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05. April 2016, 14:38 Uhr

Ethikrat kritisiert Kliniken

Gespart wird am Patientenwohl

Krankenhäuser müssen ans Geld denken. Das Nachsehen haben dem Deutschen Ethikrat zufolge oft die Patienten. Das Gremium fordert deshalb Verbesserungen in der Kommunikation - und der Bezahlung.

Zu wenig Zeit zum Reden, hoher Kostendruck: Eine zu starke Ausrichtung am Umsatz statt am Patienten führt zu zahlreichen Missständen in deutschen Krankenhäusern. Das ist der Tenor einer am Dienstag in Berlin veröffentlichten Stellungnahme des Deutschen Ethikrats, der die Politik in ethischen Fragen berät. Mit Blick auf das Patientenwohl gebe es Anlass zur Sorge.

Der Rat forderte neue Weichenstellungen für die knapp 2000 Kliniken in Deutschland. "Die Krankenhausversorgung befindet sich auf einem hohen Niveau, aber sie knirscht, weil sie unbalanciert ist", sagt die Vorsitzende Christiane Woopen.

Den Krankenhäusern fehlt es laut Ethikrat an Planungssicherheit. Deshalb setzten sie oft alles daran, die Ausgaben zu drücken. Die Kliniken tendieren dem Rat zufolge dazu, gewinnbringende Behandlungen im Übermaß anzubieten. Lücken entstünden dagegen bei der Versorgung weniger lukrativer Patienten.

Verbesserungen sind demnach vor allem nötig für

Zeit ist Mangelware

Als Kernproblem sieht der Rat Kommunikationsprobleme an. Ratsmitglied Michael Wunder nennt mangelnde Hinwendung zum Patienten als eines der Probleme. Zusätzlich klärten Ärzte oft zu wenig über Behandlungen und Alternativen auf. Aufgrund mangelnder Kommunikation komme es auch zu Fehlbehandlungen. Zeit sei Mangelware. Dem Pflegepersonal gehe dadurch oft Empathie verloren.

Der Ethikrat empfiehlt, die Krankenpflege durch Mindestquoten für Pflegekräfte zu verbessern. Die Krankenhäuser sollten die Behandlungen von Patienten mit mehreren Krankheiten angemessener abrechnen können. Durch bessere Kommunikationsabläufe sollen den Patienten mehr Informationen zugänglich werden. Das soll sich laut den Experten auch in der Bezahlung der Kliniken niederschlagen.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft betonte, beim Pflegepersonal und den Ärzten seien in den vergangenen Jahren Zehntausende zusätzliche Stellen geschaffen worden. Durch ein Förderprogramm der Koalition werde die Einstellung weiterer 6000 Pflegekräfte gefördert. Die Finanzierung müsse aber gesichert sein.

wbr/dpa

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