Keine Einschränkungen US-Behörde will Werbung für E-Zigaretten erlauben

Hersteller von E-Zigaretten nutzen rechtliche Grauzonen, um ihre Produkte zu bewerben. Die US-Behörde FDA will den Markt endlich in den Griff bekommen. Ihr Regulierungsvorschlag gefällt aber vor allem der Tabakindustrie.
"Dampfen" einer E-Zigarette: Ein Milliardenmarkt in den USA

"Dampfen" einer E-Zigarette: Ein Milliardenmarkt in den USA

Foto: AFP/Getty Images

Die US-Gesundheitsaufsicht FDA lässt den Herstellern elektrischer Zigaretten freie Bahn, ihre Produkte im Fernsehen und in allen anderen Medien zu bewerben. Dies geht aus dem lang erwarteten Regulierungsvorschlag der Behörde für den boomenden Markt mit den Nikotin-Ersatzprodukten hervor, den die FDA am Donnerstag veröffentlicht hat.

Demnach verlangt die FDA von der Industrie zwar, Warnungen über mögliche Gesundheitsrisiken zu veröffentlichen und E-Zigaretten nicht an Minderjährige sowie über Automaten zu verkaufen. Weitere Werbeeinschränkungen sieht sie aber nicht vor. Der Vorschlag liegt nun 75 Tage zur öffentlichen Konsultation aus, anschließend legt die FDA den endgültigen Text fest. Deutliche Veränderungen gegenüber dem jetzigen Vorschlag sind unwahrscheinlich.

In den USA ein Milliardenmarkt

Die sich abzeichnende Werbefreiheit macht das rasant wachsende E-Zigaretten-Geschäft noch attraktiver für die Tabakkonzerne. Allein in den USA werden die Hersteller dieses Jahr laut Expertenschätzungen rund zwei Milliarden Dollar mit den batteriebetriebenen Apparaten umsetzen, die auf Knopfdruck oder durch Inhalieren nikotinhaltige Flüssigkeiten verdampfen. Das ist eine Verhundertfachung gegenüber 2008. In Deutschland ist das Volumen mit hundert Millionen Euro rund 15-mal so hoch wie 2010.

Ein weiterer Schub steht nun bevor: Alle großen Tabakmultis, von Philip Morris International ("Marlboro") über BAT ("Lucky Strike") bis zu Imperial Tobacco ("West") sind gerade in das Wachstumsgeschäft eingestiegen.

"Der Konsum von E-Zigaretten könnte die traditionellen Zigaretten im kommenden Jahrzehnt überholen", prognostizierte die Investmentbank Wells Fargo. Ihre Analystin Bonnie Herzog nennt den FDA-Vorschlag "positiv für die Industrie". Der Chef des US-Marktführers Blu, Jason Healy, sprach von einem "vernünftigen Ansatz".

Das Gesundheitsrisiko gilt bei den neuen Nikotinersatzprodukten als deutlich reduziert. Anders als bei der Tabakzigarette wird kein organisches Material verbrannt, daher ist die Zahl der Schadstoffe deutlich geringer. Eine Reihe von Krebsforschern plädiert daher für eine laxe Regulierung der E-Zigarette, da Raucher so von Tabakprodukten loskommen könnten. Allerdings gibt es noch keine Langzeitstudien darüber, was passiert, wenn Menschen jahrelang täglich Dutzende Male das Chemikaliengemisch aus Vernebelungsstoffen, Wasser, Nikotin und Aromen inhalieren. Andere Wissenschaftler sprechen sich deshalb gegen die E-Zigarette aus, das Bundesinstitut für Risikobewertung warnte , dass auch die Liquids von E-Zigaretten die Gesundheit beeinträchtigen können.

"Gesetzlos wie der Wilde Westen"

Um für ihre Produkte zu werben, nutzten die Hersteller bislang Gesetzeslücken. So schaltete BAT kürzlich erstmals seit Jahrzehnten wieder Spots im britischen Fernsehen: für seine neue E-Zigarette "Vype". In den USA werben der Schauspieler Stephen Dorff, die Moderatorin Jenny McCarthy und die Comic-Figur Mr. Cool im TV und im Web für "Blu". Und in Deutschland ließ der hiesige Marktführer Red Kiwi Artisten in Clips bei Pro7 und RTL vortanzen. Schließlich galten die strengen Werbeverbote in Europa und den USA meist nur für Tabakwaren.

"Gesetzlos wie der Wilde Westen", sei das E-Zigaretten-Business, wetterte einst Mitch Zeller, Direktor bei der FDA für Tabakprodukte. Umso mehr lobte er nun seinen eigenen Regulierungsvorschlag. Dieser gebe "der FDA zusätzliche Werkzeuge, um die öffentliche Gesundheit im sich rapide entwickelnden Tabakmarkt zu beschützen". So müssen die Hersteller neue Produkte, die sie nach dem Inkrafttreten der Norm auf dem Markt lancieren, bei der FDA registrieren. Im Gegenzug dürfen sie alle erdenklichen Geschmacksrichtungen anbieten und bewerben - auch Sorten wie Kaugummi, Blaubeer-Waffel oder Zuckerwatte, die nach Meinung von Tabakgegnern vor allem Kinder und Jugendliche verführen sollen. In den USA hatte 2012 jeder zehnte Highschool-Schüler E-Zigaretten probiert.

Der US-Tabakgegner Stanton Glantz  nannte den Vorschlag der FDA "enttäuschend": "Sie tun nichts, um das Wildwest-Marketing einzuschränken, das auf Kinder abzielt", schrieb der Professor der University of California auf seiner Website. Die Hersteller könnten sich mit den Jugendlichen einen neuen Markt schaffen.

Die EU wird Werbung für E-Zigaretten mit Inkrafttreten der neuen Tabakrichtlinien in den nächsten Wochen ähnlich streng reglementieren wie für herkömmliche Zigaretten.

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