Tropenkrankheiten Unerwünschtes Reisesouvenir

Malaria, Dengue-Fieber, Ruhr: Wer nach einem Urlaub in den Tropen erkrankt, sollte an exotische Krankheiten denken, die auch noch Wochen oder Monate nach der Reise ausbrechen können. Werden sie zu spät erkannt, droht mitunter Lebensgefahr.

Moskitonetz: Eine wirksamer Schutz vor Malaria
DPA

Moskitonetz: Eine wirksamer Schutz vor Malaria


Die Erinnerung an die Ferien am Amazonas sind bereits verblasst, doch plötzlich schießt die Körpertemperatur ohne ersichtlichen Grund in die Höhe. "Jeder, der nach einem Urlaub in den Tropen Fieber bekommt, sollte sofort zum Arzt gehen", sagt Benjamin Mordmüller, stellvertretender Direktor des Instituts für Tropenmedizin am Universitätsklinikum Tübingen. Es könne sich um Malaria handeln - und die kann tödlich enden, wenn sie zu spät erkannt wird. Malaria wird durch Plasmodien ausgelöst, Blutparasiten, die durch Mückenstiche in vielen tropischen Regionen übertragen werden.

Es gibt wirksame Medikamente, die bei den ersten Symptomen eingenommen werden sollten. "Der normale Hausarzt stuft Fieber aber vielleicht nicht als Notfall ein", sagt Mordmüller. Urlauber sollten daher spezialisierte Reisemediziner aufsuchen und auf den vorangegangenen Urlaub hinweisen. Gewissheit gibt dann ein Labortest. Mordmüller warnt außerdem: "Wer Präparate zur Malaria-Prophylaxe nimmt, muss diese auch nach der Reise noch eine Zeitlang weiter einnehmen. Sonst kann die Krankheit noch ausbrechen." In den vergangenen Jahren wurden laut Robert Koch-Institut (RKI) zwischen 500 und 600 Malaria-Fälle pro Jahr bei deutschen Reiserückkehrern gemeldet. Todesfälle sind selten, kommen aber immer wieder vor.

Dengue-Fieber wird selten erkannt

Allzu große Angst müssen Reiserückkehrer zwar nicht haben, sagt Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des Centrums für Reisemedizin (CRM) in Düsseldorf: "Die häufigsten Reisekrankheiten sind immer noch Durchfall, Sonnenbrand und Mückenstiche." Wichtig sei aber, jedem Verdacht auf exotische Krankheiten nachzugehen. Urlaubern seien einige Erreger noch ungenügend bekannt. "Viel wahrscheinlicher als Malaria zu bekommen ist es zum Beispiel, an Dengue-Fieber zu erkranken", sagt Jelinek.

Exotische Tropenkrankheiten

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Die Viruserkrankung wird auch von Mücken übertragen und löst Fieber aus. Es verläuft häufig harmlos, teilweise aber gefährlich. Dengue-Fieber ist in den Tropen besonders verbreitet, infizieren können sich Reisende aber beispielsweise auch in den Südstaaten der USA. Auch in Europa wird die Krankheit zunehmend zum Problem. Insgesamt knapp 500 Fälle wurden laut RKI 2013 bisher bei deutschen Urlaubsrückkehrern gemeldet. Tropenmediziner gehen hierbei davon aus, dass Dengue-Fieber nur selten erkannt wird. "Ich schätze, dass nur zehn Prozent der Fälle offiziell erfasst werden", sagt Jelinek.

Auch die Bilharziose finde noch zu wenig Beachtung. Die Parasiten werden beim Kontakt mit verseuchtem Süßwasser übertragen. Vorstufen von Würmern, Schistosomen, können dabei über die Haut in den Körper eindringen. Besonders tückisch: Reisende seien sich des Infektionsrisikos oft nicht bewusst. Zudem könnten die ersten Symptome noch lange nach der Infektion auftreten. "Wenn jemand Monate später blutigen Urin hat, führt er das dann nicht unbedingt auf das Bad im See in Malawi zurück", sagt Jelinek. Auch der Befall mit anderen Würmern kann sich erst Monate später bemerkbar machen: durch Gewichtsverlust, Durchfall oder ständiges Bauchweh.

Symptome ernst nehmen

Als Faustregel gilt: Hinter Fieber, schweren Durchfällen und Hautsymptomen können sich Tropenkrankheiten verbergen. Sie sollten nach Reisen in Risikogebiete von Spezialisten beurteilt werden. So empfiehlt es auch das Bernhard-Nocht-Institut (BNI) für Tropenmedizin in Hamburg. Zu jeder Jahreszeit suchen dort Menschen Rat, die befürchten, sich im Urlaub eine gefährliche Krankheit zugezogen zu haben. In bis zu 20 Prozent der Fälle stellten die Mediziner tatsächlich eine Tropenkrankheit fest, sagt Jakob Cramer, Arzt in der Institutsambulanz. Oft werden aber auch andere Ursachen für Beschwerden wie Fieber entdeckt: "Manche haben sich einfach im klimatisierten Flughafen erkältet." Und Gelenkschmerzen können zwar auf eine Parasitose hindeuten, teilweise stellen die Tropenmediziner aber Rheuma oder Arthritis fest.

