Entzündungen und Zahnverlust Elektrische Zahnbürsten putzen besser

Wer seine Zähne elektrisch putzt, leidet seltener unter Zahnfleischentzündung und verliert weniger Zähne. Ein Grund dafür ist, dass viele ihre normalen Zahnbürsten falsch benutzen.

Vierjährige können laut Experten ihre Zähne selbst elektrisch putzen
Mareen Fischinger/ Westend61/ Getty Images

Vierjährige können laut Experten ihre Zähne selbst elektrisch putzen


Elektrische Zahnbürsten schützen laut einer Studie besonders gut vor einer Zahnfleischentzündung und dem Verlust von Zähnen. Das schreiben Forscher der Universität Greifswald im "Journal of Clinical Periodontology". Für ihre Untersuchung werteten sie Daten von rund 2800 Erwachsenen aus, deren Zahngesundheit über einen Zeitraum von elf Jahren beobachtet worden war.

Nutzer elektrischer Zahnbürsten verloren im Beobachtungszeitraum im Schnitt 0,4 Zähne weniger als Menschen, die mit einer mechanischen Zahnbürste putzten, heißt es in der Untersuchung von Vinay Pitchika und seinem Team. Elektrisches Putzen sei mit weniger sogenannten Zahnfleischtaschen und mit weniger Verlust am Zahnhalteapparat verbunden.

In einem gesunden Mund sitzt das Zahnfleisch fest um jeden Zahn. Bei der Parodontitis ist das Zahnfleisch durch bakteriellen Zahnbelag entzündet und umschließt den Zahn nur noch locker. Erreicht die Entzündung den Kieferknochen, baut sich dieser ab - unbehandelt droht ein Zahnverlust.

Auffällig war den Forschern zufolge, dass Nutzer elektrischer Zahnbürsten in der Tendenz jünger waren, besser gebildet und mehr Wert auf Zahngesundheit legten. Die positiven Effekte der elektrischen Zahnbürsten blieben zwar bestehen, als die Forscher den Einfluss dieser Faktoren herausrechneten. Trotzdem kann nicht ausgeschlossen werden, dass bei den gemessenen Effekten neben der Wahl der Zahnbürsten auch andere Faktoren eine Rolle spielten.

Fluorid wichtiger als die Art der Zahnbürste

Einen Zusammenhang zwischen der Verwendung elektrischer Zahnbürsten und Karies fanden die Forscher nicht. "Es ist davon auszugehen, dass Fluorid in Zahnputzcremes eine wichtigere Rolle bei der Vorbeugung von Karies oder der Verringerung der Kariesprogression spielt", sagte der Greifswalder Forscher Pitchika.

Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, liest aus der Studie heraus, "dass elektrische Zahnbürsten einen relevanten positiven Einfluss bei der Prävention der Entstehung beziehungsweise des Fortschreitens einer beginnenden Parodontalerkrankung besitzen".

Generell könne man mit manuellen Zahnbürsten bei optimaler Handhabung vergleichbare Ergebnisse erzielen wie mit elektrischen Geräten, sagt Oesterreich. Allerdings habe eben nicht jeder Anwender die perfekte Technik. "Die elektrische Zahnbürste macht es automatisch richtig." Bei der Vorbeugung der Parodontitis besitze die elektrische Zahnbürste nach neuesten Studien Vorteile.


Die richtige Putztechnik

Die Universität Greifswald rät auf ihrer Homepage zu einer Zahnbürste mit weichem oder mittleren Härtegrad, besondere Formen - etwa ein beweglicher Kopf - sind demnach nicht notwendig. Empfehlenswert ist, beim Putzen mit den Innenflächen im Unter- und Oberkiefer zu beginnen, dann mit den Außenflächen fortzufahren und schließlich die Kauflächen zu säubern.

Die Zahnbürste sollte an der Außenfläche in einem Winkel von 45 bis 60 Grad aufgesetzt werden und zu gleichen Teilen Zahnoberfläche und Zahnfleisch bedecken. Anschließend gilt es, einen leichten Druck auszuüben, sodass sich die Borsten etwas biegen, und leicht kreisende oder rüttelnde Bewegungen durchzuführen.

Wer seine Putzleistung kontrollieren will, kann sich in der Apotheke Färbetabletten besorgen. Diese zeigen, wo nach dem Putzen Belag auf den Zähnen zurückgeblieben ist.


Oesterreich zufolge galten normale Zahnbürsten lange Zeit als genauso effektiv wie elektrische. Allerdings hätten in letzten Jahren zahlreiche Studien Hinweise darauf geliefert, dass elektrische Bürsten bei gleicher regelmäßiger Anwendung eine effektivere Mundhygiene durchführen.

Der Zahnmediziner Stefan Zimmer von der Universität Witten/Herdecke kommt zu einem ähnlichen Schluss: "Es hat sich gezeigt, dass sie besser reinigen als Handzahnbürsten." Mit diesen könne man das gleiche Ergebnis erreichen, wenn man länger putze. "Das machen die meisten nicht, deshalb ist im täglichen Leben elektrisch besser", sagte er.

Er empfiehlt, bereits bei zweijährigen Kindern elektrisch nachzubürsten. Vierjährige könnten sich selbst elektrisch die Zähne putzen. Aussagen, man könnte sich das Zahnfleisch elektrisch "wegputzen", weist Zimmer zurück, da sie ihm zufolge nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierten. Elektrisches Putzen sei eher schonender.

irb/dpa



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