Hyposensibilisierung Immuntherapie könnte gegen Erdnussallergie helfen

Bei schwerer Erdnussallergie hilft bisher nur eines: Alle Lebensmittel meiden, die auch nur Spuren der Hülsenfrüchte enthalten. Eine Immuntherapie könnte Abhilfe schaffen. Noch befindet sie sich aber noch im experimentellen Stadium.
Snack mit Hülsenfruchtbelag: Lebensgefährlich bei schwerer Erdnussallergie

Snack mit Hülsenfruchtbelag: Lebensgefährlich bei schwerer Erdnussallergie

Foto: Matthew Mead/ AP

Dass sich auf zahlreichen Lebensmitteln der Hinweis findet, sie könnten Spuren von Erdnüssen enthalten, hat einen ernsthaften Hintergrund: Bei Erdnussallergikern können schon winzige Mengen der Hülsenfrüchte schwere allergische Reaktionen auslösen - bis hin zum lebensgefährlichen anaphylaktischen Schock. Rund ein Prozent der Kinder in Industrienationen leidet Schätzungen zufolge an einer Erdnussallergie.

Seit einigen Jahren arbeiten Ärzte an einer Therapieoption für Erdnussallergiker, die im Prinzip dem entspricht, was Pollenallergikern schon lange helfen kann: Kleine, im Laufe der Therapie stetig steigende Dosen der allergieauslösenden Stoffe sollen den Körper an diese gewöhnen.

Im Medizinjournal "The Lancet"  berichtet ein britisches Forscherteam um Andrew Clark von der University of Cambridge von einer kleinen Studie mit 99 Kindern und Jugendlichen, bei denen die Immuntherapie gute Ergebnisse gezeigt habe. Doch die Wissenschaftler warnen auch gleich: Keinesfalls sollte man die Methode einfach zu Hause ausprobieren, da die Erdnussmengen, die man anfangs verträgt, extrem gering sein können.

Erdnussprotein ins Essen gemischt

Die Hälfte der 7- bis 16-jährigen Probanden nahm ein halbes Jahr lang täglich steigende Mengen Erdnussprotein zu sich: von 2 Milligramm bis hin zu 800 Milligramm, und in Form von Erdnussmehl, das in andere Lebensmittel gemischt wurde. Die andere Hälfte der Probanden wurde in dieser Zeit nicht behandelt, sondern mied zunächst - wie es der Standard ist - Erdnüsse komplett. Erst im folgenden halben Jahr bekam die Gruppe ebenfalls die Immuntherapie.

Um anschließend jeweils herauszufinden, ob die sogenannte Hyposensibilisierung angeschlagen hatte, nahmen die Probanden bis zu 1400 Milligramm Erdnussprotein zu sich, was etwa der Menge in zehn Erdnüssen entspricht. 62 Prozent aus der ersten und 54 Prozent aus der zweiten Gruppe konnten diese Portion konsumieren. Die restlichen Probanden brachen entsprechend vorher ab, weil sich Allergiesymptome zeigten.

Für die Allergiker ist es ein deutlicher Gewinn an Lebensqualität, wenn sie sicher fünf oder zehn Erdnüsse verputzen können: Wo vorher bei vielen Lebensmittel aufgrund möglicher Spuren schwere allergische Reaktionen drohten, können sie nun entspannt zubeißen.

Häufige Nebenwirkungen

In der Therapiephase zeigte die Behandlung bei vielen der Kinder und Jugendlichen Nebenwirkungen in Form von allergischen Reaktionen, was auch zu erwarten war. 81 Prozent klagte mindestens einmal über Halskratzen, mehr als die Hälfte über Bauchschmerzen. Knapp ein Drittel plagte Übelkeit, ebenso viele mussten sich übergeben. Um die 20 Prozent niesten oder keuchten, entwickelten Angioödeme (Schwellungen von Haut oder Schleimhaut) oder Hautrötungen. 13 Prozent klagten über Nesselsucht. Vier Probanden brachen die Studie wegen häufig auftretender allergischer Reaktionen ab.

In einem Kommentar im "Lancet"  bezeichnet der US-Allergologe Matthew Greenhawt von der University of Michigan in Ann Arbor das Ergebnis als außergewöhnlich vielversprechend. Er merkt jedoch auch an, dass die Therapie noch weit davon entfernt sei, als Standardmethode in den Praxen anzukommen. Vorher müssten Forscher unter anderem klären, ob der erzielte Gewöhnungseffekt von Dauer ist.

wbr
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