Spurenelement Ist Eisenmangel der Grund für meine Müdigkeit?

Ständig erschöpft? Blass? Fröstelnd? Möglicherweise eine Folge von Eisenmangel. Doch auch zu hohe Werte können zum Problem werden.
Müdigkeit: Eisenmangel wirkt sich negativ auf die Leistungsfähigkeit aus

Müdigkeit: Eisenmangel wirkt sich negativ auf die Leistungsfähigkeit aus

Foto: Corbis

Durch den spinatessenden Matrosen Popeye und seine muskulösen Arme wissen wir seit frühester Kindheit um die Bedeutung des Eisens: Es macht stark! Inzwischen ist klar, dass die Geschichte mit dem eisenreichen Spinat mit Vorsicht genossen werden muss . Doch eines stimmt: Das Spurenelement Eisen ist immens wichtig für die Gesundheit. Der Organismus braucht es für den Sauerstofftransport, für diverse Stoffwechselvorgänge, die Energieversorgung der Zellen sowie für ein schlagkräftiges Immunsystem.

Eisen ist unter anderem Teil eines Enzyms, das den Neurotransmitter Dopamin im Gehirn herstellt. Der Nervenbotenstoff ist im Zusammenhang mit Aufmerksamkeit, Schlafen, Lernen, motorischer Aktivität, Verhalten und Stimmung wichtig. Bei einem Eisenmangel wird weniger Dopamin produziert.

So vielfältig die Aufgaben des Eisens, so unterschiedlich sind die Symptome eines Mangels. Betroffene können müde und gereizt sein, blass, kälteempfindlich oder depressiv verstimmt. Die Haare können stumpf werden, die Nägel brüchig.

Vegetarier und Veganer haben häufiger Eisenmangel

"Rund 30 bis 50 Prozent aller menstruierenden Frauen haben wegen des regelmäßigen Blutverlustes einen Eisenmangel", sagt der Biochemiker und Mediziner Peter Nielsen, Leiter der Eisenstoffwechselambulanz am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Auch ein Großteil der Kinder und Jugendlichen zwischen 1,5 und drei Jahren sowie zwischen 12 und 14 Jahren hätten wachstumsbedingt Eisenmangel.

Bei stark übergewichtigen Menschen führt das vergrößerte Fettgewebe im Bauchraum dazu, dass vermehrt Entzündungsstoffe ausgeschüttet werden und der Körper infolgedessen weniger Eisen aufnimmt. Ausdauersportler, ältere Menschen, Menschen mit verletzungsbedingt hohem Blutverlust oder mit chronischen Entzündungen im Magen-Darm-Trakt, sowie Vegetarier und Veganer haben ein erhöhtes Risiko für einen Eisenmangel. Das liegt daran, dass Läufer oft wenig Fleisch essen, um tierische Fette einzusparen, und alte Menschen sich mitunter schlecht ernähren. Bei Vegetariern und Veganern fehlt das Eisen aus Fleisch völlig, die Ausbeute aus Pflanzen ist mager. "Vegetarier und Veganer sollten ihre Ernährung sehr sorgfältig und intelligent zusammenstellen. Dann muss es nicht zum Eisenmangel kommen", sagt Nielsen.

Zu viel Eisen ist auch ungesund

Zu wenig Eisen ist ungesund - zu viel jedoch auch. Typische Symptome einer Eisenüberladung sind Müdigkeit, Reizbarkeit, Gelenkschmerzen, Impotenz oder ausbleibende Regelblutung, Leberschädigung, Diabetes, Herzrhythmusstörungen und eine metallisch-graue Hautfärbung. Etwa einer von 300 Menschen in Deutschland leidet an der häufigsten Ursache für Eisenüberladung, der hereditären Hämochromatose, einer erblichen Eisenspeicherkrankheit", sagt Nielsen.

Normalerweise wird die Eisenaufnahme aus der Nahrung durch körpereigene Schutzmechanismen gedrosselt, da überschüssiges Eisen zu oxidativem Stress in den Zellen führen kann. "Aber keine Sorge, bei leicht erhöhten Eisenwerten verfügen die Zellen über antioxidative Schutzsysteme. Erst bei höheren Eisenwerten werden die Zellen geschädigt", sagt Nielsen. Außerdem bildet die Leber eigens ein Hormon, das die Eisenaufnahme drosselt. Doch bei Menschen mit der Eisenspeicherkrankheit fehlt dieser Mechanismus genetisch bedingt. So wird viel zu viel Eisen aus der Nahrung aufgenommen und zunächst vor allem in der Leber, später auch in anderen Organen wie der Bauchspeicheldrüse und in den Gelenken abgelagert. Es treten rheumaähnliche Gelenkbeschwerden auf, und der Zuckerstoffwechsel wird zunehmend gestört.

"Glücklicherweise werden nur relativ wenige der von Hämochromatose betroffenen Menschen richtig krank", sagt Nielsen. Zumeist treten Beschwerden im Alter von 40 bis 50 Jahren auf. "Mitunter haben aber auch bereits junge Menschen ausgeprägte Symptome, vor allem, wenn sie viel Fleisch essen." Es gibt eine einfache Behandlungsmöglichkeit: Der Aderlass, der die Blutnachbildung anregt, die Eisen verbraucht. Bei Behandlungsbeginn wird der Patient - auch im Rahmen einer Blutspende - für bis zu 1,5 Jahre alle ein bis zwei Wochen um etwa 500 ml Blut erleichtert, um die Eisenwerte zu normalisieren. Dann beginnt die Erhaltungstherapie, das heißt drei bis vier Aderlässe pro Jahr, um die Eisenwerte niedrig zu halten.

"Neuerdings kommen zahlreiche übergewichtige Menschen wegen ihrer erhöhten Eisenwerte mit Verdacht auf Hämochromatose zu uns. Viele dieser Menschen haben ganz einfach durch die großen, zumeist fleischreichen Nahrungsmengen viel zu viel Eisen aufgenommen, und offenbar arbeitet bei ihnen leberbedingt die Eisendrosselung nicht mehr richtig. Eine Hämochromatose haben sie aber nicht", sagt Nielsen.

Was hilft gegen Eisenmangel?

Aus einem Eisenmangel kann innerhalb weniger Monate eine Eisenmangelanämie werden.Wer Mangelsymptome hat, sollte beim Arzt den Hb- und den Ferritin-Wert bestimmen lassen. Eisenmangel kann, nach Rücksprache mit dem Arzt, mit Eisentabletten behandelt werden. Eisen am besten auf nüchternen Magen (30 Minuten vor oder zwei Stunden nach den Mahlzeiten) einnehmen - und mindestens drei Monate lang.Eiseninfusionen sind risikoreicher und sollten nur im Einzelfall gegeben werden. Zu hoch dosierte Eisenpräparate können Vergiftungserscheinungen auslösen.Bei Eisenmangel ist es ratsam, die eigene Ernährung zu überdenken.

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