Notaufnahme in Dallas Zweite US-Pflegekraft positiv auf Ebola getestet

Es ist der dritte Ebola-Fall in den USA: Eine weitere Pflegekraft hat sich mit dem Virus infiziert. Die Gesundheitsbehörden hatten zuvor eingeräumt, dass schon der zweite Fall vermeidbar gewesen wäre.

Notaufnahme in Dallas: Zweite Krankenschwester infiziert
AFP

Notaufnahme in Dallas: Zweite Krankenschwester infiziert


Dallas - In Texas hat sich eine zweite Krankenschwester mit dem Ebolavirus infiziert. Dies teilte das Gesundheitsministerium des US-Bundesstaates am Mittwoch mit. Die Frau habe am Dienstag Fieber entwickelt und sei sofort auf die Isolierstation gekommen. Inzwischen wurde sie positiv auf Ebola getestet.

Wie eine bereits zuvor erkrankte Pflegerin hatte die betroffene Pflegekraft in der Klinik Texas Health Presbyterian in Dallas einen inzwischen verstorbenen Ebola-Patienten aus Liberia betreut, berichtet das Gesundheitsministerium. Der Mann hatte sich in seiner Heimat infiziert. Die Krankheit wurde bei ihm aber erst festgestellt, nachdem er Ende September zu einem Familienbesuch nach Texas gereist war.

Das Pflegepersonal in Dallas soll nur unzureichend für die Arbeit mit der Krankheit ausgebildet gewesen sein. "Ich wünschte, wir hätten an dem Tag, als der erste Patient mit Ebola diagnostiziert wurde, ein Spezialteam geschickt", sagte der Leiter der US-Gesundheitsbehörde CDC, Tom Frieden. Dass sich eine Krankenschwester bei einem Patienten angesteckt hat, "hätte man verhindern können", so Frieden.

Mehr als 70 Krankenhausmitarbeiter unter Beobachtung

"Vertreter der Behörden haben die Patientin befragt, um schnell Kontaktpersonen und andere Gefahrenpotenziale feststellen zu können", teilte die texanische Gesundheitsbehörde mit. Der Bürgermeister von Dallas, Mike Rawlings, sagte auf einer Pressekonferenz, die Krankenschwester habe allein gelebt und keine Haustiere gehalten. Nachbarn und Freunde der Frau seien kontaktiert worden. Zudem seien von ihr benutzte Räume desinfiziert worden.

Beide Pflegekräfte haben sich trotz Schutzausrüstung infiziert. Bei der jetzt erkrankten Pflegekraft ist noch unklar, wie es dazu kommen konnte. Die zuvor erkrankte Pflegerin hatte anscheinend mit einem kontaminierten Handschuh ihr Gesicht berührt. In einer Erklärung der Gewerkschaft der Krankenschwestern hieß es, die Pfleger seien über die nötigen Sicherheitsvorkehrungen nicht informiert worden: "Wurde gegen die Richtlinien verstoßen? Es gab gar keine Richtlinien."

Inzwischen wurden von den Gesundheitsbehörden mehr als 70 Krankenhausmitarbeiter unter Beobachtung gestellt, die bei der Behandlung Duncans mit dem Virus in Kontakt gekommen sein könnten. Sie werden auf Fieber und andere Symptome der Krankheit hin überwacht. Die Gesundheitsbehörden beobachten zudem weitere 48 Menschen, die mit Duncan vor der Einlieferung ins Krankenhaus Kontakt gehabt haben könnten.

Frieden hatte bereits am Montag davor gewarnt, dass auf die Infektion der Krankenschwester weitere Fälle folgen könnten. Grundsätzlich seien die USA jetzt jedoch auf weitere Ebola-Infizierte vorbereitet. Innerhalb weniger Stunden könne ein speziell geschultes Team in jedes Krankenhaus in den USA geflogen werden.

Deutschland: Nur noch ein Ebola-Patient

In Deutschland wird derzeit nur ein Ebola-Infizierter behandelt, in Frankfurt am Main. Der Arzt aus Uganda hatte sich bei seinem Einsatz im Kampf gegen die Epidemie in Sierra Leone infiziert. Gestern war ein weiterer Patient in Leipzig an den Folgen seiner Infektion gestorben. In Hamburg konnte ein Patient nach fünf Wochen gesund entlassen werden. Alle wurden aus Westafrika eingeflogen und auf speziellen Isolierstationen versorgt, aus denen keine Viren nach außen dringen können. Auch die Pflegekräfte sind in Deutschland speziell geschult.

Die Ebola-Epidemie verbreitet sich in Westafrika noch immer ungebremst. Die Weltgesundheitsorganisation WHO erwartet dort bis Dezember pro Woche zwischen 5000 und 10.000 neue Fälle. Aktuell wurden 8914 an Ebola Erkrankte und 4447 Gestorbene registriert, die Dunkelziffer ist jedoch höher.

irb/AFP/Reuters



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lupenrein 15.10.2014
1. ..............
Und es wird wohl nicht die letzte sein.
fatherted98 15.10.2014
2. Genaue Hingergründe...
...über das "Fehlverhalten" der Pflegekräfte gibt es ja noch immer nicht. Es handelt sich alles um Annahmen. Stellt sich die Frage ob der Virus nicht doch über die Luft übertragbar ist...vielleicht nicht so einfach wie ein Grippe...aber letztlich doch nicht nur durch Schmierinfektion? Das wäre wohl die fatalste Entwicklung im sorglosen Umgang der Behörden in den USA und in Europa mit diesem Virus.
fräulein A. 15.10.2014
3.
"Ich wünschte..." sagt Mr. Frieden! Hätten er und seine Mitarbeiter mal vorher genauer nachgedacht! Es kann ja wohl nicht sein, dass sich Ansteckungen nun häufen! Gute Besserung an die Pfleger...
kraichgau12 15.10.2014
4. das ist ja noch besser als bei uns...
aha,nun kann also "binnen stunden " ein team überall hin in den usa geflogen werden...und vorher behandeln die gleich schlecht trainierten oder auch nicht schlecht trainierten Pflegekräfte? Was,wenn die gar nicht schlecht trainiert sind? was, wenn entweder equipment mangelhaft oder der virus doch wirksamer bei der ansteckung ist? so oder so, die pflegekräfte sind wirklich in einer undankbaren situation,da der patient erstmal nur mit allgemeinen symptomen kommt,und,sollte er nicht schwarz sein,sicher auch nicht automatisch auf besuche in westafrika gecheckt wird..zeit genug,sich anzustecken allemal
reever_de 15.10.2014
5. Man kann nur hoffen ...
Ein einziger Irrsinn. Geht es hier um Schnupfen oder um Ebola, das Killervirus? Man könnte meinen, man geht mal eben auf Besuch mit Blumen und Pralinen in der Hand zu einem Ebola-Patienten und wird fröhlich eingelassen - was ist da bloss los??? In den US-Fernsehenserien über Kliniken klappt bei denen doch alles immer so toll ...
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