Krankenkassen-Statistik Immer mehr Arbeitnehmer haben Alkoholprobleme

Deutsche Arbeitnehmer sind immer häufiger alkoholabhängig oder dopen sich mit aufputschenden Substanzen, zeigt ein AOK-Report. Die Fehlzeiten durch die Einnahme von Suchtmitteln sind demnach in den vergangenen zehn Jahren um 17 Prozent gestiegen.
Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung: Alkohol ist immer häufiger ein Grund

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung: Alkohol ist immer häufiger ein Grund

Foto: Arno Burgi/ dpa

Berlin - Alkohol und andere aufputschende Mittel gehören für immer mehr Arbeitnehmer in Deutschland zum Alltag. Die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage durch die Einnahme von Nikotin, Alkohol und anderen Suchtmitteln ist in den vergangenen zehn Jahren um rund 17 Prozent angestiegen, heißt es im "Fehlzeiten-Report 2013", den der AOK-Bundesverband am Donnerstag in Berlin vorgestellt hat.

Während 2002 noch 2,07 Millionen Fehltage in dem Zusammenhang registriert wurden, waren es im Jahr 2012 bereits 2,42 Millionen. Fast 44 Prozent aller suchtbedingten Ausfälle entfielen auf Alkohol. "Die Sucht ruiniert nicht nur die Gesundheit der Betroffenen", sagte AOK-Vorstand Uwe Deh. Sie habe auch massive Folgen für die Wirtschaft. "Allein die Kosten von Alkohol- und Tabaksucht belasten die deutsche Wirtschaft jährlich mit etwa 60,25 Milliarden Euro", sagte Deh.

Bereits am Mittwoch hatte die Techniker Krankenkasse (TK) mitgeteilt , dass alkoholbedingte Ausfälle in den letzten Jahren enorm zugenommen hätten. Laut den jüngsten TK-Daten gab es bundesweit im vergangenen Jahr 1,8 Millionen alkoholbedingte Fehltage. Diese Zahl ergebe sich, wenn die rund 236.000 Krankheitstage durch Alkohol der TK-Versicherten hochgerechnet werden.

Ärzte hätten zuletzt für fast 5000 TK-Versicherte den Befund "F10 - psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol" erstellt. Die Betroffenen litten unter Alkoholabhängigkeit, Entzugssyndrom und psychotischen Störungen, so die Krankenkasse. Im Schnitt seien sie über sieben Wochen krankgeschrieben.

Doping am Arbeitsplatz immer verbreiteter

Ebenfalls bedenklich sei die immer häufigere Einnahme leistungssteigernder Mittel, heißt es in dem AOK-Bericht. Laut einer Befragung hätten in den vergangenen zwölf Monaten immerhin fünf Prozent der Arbeitnehmer Medikamente wie beispielsweise Psychopharmaka oder Amphetamine eingenommen, um berufliche Stresssituationen besser bewältigen zu können, erklärte Deh. Die Dunkelziffer dürfte noch erheblich größer sein, so der AOK-Vorstand. Studien zeigten, "dass viele Menschen bereit sind, bei hoher Arbeitsbelastung stimulierende Mittel einzunehmen."

In Deutschland ist der Gebrauch von aufputschenden Mitteln im Job bisher kaum untersucht. Ausnahme ist der DAK-Gesundheitsreport 2009, der sich mit "Doping am Arbeitsplatz" befasste. In einer Umfrage unter 3000 Arbeitnehmern gaben fünf Prozent an, Substanzen zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit oder des Wohlbefindens zu konsumieren, zwei Prozent seien regelmäßige "Doper" am Arbeitsplatz.

Mit einem durchschnittlichen Konsum von 9,6 Litern reinen Alkohols pro Kopf und Jahr zählen die Deutschen international zu den Vieltrinkern. Insgesamt betrinken sich mehr als einer von fünf Männern und jede zehnte Frau in Deutschland nach eigenen Aussagen mindestens jeden Monat einmal. Bei den jungen Männern trinkt sogar fast jeder zweite riskant viel, bei den jungen Frauen jede dritte. Das zeigte eine große Studie des Robert Koch-Instituts, für die zwischen 2009 und 2010 rund 22.000 Erwachsene zu Aspekten der Gesundheit befragt wurden.

irb/dpa
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