Posse um Masernvirus Impfgegner muss Arzt 100.000 Euro zahlen

100.000 Euro wollte ein Impfgegner für den Beweis zahlen, dass das Masernvirus existiert. Ein Mediziner lieferte ihm die Unterlagen, Geld aber bekam er nicht. Zu Unrecht, wie jetzt ein Gericht entschieden hat.
Impfgegner Lanka: Der Biologe hatte die Idee der krankmachenden Masernviren infrage gestellt

Impfgegner Lanka: Der Biologe hatte die Idee der krankmachenden Masernviren infrage gestellt

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ dpa

Ravensburg - Ein skurriler Streit hat vor dem Landgericht Ravensburg ein Ende gefunden - vorerst zumindest. Alles begann mit einer Ausschreibung im Internet: Demjenigen, der Existenz und Größe der Masernviren mithilfe wissenschaftlicher Publikationen belegt, wollte der Biologe Stefan Lanka 100.000 Euro bezahlen.

Warum nicht, dachte sich der Mediziner David Bardens und nahm die Wette an. Er schnürte ein Bündel mit Studien, ließ sie Lanka zukommen, doch der weigerte sich zu zahlen. Die in renommierten Fachjournalen veröffentlichten Studien konnten ihn nicht überzeugen, erklärte er. Bardens forderte sein Geld daraufhin vor Gericht ein , mit Erfolg.

Die Kriterien des Preisausschreibens seien formal und inhaltlich erfüllt worden, urteilten die Richter des Landgerichts Ravensburg am Donnerstag. Zuvor hatten sie einen Sachverständigen eingesetzt, der klären musste, ob die von Barden vorgelegten Dokumente ausreichen, um die Existenz des Masernvirus zu beweisen. Der Impfgegner kündigte an, in Berufung zu gehen.

Dass es Masernviren wirklich gibt, bekommen derzeit vor allem in Berlin vielen Menschen zu spüren: Nach Angaben des Landesamts für Gesundheit und Soziales sind in der Hauptstadt seit Oktober bisher 782 Menschen daran erkrankt. Die meisten von ihnen waren nicht geimpft. Mit etwa 20 neuen Fällen pro Tag schwäche sich die Welle bisher auch nicht ab, sagte die Sprecherin des Amtes, Silvia Kostner.

Bis Ende Februar wurden an das Robert Koch-Institut (RKI) Masern-Ausbrüche aus 13 Bundesländern gemeldet. Insgesamt haben sich bisher mehr als 900 Menschen in diesem Jahr nachweislich mit Masern angesteckt. Lediglich in Bremen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland gab es zu diesem Zeitpunkt noch keine registrierten Fälle. Nach Berlin gab es in Bayern (56), Brandenburg (46) und Sachsen (38) die meisten Patienten.

Die Masern-Zahlen schwanken von Jahr zu Jahr stark. 2014 gab es in ganz Deutschland 444 gemeldete Fälle, 2013 waren es 1769, 2012 wurden 165 Fälle registriert. Ziel ist es, die Masern in Deutschland auszurotten. Doch dafür sind die Impfquoten weiterhin nicht hoch genug. Impflücken gibt es bei Kindern und Erwachsenen. Eine Impfpflicht ist bisher politisch nicht gewollt. Kinderärzte fordern als Druckmittel einen Impfnachweis vor einer Aufnahme in eine öffentliche Kita oder Schule.

cib/dpa