Erkältungen Das hilft gegen Schnupfen, Husten und Halsweh

Eine Erkältung dauert ohne Behandlung sieben Tage, mit Behandlung eine Woche - so das Sprichwort. Stimmt das? Was bringen Hustensäfte, Nasensprays und Co. wirklich?

Hustensaft ist wenig ratsam
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Hustensaft ist wenig ratsam


Zwei bis vier akute Atemwegsinfekte durchlebt jeder Erwachsene durchschnittlich pro Jahr. Kinder sind sechs bis acht Mal im Jahr erkältet. Gefährlich sind die Erkrankungen in der Regel nicht. Mattigkeit, Gliederschmerzen, Schnupfen, Husten und Halsschmerzen können aber ganz schön quälen.

Entsprechend groß ist die Nachfrage nach Erkältungsmitteln. Doch helfen sie wirklich? Eine systematische Auswertung von Studien aus den Jahren 1985 bis 2015 gibt nun Antwort. Das Fazit: Nur bei wenigen Erkältungsmitteln lässt sich ein objektiver Nutzen nachweisen. Viele andere helfen vor allem dem, der daran glaubt.

Diese Erkältungsmittel sind nachweislich wirksam

Schmerzmittel: Paracetamol und nichtsteroidale Entzündungshemmer wie Ibuprofen verbessern die mit einer Erkältung verbundenen Ohr-, Kopf- und Gliederschmerzen, außerdem senken sie Fieber. Gegen Schnupfen, Husten und Halsschmerzen helfen sie aber nicht.

Honig: Ein Teelöffel Honig, aufgelöst in einer heißen Flüssigkeit und vor dem Einschlafen getrunken, verringert bei Kindern den Husten und lässt sie besser schlafen. Daten für Erwachsene fehlen. "Honig hat eine vergleichbar stark Husten blockierende Wirkung wie übliche Hustenblocker", sagt Markus Rose, Leiter der Notfall-, Intensivmedizin und Pneumologie an der St. Georg Kinder- und Jugendklinik Leipzig.

Achtung: Kinder unter einem Jahr sollten keinen Honig zu sich nehmen. Sonst besteht die Gefahr, dass sich ein Bakterium, das manchmal in Honig zu finden ist, in ihrem Darm ausbreitet. Die Folge sind eine Vergiftung mit Darmstillstand und Muskellähmungen.

Diese Erkältungsmittel können helfen

Dekongestiva: Der Begriff beschreibt Mittel, die die Schleimhäute abschwellen lassen sollen. Sie werden zum Beispiel als Tabletten geschluckt (oral), als Nasentropfen oder Nasenspray verwendet. Orale Präparate können die subjektiven Beschwerden bei wiederholtem Einsatz leicht reduzieren. In der Mehrheit der Studien ließen sich jedoch keine positiven Effekte nachweisen. Vor allem bei Kindern kommt es immer wieder zu Überdosierungen mit schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen.

"Nasentropfen und -sprays haben ein Abhängigkeitspotenzial und sollten - wenn überhaupt - nur kurzzeitig verwendet werden", erklärt Rose. Besser seien Meerwassernasensprays und -spülungen. Sie hatten zumindest bei Kindern positive Effekte: Die Nase lief weniger, die Kinder konnten besser atmen und dadurch erholsamer schlafen.

Medikamente gegen Husten: Sogenannte Antitussiva unterdrücken den Hustenreiz, Sekretolytika und Mukolytika sollen den Schleim verflüssigen und dadurch das Abhusten erleichtern. Bei Erwachsenen haben sie einen moderaten Nutzen, bei Kindern fehlen Belege. Da der Hustenreiz einen wichtigen Schutzreflex darstelle, sollten Medikamente gegen Reizhusten nur eingenommen werden, wenn keine Hausmittel helfen, so die Forscher. Die besten Schleimlöser seien eine gute Befeuchtung der Atemwege - etwa durch Inhalieren - und reichlich Trinken.

Zink: Zinktabletten können bei Erwachsenen eine Erkältung um etwa eineinhalb Tage verkürzen und die Beschwerden lindern. Allerdings hat Zink in den bei Erkältungen empfohlenen Konzentrationen erhebliche Nebenwirkungen wie Übelkeit und Geschmacksstörungen. Wer Zink über einen langen Zeitraum isoliert und konzentriert einnimmt, läuft zudem Gefahr, unter anderem dem Immunsystem zu schaden.

Aus diesem Grund rät das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) grundsätzlich davon ab, Kindern und Jugendlichen Nahrungsergänzungsmittel mit Zink zu geben. Erwachsene sollten demnach täglich auf längere Zeit höchstens 25 Milligramm Zink aufnehmen - das ist ein Drittel der Dosis, bei der das Mineral bei Erkälteten eine Wirkung gezeigt hat.

