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04. Juni 2018, 12:38 Uhr

Erste Hilfe

Wie der Sommerhit "La Macarena" Leben retten kann

Ist ein Mensch bewusstlos und atmet nicht, gibt es nur eine richtige Reaktion: Mit der Herzdruckmassage beginnen. Spanische Mediziner raten dazu, währenddessen den Sommerhit "La Macarena" im Kopf zu haben.

Der Sommerhit "La Macarena" kann helfen, Leben zu retten. Wer den Song im Kopf hat und in seinem Takt auf den Brustkorb drückt, erreicht häufiger das richtige Tempo für eine Wiederbelegung als Menschen ohne Lied im Kopf. Das berichteten Mediziner der Universität Barcelona auf dem Euroanaesthesia-Kongress in Kopenhagen. Noch hilfreicher ist es demnach, auf eine Smartphone-App als Taktgeber zurückzugreifen.

Damit genug Blut durch den Körper zirkuliert, sollte das Herz zwischen 100 und 120 Mal pro Minute komprimiert werden. Für ihren Versuch wählten die spanischen Mediziner 164 Studenten der Universität Barcelona aus und unterteilten sie in drei Gruppen:

  • Eine Gruppe, die gar keine Hilfsmittel hatte, während sie an einer Puppe die Herzdruckmassage durchführte;
  • eine zweite Gruppe, die eine Smartphone-App nutzte, die einen Rhythmus von 103 Schlägen pro Minute vorgab;
  • eine dritte Gruppe, die im Kopf den Sommerhit "La Macarena" sang.
  • Sowohl in der Smartphone-Gruppe (91 Prozent) als auch in der Macarena-Gruppe (74 Prozent) erreichten deutlich mehr Teilnehmer die ideale Frequenz als in der Kontrollgruppe (24 Prozent). Die Smartphone-Gruppe konnte jedoch erst etwas später beginnen, da sie zunächst die App starten musste.

    "La Macarena" ist nicht die erste Empfehlung für einen Hit, der die Herzmassage anleitet: In den USA wurde lange der Song "Staying Alive" von den Bee Gees als Taktgeber empfohlen.

    Nach drei Minuten: Dauerhafte Schäden am Gehirn

    Je nach Statistik erleiden in Deutschland jedes Jahr zwischen 40.000 und 64.000 Menschen einen plötzlichen Herzstillstand. Dann kommt es darauf an, so schnell wie möglich mit der Herzdruckmassage zu beginnen: Etwa drei bis fünf Minuten nach dem Herzstillstand wird das Gehirn durch den Mangel an Sauerstoff dauerhaft geschädigt, nach zehn Minuten sinken die Überlebenschancen gen Null.

    Trotzdem trauen sich in Deutschland gerade einmal 37 Prozent der Laien zu reanimieren, bis der Notarzt kommt. Zum Vergleich: In Norwegen starten 70 Prozent der Ersthelfer sofort mit der Wiederbelebung. Wenn auch hierzulande mehr Menschen reanimieren würden, könnten jährlich mehrere Tausend Leben gerettet werden.

    Für die niedrige Quote gibt es laut Ralf Sick von der Johanniter-Unfall-Hilfe verschiedene Gründe. Manche Menschen ekelten sich vor der Mund-zu-Mund-Beatmung oder hätten Angst vor ansteckenden Krankheiten; andere sorgten sich, bei der Herzdruckmassage Fehler zu machen und am Ende gar verklagt zu werden.

    "Es ist noch nie vorgekommen, dass ein Ersthelfer verklagt wurde", betont Sick. Vielmehr seien Ersthelfer sogar versichert. Zwar seien sowohl Drücken als auch Beatmen für die Wiederbelebung wichtig. "Bevor jemand aber gar nichts tut, bringt in den ersten Minuten nach einem Herzstillstand auch das Drücken viel."

    Was muss außer dem Tempo beachtet werden?

    Neben dem richtigen Tempo ist es wichtig, dass die Herzdruckmassage kräftig und durchgängig erfolgt. Der Betroffene sollte mit entblößtem Oberkörper auf dem Boden liegen, der Helfer daneben knien. "Platzieren Sie den Ballen einer Ihrer Hände in der Mitte des Brustkorbs, stabilisieren Sie diese Hand mit der anderen", so Sick.

    Dann sollten Helfer senkrecht von oben mit durchgestreckten Armen den Brustkorb vier bis fünf Zentimeter tief eindrücken - dafür braucht es Kraft. Sind mehrere Ersthelfer vor Ort, können sie sich bei der Massage ablösen. Wer sich zutraut, auch zu beatmen, sollte mitzählen: In diesem Fall sind 30 Mal drücken und zwei Mal beatmen die richtige Quote.

    irb/dpa

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