Ein rätselhafter Patient Gefährlicher Blutschwund

Ein junger Mann infiziert sich in Togo mit Malaria. Die Ärzte behandeln ihn vor Ort, seine Beschwerden bessern sich. Doch nach wenigen Tagen steigt das Fieber erneut, die Blutwerte verschlechtern sich. Eilig wird er nach London ausgeflogen.

Anopheles-Mücke sticht: Plasmodien im Blut lösen die Malaria aus
Corbis

Anopheles-Mücke sticht: Plasmodien im Blut lösen die Malaria aus

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Seit mehr als vier Monaten ist der 32-jährige Brite in Togo, als er in dem westafrikanischen Staat eine Klinik aufsucht. Er hat Fieber, fühlt sich schlapp und krank. Schnell finden die Ärzte heraus, dass er sich mit dem Erreger Plasmodium falciparum angesteckt hat, jenem einzelligen Parasiten, der die Malaria tropica auslöst. Eine Malaria-Prophylaxe hatte der Patient nicht eingenommen, und in Togo ist die Anopheles-Mücke verbreitet, die den Erreger überträgt. Im Blut des Patienten finden die Mediziner die Plasmodien.

Gegen die Infektion verabreichen die Ärzte zunächst Artemether. Der halbsynthetische Wirkstoff ist mit Artemisinin verwandt, das Plasmodien zuverlässig bekämpft und aus Einjährigem Beifuß gewonnen wird. Anschließend wechseln die Mediziner auf ein anderes Artemisinin-Kombinationspräparat, ihr Patient fühlt sich bereits besser.

Doch wenig später ist das Fieber wieder da, außerdem sind jetzt seine Gelenke geschwollen, der 32-Jährige leidet unter Atemnot. In einem Blutausstrich können die Mediziner unter dem Mikroskop keine Plasmodien mehr erkennen, doch der rote Blutfarbstoff Hämoglobin, der den Sauerstoff im Blut transportiert, ist deutlich abgefallen. In den folgenden Tagen geht es dem Patienten immer schlechter, er wird in ein Krankenhaus in der togoischen Hauptstadt Lomé verlegt. Auch dort können die Ärzte keine Malaria-Erreger als Ursache für den Fieberrückfall finden.

Fieber, Herzrasen, brauner Urin

Als der Hämoglobingehalt im Blut des Mannes auf gefährliche Werte sinkt, verschreiben die Ärzte in Lomé Antibiotika und lassen ihren Patienten nach London ausfliegen. Dort hat er nach wie vor Fieber mit 38,5 Grad Celsius, sein Herz rast, seine blassen Schleimhäute verraten die Blutarmut, unter der er leidet. Das Augenweiß wirkt gelblich, bei der Untersuchung stellen die britischen Ärzte fest, dass Leber und Milz größer sind als es normal wäre. Sein Urin ist dunkelbraun, berichten Joseph Jarvis und seine Kollegen vom Londoner Hospital for Tropical Diseases im Medizinjournal "The Lancet". Zusammengenommen weisen alle Symptome darauf hin, dass die roten Blutzellen sich massenhaft auflösen. Im Fachjargon spricht man von einer Hämolyse.

Tatsächlich messen die Ärzte in London einen noch niedrigeren Hämoglobinwert als ihre Kollegen zuletzt in Lomé, so niedrig, dass sie dem Mann Blutkonserven geben müssen.

Zwar können die britischen Mediziner im einfachen Blutausstrich unter dem Mikroskop keine Malaria-Erreger mehr erkennen. Allerdings können sie Plasmodien-DNA im Blut des Patienten nachweisen. Sie testen eine Reihe möglicher Auslöser der Hämolyse und schließen unter anderem aus, dass der Patient an Blutkrebs erkrankt ist oder eine Autoimmunerkrankung die Blutzellen zerstört.

Schließlich kommt als Ursache für die Hämolyse nur noch eine Nebenwirkung der Malaria-Medikamente in Frage, die der Patient bereits in Togo bekommen hatte.

Wirksame Therapie mit Fallstrick

In Gebieten, in denen die Malaria tropica endemisch ist, gelten Artemisinin-Kombinationspräparate mittlerweile als Mittel der ersten Wahl bei Infektionen mit Plasmodium falciparum. Auch in Europa würden die Wirkstoffe mehr und mehr eingesetzt, berichten die britischen Mediziner im "Lancet". Gerade in schweren Fällen seien die Mittel wertvoll, weil sie die Parasiten besonders schnell und effektiv beseitigen.

