0005 0233 07

BIC: BFSWDE33XXX

Internet: www.drk.de

Diakonie Katastrophenhilfe

Stichwort: Ebola

Ev. Darlehensgenossenschaft

IBAN: DE26 2106 0237 0000 5025 02

BIC: GENODEF1EDG

Internet: www.diakonie-katastrophenhilfe.de

Don Bosco Mondo e.V.

Stichwort: Ebola

Pax-Bank eG

IBAN: DE10 3706 0193 3040 5060 70

BIC: GENODED1PAX

Internet: www.don-bosco-mondo.de

German Doctors e.V.

Stichwort: Ebola-Hilfe

Evangelische Bank

IBAN: DE12 5206 0410 0004 8888 80

BIC: GENODEF1EK1

Internet: www.german-doctors.de

humedica e.V.

Stichwort: Ebolahilfe

Sparkasse Kaufbeuren

IBAN: DE35 7345 0000 0000 0047 47

BIC: BYLADEM1KFB

Internet: www.humedica.org

I.S.A.R. Germany

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE25 3702 0500 0001 1825 00

BIC: BFSWDE33xxx

Internet: www.isar-germany.de

Misereor

Stichwort: Ebola Krise

Pax Bank Aachen

IBAN: DE75 3706 0193 0000 1010 10

BIC: GENODED1PAX

Internet: www.misereor.de

Oxfam Deutschland e.V.

Stichwort: EBOLA

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE60 3702 0500 0008 0905 01

BIC: BFSWDE33XXX

Internet: www.oxfam.de

Plan International Deutschland e.V.

Stichwort: Ebola

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE86 2512 0510 0009 4449 44

BIC: BFSWDE33HAN

Internet: www.plan-deutschland.de

Save the Children

Stichwort: Ebola-Nothilfe

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE92 1002 0500 0003 2929 12

BIC: BFSWDE33BER

Internet: www.savethechildren.de

SOS Kinderdorf

Stichwort: Ebola

Bankhaus Lampe

IBAN: DE84 4802 0151 0003 0200 02

BIC: LAMPDEDDXXX

Internet: www.sos-kinderdorf.de

Unicef

Stichwort: Ebola

Bank für Sozialwirtschaft

IBAN: DE57 3702 0500 0000 3000 00

BIC: BFSWDE33XXX

Internet: www.unicef.de

Welthungerhilfe e.V.

Stichwort: Ebola-Epidemie

Sparkasse Köln/Bonn

IBAN: DE15 3705 0198 0000 0011 15

BIC: COLSDE33

Internet: www.welthungerhilfe.de

World Vision Deutschland

Stichwort: Ebola

Evangelische Kreditgenossenschaft

BAN: DE91 5206 0410 0004 0007 81

BIC: GENODEF1EK1

Internet: www.worldvision.de

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Seite 1
LH526 21.10.2014
1.
Na, die Bundesregierung hat doch schon vor 3 Wochen erzählt, daß Deutschland sicher sei und wir nichts zu befürchten hätten ... oder hat sie etwa gelogen?
xxbigj 21.10.2014
2.
Ich mache mir keine Sorgen. Gesundheitsminister Gröhe, hat gesagt: "In Deutschland wird es kein Ebola geben, die Krankenhäuser sind sehr gut vorbereitet". Gut als ehmaliger Rettungssanitäter, weiß ich das das natürlich nicht stimmt. Aber immerhin haben wir jemanden auf den man sich berufen kann, wenn es mal bei uns losgehen sollte!
flitzpane 21.10.2014
3. Ich glaube die Panik ist der Gefahr voraus...
Das Risiko in Deutschland ist gering, relativ einfache Vorkehrungen würden viel bewirken (schön dazu: http://wp.me/p14g2B-vy) Die Wahrheit liegt immer irgendwo zwischen Medienhype und Behördenbeschwichtigung, so einfach ist das...
karend 21.10.2014
4. Aber nicht doch
Zitat von LH526Na, die Bundesregierung hat doch schon vor 3 Wochen erzählt, daß Deutschland sicher sei und wir nichts zu befürchten hätten ... oder hat sie etwa gelogen?
Das würde sie nie tun. Alles bestens...
nachtmacher 21.10.2014
5. Die Frage, wie gut D vorbereitet ist
wird im Artikel quasi gar nicht beantwortet. Das Einzige, was ich an einem der darauf "vorbereiteten" Flughäfen gesehen habe war ein Hinweisschild... Also bei uns sitz ein an Ebola-Erkrankter erstmal zwei Stunden im Wartezimmer des Hausarztes. Dann kriegt er ein Grippemittel verschrieben, geht in die Apotheke und dann nach Hause. Im Krankenhaus sitzt der dann wieder so um die zwei Stunden im Empfangsbereich... Fazit: Bis auf´s Robert-Koch-Institut ist deutschland überhaupt nicht vorbereitet. Unser Militär hat keine Flugzeuge, aber die Regierung kauft gerade ein Spezialflugzeug um hochgradig ansteckende Passagiere zu befördern. Unsere "Spezialisten" lassen sich über die Mängel der Seuchenbekämpfung in Afrika aus, sind aber weder bereit noch in der Lage professionell und entscheidend zu handeln wie Nigeria...
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