Systematische Suche in Kliniken Länder wollen Fehlbildungen bei Neugeborenen abfragen

Innerhalb von drei Monaten kamen in Gelsenkirchen drei Babys mit fehlgebildeten Händen zur Welt: Kann das reiner Zufall sein oder gibt es eine Ursache? Die Bundesländer wollen zunächst mehr Informationen sammeln.

Die Bundesländer wollen Krankenhäuser nach Fehlbildungen von Neugeborenen befragen. Hintergrund ist eine Häufung von Handfehlbildungen bei Neugeborenen in Gelsenkirchen. Da unklar ist, ob es dafür eine Ursache gibt oder ob es sich um eine zufällige Häufung handelt, haben die Gesundheitsressorts der Länder nun beschlossen, bundesweit mehr Informationen über ähnliche Fehlbildungen einzuholen.

Innerhalb von drei Monaten kamen im Sankt Marien-Hospital in Gelsenkirchen-Buer drei Babys zur Welt, bei denen jeweils eine Hand fehlgebildet war. Zuvor hatte es dort nach Angaben der Klinik jahrelang keinen einzigen solchen Fall gegeben. Bei allen drei Kindern sei jeweils eine Hand betroffen. An dieser Hand seien Handteller und Finger nur rudimentär angelegt.

Fehlbildungen dieser Art "jahrelang nicht gesehen"

"Das mehrfache Auftreten jetzt mag auch eine zufällige Häufung sein", teilte die Klinik auf ihrer Website mit . "Wir finden jedoch den kurzen Zeitraum, in dem wir jetzt diese drei Fälle sehen, auffällig." Fehlbildungen dieser Art habe man in der Klinik viele Jahre nicht gesehen.

Auch in Datteln und Dorsten, zwei Kleinstädten in Nordrhein-Westfalen, die in der Nähe von Gelsenkirchen liegen, waren in diesem Jahr zwei Kinder mit ähnlichen Fehlbildungen geboren worden.

Nach den Meldungen wurden Rufe nach einem zentralen Melderegister lauter. Bisher gibt es in Deutschland keine systematische Erfassung solcher Fälle. Das Gesundheitsministerium in NRW hatte bereits vergangene Woche angekündigt, alle Kliniken des Bundeslands nach ähnlichen Fehlbildungen abzufragen.

Spahn warnt vor Spekulationen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zeigte sich grundsätzlich offen für ein solches Register, warnte aber davor, "durch Spekulationen aller Art" Menschen zu verunsichern. "Wir ziehen erst dann Schlussfolgerungen, wenn wir auch etwas wissen", sagte er.

Die Ursachen solcher Fehlbildungen sind nicht in Gänze verstanden, können aber vielfältig sein. In der Diskussion sind physische Ursachen, wie das Abklemmen der Blutversorgung in Extremitäten während der Embryonalentwicklung, aber auch genetische oder toxische Ursachen oder sogar der Einfluss spezifisch wirkender Viren. Auch zufällige Häufungen können möglich sein.

kry/dpa