Studien zu den Medikamenten hätten auch belegt, dass die Artemisinine grundsätzlich verträglich seien. Doch mittlerweile, so die Ärzte, mehren sich die Hinweise, dass die Hämolyse nach der Behandlung durchaus ein Problem bei europäischen Patienten sei, wenn ihnen die Wirkstoffe direkt in die Vene verabreicht werden.

Auch in einer belgisch-niederländischen Studie haben sieben von 68 Patienten (zehn Prozent), die mit einem weiteren artemisininverwandten Wirkstoff behandelt worden waren, anschließend eine schwere Hämolyse erlitten. In einer weiteren kleinen Studie war gar ein Viertel der Patienten betroffen. In allen Fällen gebe es keine andere Erklärung dafür, dass sich die roten Blutzellen massenhaft auflösten, so die britischen Ärzte - und fordern deshalb bei der Behandlung von Malaria-Patienten die schweren Nebenwirkung der Medikamente zu berücksichtigen.

Der 32-Jährige erholte sich schließlich in der Londoner Klinik von den Symptomen: Im Verlauf von sechs Tagen bekam er vier Bluttransfusionen. Nach einer Woche hatte er das Fieber überstanden, die Hämolyse stoppte. Die Ärzte konnten ihn gesund nach Hause entlassen.



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
marecs 13.07.2013
1.
"Eine Malaria-Prophylaxe hatte der Patient nicht eingenommen,..." also wenn die helfen würde. lebe in ostafrika und die die hier zu besuch kamen haben fast alle die "Malaria-Prophylaxe" genommen und die meisten haben Malaria bekommen. Ein europäischer Arzt hier unten hat mir gesagt, diese Prophylaxe eher behindert da sie Symptome verschleiert. Bin bis jetzt sehr gut ohne Malaria ausgekommen und darf auch so bleiben.
ro-li 14.07.2013
2. Auch
bin bis jetzt ganz gut ohne malaria ausgekommen. danke.
bot-inside 14.07.2013
3.
wer nicht Medizin studiert hat, sollte mit seinem gefährlichen halbwissen über funktion und Misserfolg der Malaria Medikamente vorsichtig sein und nicht unnötig die Leute wuschig machen.
physikus_alt 14.07.2013
4. Es gibt verschiedene Malarie
Zitat von marecs"Eine Malaria-Prophylaxe hatte der Patient nicht eingenommen,..." also wenn die helfen würde. lebe in ostafrika und die die hier zu besuch kamen haben fast alle die "Malaria-Prophylaxe" genommen und die meisten haben Malaria bekommen. Ein europäischer Arzt hier unten hat mir gesagt, diese Prophylaxe eher behindert da sie Symptome verschleiert. Bin bis jetzt sehr gut ohne Malaria ausgekommen und darf auch so bleiben.
Zum obigen Beitrag steht hier unten der beste Kommentar, welchem eigentlich nichts mehr anzufügen wäre! : Zusätzlich möchte ich noch anfügen, dass es verschiedene Malariaerreger gibt, wobei die *Malaria Tropica* die gefährlichste Malaria Art in Westafrika, tatsächlich tödlich sein kann. Deshalb ist nicht damit zu spassen. Allerdings von Nebenwirkungen von Artemether hört man ausserordentlich selten. Persönlich empfehle ich Touristen eine Prophylaxe (in der Regel Malarone) zu nehmen, weil es für die Gäste eben schöner ist, nicht nach einer Woche bis 10 Tagen krank zu werden und verdorbene Ferien zu haben. Währendem ich für mich, da ich die meiste Zeit dort lebe, immer eine Packung Coartem/Riamet als Therapeutikum bei mir habe, um mich selber frühzeitig behandeln zu können. Apropos : - die Latenzzeit der Ansteckung beträgt etwa 5-10 Tage. - der Schutz der Prophylaxe ist nicht 100%, aber trotzdem genügend. Schöne Ferien in Westafrika
physikus_alt 14.07.2013
5. Bester Kommentar
Zitat von bot-insidewer nicht Medizin studiert hat, sollte mit seinem gefährlichen halbwissen über funktion und Misserfolg der Malaria Medikamente vorsichtig sein und nicht unnötig die Leute wuschig machen.
Obigen Text habe ich in meinem Beitrag als gemeint, als ich von bestem Kommentar schrieb. Er ist leider unter gegangen. Will mich nicht mit fremden Federn schmücken!
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