Erkältung Drei Hausmittel gegen das Schniefen und Husten

An der Türklinke oder in der Luft des überfüllten Busses: Erkältungsviren sind im Herbst und Winter allgegenwärtig. Was tun, wenn es einen erwischt hat? Teetrinken, Naseduschen, auf Vitamin C setzen? Drei Hausmittel im Schnellcheck.


Die antiken Griechen gurgelten Salbeilösung bei Heiserkeit, die Römer schätzten Süßholzwurzel als Medikament: Viele Hausmittel haben eine Hunderte Jahre alte Tradition. Dennoch ist bei fast keinem die Wirkung in großen - und teuren - Patientenstudien untersucht. Stattdessen beschränkt sich das Wissen auf plausible Wirkmechanismen, die zum Teil in Experimenten mit Tieren oder im Reagenzglas bestätigt wurden. Drei gängige Mittel im Schnellcheck.

KRÄUTERTEES

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So geht's: Bei Husten empfiehlt Heilkräuter-Experte Johannes Gottfried Mayer einen Tee aus einem halben Teelöffel Süßholzwurzel und einem Teelöffel Thymiankraut auf eine Tasse; bei Entzündungen im Rachenraum rät er zu zwei Teelöffeln zerkleinerten Salbeiblättern auf eine Tasse.

Vermutete Wirkung: Alle drei Pflanzen enthalten Substanzen, die im Labor schon in geringen Mengen eine Reihe an Krankheitserregern - darunter viele Bakterien, aber auch Viren und Pilze - abtöten. Daneben gelangen vor allem mit der Süßholzwurzel Schleimstoffe in den Rachen, die sich wie ein schützender Film auf die Schleimhäute legen und trockenem Husten entgegenwirken sollen. "Das ist ein Vorteil im Vergleich zum Inhalieren", sagt Mayer, der an der Universität Würzburg zu Heilpflanzen forscht. Tierversuche weisen noch auf eine Reihe weiterer Wirkungen hin, Salbeiblätter etwa konnten in einem Versuch mit Mäusen Entzündungen der Ohren vorbeugen; Thymian wirkte bei Untersuchungen mit Meerschweinchen entkrampfend.

Nebenwirkungen: Süßholzwurzel kann den Blutdruck erhöhen und sollte nicht länger als vier Wochen eingenommen werden. Vorsicht geboten ist auch bei Erkrankungen der Niere oder einem hohen Blutzuckerspiegel. Thymian hingegen gilt in den üblichen Dosierungen als sicher. Da bei Salbeiblättern kaum Daten zu Nebenwirkungen existieren, rät die EU vom Einsatz bei Kindern ab.


NASENDUSCHE

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So geht's: Salz aus einem für diesen Zweck abgepackten Tütchen in lauwarmem Wasser auflösen, so dass eine etwa einprozentige Lösung entsteht. Die Flüssigkeit mit einer Nasendusche in das eine Nasenloch laufen lassen oder kräftig hochziehen. Anschließend ausspucken. Den Vorgang mit dem anderen Nasenloch wiederholen.

Vermutete Wirkung: Das Salzwasser soll zähflüssigen Schleim, Dreck, Pollen und Krankheitserreger aus der Nase spülen. Außerdem befeuchtet es die Nasenschleimhäute und stärkt dadurch ihre Fähigkeit, sich selbst zu reinigen. Pollenallergiker können durch regelmäßige Anwendungen die Allergenbelastung senken und sich eine Linderung verschaffen. Außerdem haben große Studien gezeigt, dass regelmäßiges Nasenduschen bei chronischen Entzündungen der Nasenschleimhaut und der Nebenhöhlen helfen kann. Auch bei einer gewöhnlichen Erkältung mit verstopften Nasennebenhöhlen soll die Dusche die Beschwerden mildern.

Ob tägliche Nasenduschen gesunde Menschen vor einer Infektion schützen können, ist nicht richtig untersucht. Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass tägliche Nasenduschen die Gefahr für Infektionen der Nasennebenhöhlen sogar erhöhen können. Deutsche Lungenärzte raten daher von täglichen Nasenduschen ab und empfehlen sie nur bei akuten Infekten.

Nebenwirkungen: Sind die Nebenhöhlen stark verschleimt, besteht die Gefahr, dass die Spülflüssigkeit nicht mehr richtig abfließen kann. Dies ist zwar nicht schädlich, kann sich aber unangenehm anfühlen. Unbedingt auf die richtige Dosierung und Temperierung achten: Kaltes Wasser sowie Wasser ohne oder mit zu viel Salz reizen die Schleimhäute.


VITAMIN C

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So geht's: Ausgewogen, mit vielen frischen Zutaten ernähren. Vitamin C findet sich in vielen Obstsorten wie Beeren und Zitrusfrüchte, aber auch Gemüsesorten wie Rosenkohl, Paprika oder Brokkoli sind reich an Vitamin C.

Vermutete Wirkung: Der Körper benötigt Vitamin C, um Kollagen zu bilden. Das Protein kommt in nahezu allen Organen und Geweben des Körpers vor und ist fester Bestandteil des Bindegewebes. Es schützt unter anderem die Schleimhäute in Nase, Mund und Rachen vor Infektionen. Ein dauerhafter Mangel an Vitamin C macht krank, die Seefahrerkrankheit Skorbut ist das bekannteste Beispiel. Heute leidet hierzulande allerdings kaum noch jemand an einem Vitamin-C-Mangel - auch ohne zusätzlich geschluckte Vitamin-C-Pillen. Dementsprechend wenig bringen wahrscheinlich auch gezielt eingesetzte Vitamin-C-Bomben bei einer Erkältung.

Im Januar 2013 veröffentlichte die Cochrane Collaboration eine Übersichtsstudie zur Wirksamkeit von Vitamin C als Erkältungsvorbeuger. Die Wissenschaftler werteten 29 Studien mit insgesamt 11.300 Testpersonen aus und kamen zum Ergebnis: "Die zusätzliche Aufnahme von Vitamin C konnte die Erkältungshäufigkeit der Allgemeinbevölkerung nicht reduzieren." Wichtiger ist, dass das Paket aus ausgewogener Ernährung und Bewegung stimmt.

Nebenwirkungen: Wer viel Obst und Gemüse isst und die Finger von Vitamintabletten lässt, hat keine Nebenwirkungen zu fürchten.

irb/jme

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