Als Arzt fragt Cramer genau ab, welchem Infektionsrisiko sich Reisende ausgesetzt haben. Manchmal ärgert er sich über deren Unvorsicht - etwa wenn sich jemand auf Homöopathie als Malaria-Prophylaxe verlassen hat. Im BNI kann sich deshalb jeder vor seiner Reise über Vorsichtsmaßnahmen und Impfungen beraten lassen.

Ist eine Tropenkrankheit einmal erkannt, sind die Heilungschancen meist gut. Schwieriger sei es oft mit Patienten, die überzeugt sind, von einem exotischen Erreger befallen zu sein - obwohl die Ärzte nichts feststellen können. "Beim sogenannten Parasitenwahn handelt es sich um eine Psychose. Für uns eine der am schwersten zu behandelnden Tropenkrankheiten", sagt Cramer.

insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
neu_ab 27.08.2013
1.
Wozu müssen Leute, die sich wohl zuhause über "Klimawandel" aufregen, überhaupt ausgerechnet in die Tropen fliegen?
Layer_8 27.08.2013
2. yep
Zitat von sysopDPAMalaria, Dengue-Fieber, Ruhr: Wer nach einem Urlaub in den Tropen erkrankt, sollte an exotische Krankheiten denken, die auch noch Wochen oder Monate nach der Reise ausbrechen können. Werden sie zu spät erkannt, droht mitunter Lebensgefahr. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/exotische-tropenkrankheiten-unerwuenschtes-reisesouvenir-a-918828.html
erst "komisches" Unwohlsein und Schlaflosigkeit. Chronischer Durst und Wasser in Unmaßen trinken, ohne irgendwie auf Toilette wieder ablassen müssen. Dann kommt Schüttelfrost und nur noch Lethargie. Und wenn dann keine Hilfe von Dritten kommt, dann ist wohl vorbei. So wars bei mir mit Malaria. Und das Fieber mit 40° merkt man irgendwie nicht so, erst im Krankenhaus hab ichs erfahren. Die Hilfe dort wirkte dann aber schnell. P.S. Trotz Prophylaxe, seitdem verzichte ich drauf.
abigailsaar 27.08.2013
3.
stellt sich "bloß als Rheuma" heraus: Als Rheumatikerin wünsche ich diese Krankheit niemandem, sie beeinflusst "bloß" das ganze Leben
Rumgeseier 27.08.2013
4. Selbst schuld...
Wer in die Tropen fährt, muß damit rechnen, dass ihn irgendeine tropische Krankheit befällt. Der Reisewahn wird uns irgendwann garantiert den Weltuntergang bescheren, irgendein neuer "Schwarzer Tod" lauert schon in der Ferne.
Rosmarinus 27.08.2013
5. Oiweh.
Zitat von Layer_8erst "komisches" Unwohlsein und Schlaflosigkeit. Chronischer Durst und Wasser in Unmaßen trinken, ohne irgendwie auf Toilette wieder ablassen müssen. Dann kommt Schüttelfrost und nur noch Lethargie. Und wenn dann keine Hilfe von Dritten kommt, dann ist wohl vorbei. So wars bei mir mit Malaria. Und das Fieber mit 40° merkt man irgendwie nicht so, erst im Krankenhaus hab ichs erfahren. Die Hilfe dort wirkte dann aber schnell. P.S. Trotz Prophylaxe, seitdem verzichte ich drauf.
Vielleicht haben Sie auch beim Nehmen der Prophylaxe etwas falsch gemacht? Oder Sie haben das falsche Mittel gehabt, vielleicht auch ein vor Ort gekauftes, das gefälscht war? Deswegen komplett drauf zu verzichten, ist nicht gerade schlau. Gerade bei Leute die (länger) keine Infektion mit Plasmodien gehabt haben, kann ein Malariaausbruch unerwartet schnell sehr gefährlich werden. Auch wer länger in Malariagebieten lebt, sollte am Anfang Prophylaxe nehmen, die die erfolgenden Infektionen normalerweise gut niederhält und dem Körper ermöglicht, eine Pseudoimmunität zu entwicklen, die einem dann, wenn die Prophlaxe abgesetzt wird, soweit schützt, dass eine Infektion nicht zu schnell schlimm wird und erfolgreich bekämpft werden kann.
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