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30. Dezember 2014, 15:53 Uhr

Familienpflegezeit

Wer pflegt, verliert

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Lohnersatz bei akutem Pflegebedarf von Angehörigen und Auszeit aus dem Job: So will ein Gesetz die Pflege von Angehörigen ab 2015 erleichtern. Doch die Regelung hat Schwachstellen und schließt viele Arbeitnehmer aus.

Ein Schlaganfall oder ein Herzinfarkt - zum Pflegefall können Menschen schnell werden. Auch nach der ersten medizinischen Versorgung sind viele weiter auf Hilfe angewiesen. Oft springen Angehörige ein. Mehr als ein Drittel der über 2,6 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland wird zu Hause von Verwandten gepflegt - viele von ihnen müssen deshalb in ihrem Beruf kürzertreten und auf Geld verzichten. Unterstützen soll sie eigentlich das Familienpflegezeitgesetz. Doch das hilft in seiner bisherigen Form den Pflegenden kaum. Laut einer Umfrage berichten 79 Prozent der Betroffenen von schlechter Vereinbarkeit von Pflege und Beruf.

Das soll sich nun ändern. Denn die Reform des Gesetzes zum 1. Januar 2015 verspricht bessere Bedingungen für die Betreuung von Angehörigen und Unterstützung bei akuten Pflegefällen. Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) will so der steigenden Zahl älterer Menschen Rechnung tragen, die von Angehörigen betreut werden. Was bringt die Neuregelung?

Eine echte Entlastung wird das Gesetz aber nicht bringen, vermuten Patientenschützer. "Die Reform ist nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Es scheitert an der Finanzierung: Pflegende müssten sich hoch verschulden, um ihren schweren Dienst zu leisten", sagt der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. Ob es sich jemand leisten kann, seine Arbeitszeit im Extremfall bis zu zwei Jahre auf 15 Wochenstunden zu reduzieren, ist bei dem Gesetz generell fraglich.

Das ist aber nicht das einzige Problem bei der Regelung. Denn Rechtsanspruch auf Pflegezeit und Familienpflegezeit haben nur Mitarbeiter von Betrieben mit mehr als 25 Beschäftigten - so sollen kleinere Unternehmen geschützt werden. Ursprünglich hatte er schon für alle Firmen mit mindestens 16 Beschäftigten gelten sollen. Die Grenze wurde aber kurz vor der Verabschiedung Anfang Dezember auf Druck der Union hochgesetzt. Opposition und Länder kritisieren, dass damit viele Arbeitnehmer ausgeschlossen werden. Pia Zimmermann von der Linken sagte, sieben Millionen Arbeitnehmer würden so ausgeschlossen.

"Das Gesetz war ein Flop und wird ein Flop bleiben. Die geringe Anzahl von 134 Personen, die davon 2014 Gebrauch gemacht hat, zeigt, dass das Problem in der finanziellen Belastung der Familien liegt", so Brysch. Das belegen auch Umfragen: Nur knapp jeder Dritte wäre laut einer Forsa-Umfrage bereit, Angehörige selbst zu Hause zu pflegen. 17 Prozent würden einen Platz im Pflegeheim auswählen, 43 Prozent eine andere Lösung suchen, zum Beispiel eine Pflegekraft ins Haus bestellen.

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