Sonnenhut-Extrakte: Nur eine von sieben Studien konnte einen positiven Effekt auf die Krankheitsdauer und die Beschwerden nachweisen. Hauptproblem ist, dass sich die im Handel erhältlichen Echinacea-Produkte in ihrer Stärke, Zusammensetzung, Verarbeitung und den verwendeten Pflanzenteile stark unterscheiden. Zurzeit gibt es keine zuverlässige Beurteilung möglicher Vor- und Nachteile.

Bei diesen Erkältungsmitteln konnte kein positiver Nutzen belegt werden

Antibiotika sind keine Erkältungsmittel, werden aber immer wieder verschrieben. Antibiotika können nur Bakterien abtöten, gegen die Erkältungsviren sind sie machtlos. Bei etwa einer von zehn Personen, die Antibiotika nehmen, treten Nebenwirkungen wie Durchfall, Übelkeit oder andere Magen-Darm-Beschwerden auf.

Kombinationspräparate: Hierbei handelt es sich um eine Kombination unter anderem von antiallergischen, abschwellenden und schmerzstillenden Mitteln, teils in Verbindung mit Koffein und hochprozentigem Alkohol. Die verschiedenen Wirkstoffe sollen Husten, Halsschmerzen, Schnupfen und andere Symptome gleichzeitig lindern.

Bei Erwachsenen und älteren Kindern lasse sich ein gewisser Nutzen belegen, der allerdings kritisch gegenüber Nebenwirkungen abgewogen werden müsse, so die Forscher. Auch die Stiftung Warentest hält Kombipräparate für wenig geeignet. Die enthaltenen Wirkstoffe "ergänzen sich oft nicht sinnvoll oder belasten den Körper unnötig".

Nur Erkältung - oder die echte Grippe?
    Viele sprechen von einer Grippe, wenn sie nur einen grippalen Infekt haben. Zwischen beiden gibt es aber einen großen Unterschied: Während ein grippaler Infekt in der Regel harmlos verläuft und von vielen verschiedenen Viren verursacht wird, stecken hinter einer echten Grippe allein Influenzaviren.
  • Die Symptome einer Grippe sind deutlich stärker als bei einem grippalen Infekt. Bei älteren, sehr jungen und immungeschwächten Menschen kann eine Infektion lebensgefährlich werden. "Auch wenn beide oft miteinander verwechselt werden, ist die Grippe eine ganz andere Nummer als ein grippaler Infekt", sagt der Virologe Stephan Ludwig von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.
"Wenn man eine richtige Grippe hat, dann weiß man das. Dann hat man nicht ein bisschen Schnupfen und Kopfdruck, dann hat man hohes Fieber und Schmerzen." Vor den Influenzaviren schützt die jährliche Grippeimpfung. Die harmlosen Erkältungen hingegen kann auch sie nicht abwehren.
insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
Pfaffenwinkel 13.01.2017
1. Die alten Hausmittel
und ab ins Bett - so wird man eine Erkältung am besten los.
Maro2 13.01.2017
2. 7 Tage oder eine Woche
Nicht unerheblich ist doch wie man die Zeit bis zur Genesung durchsteht, entweder mit allen Symptomen und Schmerzen oder relativ Beschwerdefrei.
peter_freiburg 13.01.2017
3.
Zitat von Maro2Nicht unerheblich ist doch wie man die Zeit bis zur Genesung durchsteht, entweder mit allen Symptomen und Schmerzen oder relativ Beschwerdefrei.
sehe ich genauso. Bei einem starken Schnupfen möchte ich nicht ohne Nasentropfen sein, sonst würde ich ja gar nicht mehr schlafen... Ich denke, dass eine gut durchgeschlafene Nacht doch sicher auch zur Genesung beiträgt, oder?
io_gbg 13.01.2017
4.
Bei mir funktioniert Folgendes einigermaßen: - Paracetamol, wenn man es gleich bei Beginn Symptome nimmt, vor allem aber abends, damit der Schlaf lange und erholsam ist - Kräftiges Schwitzen bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr (Salziges wie Brühe, Hühnerbrühe!) - Ruhen, möglichst nicht arbeiten Nicht zögern, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen bei - Fieber, das länger als einen Tag höher ist als 38° - Halsschmerzen (ich habe einmal eine richtige Halsentzündung gehabt, dauerte lange und war gemein schmerzhaft)
jandings 13.01.2017
5. Ich kann nur sagen: Liposomale Formulierungen!
Geniales Zeug, Vitamin C oder andere Immunsystembooster werden in Liposome eingeschlossen und gehen direkt ins Blut. So habe seit 2 Jahren keinen Infekt mehr. Gibt's mittlerweile von einigen Herstellern in D, u.a. auch ohne Konservierungs- und Zusatzstoffe.
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