Von Durchfall bis Zeckenbiss Welche Reisekrankheiten in Europa auftreten

Egal ob Fieber oder Übelkeit - manche Reise macht krank. Das Risiko, sich anzustecken, kann jeder selbst beeinflussen. Oft helfen schon einfache Maßnahmen.

Gut zu wissen: Wer im Urlaub krankgeschrieben ist, kann die freien Tage nachholen
Viorika/ iStockphoto/ Getty Images

Gut zu wissen: Wer im Urlaub krankgeschrieben ist, kann die freien Tage nachholen


Steht eine Fernreise an, ist der prophylaktische Besuch beim Arzt für viele Reisende selbstverständlich. Doch auch in europäischen Ländern sollte man nicht völlig unbedarft reisen. Einige Reisekrankheiten, die nur in der Ferne vermutet werden, treten auch in Europa auf. Daher ist vernünftige Körperhygiene, Achtsamkeit bei der Lebensmittelwahl und Schutz vor Mücken und Zecken wichtig.

Doch was ist überhaupt eine Reisekrankheit? Darunter fallen alle Beschwerden, mit denen ein Reisender in seiner Heimat eher nichts zu tun hat, erklärt Christian Schönfeld, Arzt für Reise- und Tropenmedizin an der Berliner Charité. Besonders die Hygienestandards und das Klima des Reiseziels beeinflussen mögliche Erkrankungen.

Gründliches Händewaschen ist guter Schutz

Durchfallerkrankungen treten beispielsweise auch in Deutschland auf. "Von Norden nach Süden gibt es in Europa ein Hygienegefälle", sagt Schönfeld. Daher sind Infektionskrankheiten in Südeuropa wahrscheinlicher.

Um Krankheiten zu vermeiden, ist das Wichtigste das regelmäßige und gründliche Händewaschen mit Seife. "Seife entfernt Dreck, Fette sowie darunterliegende Keime und Erreger", so Schönfeld. Ist die oberste Schmutzschicht von der Haut entfernt, kann zusätzlich ein Desinfektionsmittel verwendet werden.

Schönfeld empfiehlt, immer etwas Seife dabeizuhaben, um Wunden säubern zu können. Wer beispielsweise einen Hundebiss 10 bis 15 Minuten lang mit Seife auswasche, beseitige viele Keime, sagt Schönfeld. Dadurch sinke die Gefahr einer Entzündung drastisch.

Leitungswasser abkochen

Viele Urlauber fangen sich Krankheiten im Urlaub, wenn sie wie gewohnt Wasser aus der Leitung trinken. "Bei uns sind mehrstufige Kläranlagen die Regel. Woanders kann es passieren, dass Wasser direkt aus dem Erdreich abgepumpt wird", warnt Schönfeld. Eine Übersicht, in welchen Ländern Sie Leitungswasser trinken können und wo besser nicht, finden Sie beispielsweise hier. Im Zweifel rät Schönfeld, das Wasser abzukochen oder Trinkwasser in Flaschen zu kaufen.

Auch Lebensmittel, die mit Grundwasser gewässert werden, können mit Bakterien und Viren belastet sein. Für Verbraucher ist das schwierig zu erkennen. Um sicher zu gehen, können Urlauber Obst schälen und Gemüse kochen. Das tötet die meisten Krankheitserreger ab.

An Hepatitis A denken

Wichtig ist, dass sich alle Urlauber entsprechend des Impfkalenders des Robert Koch-Instituts mit den Standardimpfungen schützen. Die ständige Impfkommission beim Robert Koch-Institut empfiehlt in der jährlichen Übersicht zum Beispiel Auffrischungen und die regelmäßige Impfung gegen Grippe für ältere Menschen.

"Südlich der Alpen und östlich der Oder sollte man an Hepatitis A denken und impfen", rät Schönfeld. Gegen Typhus empfiehlt der Experte keine Impfung, da sie nur zu 60 Prozent Schutz biete und es in Europa in den letzten Jahren nur zu wenigen Typhus-Erkrankungen kam. Auch gegen Typhus sei Hygiene der beste Schutz.

Schutz gegen Mücken

Um den idealen Schutz geht es auch beim Thema Mücken und Zecken. "Weltweit gibt es etwa 3500, hierzulande wohl 50 Stechmückenarten", heißt es im Mückenatlas vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung und vom Friedrich-Loeffler-Institut. Allerdings begünstigen Klimawandel und Globalisierung die Einschleppung nicht heimischer Arten.

Um Mückenstichen vorzubeugen, helfen lange Kleidung und Moskitonetze gegen nachaktive Mücken. Grundsätzlich sollte man sich Tag und Nacht schützen, da sowohl tag- als auch nachtaktive Mücken Krankheiten übertragen können. Bestimmte Mückenschutzmittel zum Auftragen auf die Haut sorgen beispielsweise dafür, dass die Tiere den Geruch des Menschen nicht mehr wahrnehmen.

Risikogebiete breiten sich in Richtung Norden aus

"Jede Zeckenart hat ihr eigenes Repertoire an Krankheitserregern", sagt Ute Mackenstedt, Parasitologin an der Universität Hohenheim. Der Gemeine Holzbock etwa überträgt vor allem Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Es gibt die Zeckenart überall in Deutschland, wobei die humanen FSME-Fälle zu 90 Prozent in Baden-Württemberg und Bayern auftreten.

Doch die FSME-Risikogebiete breiten sich in Richtung Norden aus. Erst in diesem Jahr wurde der Landkreis Emsland durch das Robert Koch-Institut als Risikogebiet ausgewiesen. In diesen Gebieten gilt besondere Vorsicht. Gegen FSME können sich Reisende impfen, eine ursächliche Therapie gibt es nicht. Gegen Borreliose wiederum gibt es zwar keinen Impfstoff, allerdings können Antibiotika die Bakterien bekämpfen.

Neu ist die Zecke Hyalomma. "Sie ist in Deutschland nicht beheimatet und wird regelmäßig mit Zugvögeln hergebracht", sagt Mackenstedt. Vor Kurzem hat eines der Tiere offenbar erstmals einen Menschen in Deutschland mit Zecken-Fleckfieber infiziert. Forscher prüfen derzeit, ob sich die Zecken dauerhaft in Deutschland ansiedeln und überwintern könnten.

Um die Forscher bei ihrer Arbeit zu unterstützen, können Verbraucher Hyalomma-Zecken an die Uni Hohenheim senden. Die Hyalomma-Zecke ist etwa fünfmal größer als der Gemeine Holzbock, hat gestreifte Beine und ist wesentlich agiler als unsere heimischen Zecken.

Von Steven Hille/dpa/koe



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