Epidemie in Westafrika Zahl der Ebola-Toten in Sierra Leone steigt sprunghaft

Die Hoffnung auf eine baldige Eindämmung der Ebola-Epidemie schwindet: In Sierra Leone sind innerhalb weniger Tage mehr als hundert Menschen gestorben - und in Uganda gibt es nun einen Todesfall durch Marburgviren.
Medizinische Helfer in Sierra Leone: Etwa 3500 Menschen sind in Westafrika bisher am Ebolafieber gestorben

Medizinische Helfer in Sierra Leone: Etwa 3500 Menschen sind in Westafrika bisher am Ebolafieber gestorben

Foto: STRINGER/ REUTERS

Freetown - Es hatte nach einem Hoffnungsschimmer ausgesehen: In den drei am stärksten von Ebola betroffenen afrikanischen Ländern Guinea, Liberia und Sierra Leone sei die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen in der zweiten Woche in Folge gesunken, meldete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zuletzt.

Doch wie jetzt bekannt wird, hat sich die Lage in Sierra Leone offenbar über das Wochenende dramatisch geändert: Der offiziellen Statistik der Gesundheitsbehörde zufolge starben dort allein im Laufe des Samstags 121 Menschen an Ebola - so viele wie noch nie zuvor seit dem Ausbruch der Ebola-Epidemie in Westafrika. Zugleich seien 81 neue Fälle bekannt geworden, berichtete die Behörde. Damit stieg die Zahl der Ebola-Toten in Sierra Leone auf 678. Helfer gehen von einer noch deutlich höheren Dunkelziffer aus.

Aktualisierung: Bis zum 1. Oktober hatte Sierra Leone der WHO 575 bestätigte Todesfälle gemeldet. Am 4. Oktober hatte das Gesundheitsministerium in Freetown in einer Lagemitteilung dagegen die Zahl der Ebola-Toten mit 557 angegeben. Wie die Diskrepanz bei den Zahlenangaben entstanden ist, ließ sich zunächst nicht klären. Demnach ist es also offenbar nicht binnen eines Tages zu 121 Todesfällen gekommen. Vielmehr sind vom 1. bis 6. Oktober insgesamt 103 Todesfälle dazugekommen.

Die aktuellen Daten der WHO zur aktuellen Entwicklung der Epidemie werden am Dienstag erwartet. Die Behörde geht im gesamten Westafrika bisher von etwa 3500 Toten aus (offizieller Stand bis 3. Oktober: 3431 Todesfälle, siehe Karte).

Während in Westafrika das Ebolavirus wütet, haben die Gesundheitsbehörden in Uganda den Fall eines Mannes gemeldet, der sich mit dem Marburgvirus infiziert hatte und daran gestorben ist. Es handelt sich um einen 30-Jährigen, der am 30. September dem lebensgefährlichen Marburgfieber erlag.

Das Marburgvirus ist ein enger Verwandter des Ebolavirus und verursacht einen ähnlichen Krankheitsverlauf: Infizierte entwickeln plötzlich Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen und fühlen sich schwach. Anschließend kommen Durchfall oder Erbrechen hinzu, es können Blutungen der Schleimhäute im Magen-Darm- und Genitaltrakt auftreten (hämorrhagisches Fieber). Später kann es zu Organversagen kommen. Bisher existieren weder am Menschen erprobte Schutzimpfungen noch Medikamente.

80 Kontaktpersonen stünden in Quarantäne unter Beobachtung, teilten die Behörden in Kampala mit. Die Bevölkerung sei zu größter Wachsamkeit aufgerufen, sagte die Direktorin des staatlichen Gesundheitsdienstes, Jane Aceng. Das Gesundheitsministerium habe alle medizinischen Notfallteams aktiviert, die über Erfahrung bei der Bekämpfung von lebensgefährlichen Viruserkrankungen verfügen. Genau wie das Ebolavirus ist Marburg nur durch direkten Kontakt mit Erkrankten übertragbar.

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Ebolaviren: Tödliche Erreger

Foto: AP/dpa/CDC

Unterdessen hat sich ein neuer Ebola-Verdacht bei einem zuvor von dem Virus geheilten US-Arzt nicht bestätigt. Die Laborergebnisse seien negativ gewesen, teilte die zuständige US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) am Sonntag mit. Der Arzt und christliche Missionar Rick Sacra, der sich in Liberia mit Ebola infiziert hatte, war Ende September zunächst geheilt aus der behandelnden Klinik in den USA entlassen worden. Allerdings wurde er am Samstag erneut mit Symptomen eingeliefert und unter Quarantäne gestellt. Diese sei nun aufgehoben worden, hieß es.

Der US-Kameramann des Nachrichtensenders NBC News, der sich ebenfalls im westafrikanischen Liberia mit Ebola infizierte, war am Montag auf dem Weg zur Behandlung in den USA. Dort soll er ins Nebraska Medical Center eingeliefert werden, wo auch Sacra behandelt wurde.

Dem Ebola-Patienten, der derzeit in Dallas im US-Bundesstaat Texas behandelt wird, geht es weiterhin schlecht. Sein Zustand wird als sehr ernst bezeichnet. Der Liberianer war am 20. September aus Monrovia in die USA gereist, um Verwandte zu besuchen. Am 24. September erkrankte er. Weil es vier Tage dauerte, bis er schließlich auf eine Isolierstation gebracht wurde, könnte er weitere Menschen angesteckt haben. Derzeit stehen vier seiner Verwandten unter Quarantäne. Insgesamt haben die CDC-Experten zehn Personen ausfindig gemacht, die in direktem Kontakt zu dem 40-Jährigen standen.

CDC-Checkliste: So werden Kontakte von Ebola-Patienten überprüft

CDC-Checkliste: So werden Kontakte von Ebola-Patienten überprüft

Foto: SPIEGEL ONLINE (deutsche Übersetzung)

Sie werden derzeit streng beobachtet und regelmäßig auf Symptome untersucht. Keiner der Betroffenen zeigt aber bisher Anzeichen des Ebolafiebers. Infizierte sind ausschließlich dann ansteckend, wenn sie Symptome wie Fieber, Durchfall oder Erbrechen haben. Zu einer Ansteckung kommt es nur über direkten Kontakt mit den Körperflüssigkeiten des Erkrankten wie Urin, Speichel, Schweiß oder Erbrochenes.

Neben den zehn identifizierten Personen stehen 38 weitere Personen im Visier der Seuchenexperten, die möglicherweise direkten Kontakt zu dem Ebola-Patienten hatten. Darunter ist auch ein Obdachloser, der derzeit gesucht wird. Sein Risikostatus wird von den Behörden jedoch als "gering" eingestuft.

Am Montag soll Thomas Frieden, Direktor der CDC, Präsident Barack Obama über die aktuelle Ebola-Lage unterrichten. Laut Frieden erhält der 40-jährige Ebola-Patient in Dallas derzeit keines der experimentellen Medikamente, die gegen das Ebolafieber teilweise schon im Einsatz waren. Laut Frieden sind die in den USA vorhandenen Dosen des Medikaments ZMapp, ein Gemisch aus speziellen Antikörpern, inzwischen aufgebraucht. Es werde dauern, bis die Herstellerfirma weitere Dosen produziert habe.

POTENZIELLE MITTEL GEGEN EBOLA

Zwar gibt es auch andere Medikamente. Diese sind aber ebenfalls bisher für den Einsatz am Menschen noch nicht zugelassen. "Soweit wir wissen, kommen sie bei dem Mann nicht zum Einsatz", sagte Frieden am Sonntag. "Es ist Sache der behandelnden Ärzte, des Mannes selbst und seiner Familie, für welche Therapie sie sich entscheiden."

Während sich die Ebola-Epidemie in Westafrika weiter ausbreitet, rechnen Forscher damit, dass erste Fälle durch den bestehenden Flugreiseverkehr auch außerhalb des Kontinents bald auftauchen könnten. Am größten schätzen sie derzeit das Risiko für Frankreich ein.

cib/Reuters/AFP
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