Ungesunde Lebensmittel Diabetes-Verbände fordern Kaloriensteuer

Zu viel Fett, zu viel Zucker - und irgendwann krank: Die Deutsche Diabetes Gesellschaft fordert eine höhere Steuer für ungesunde Lebensmittel. Andere Länder sind bei der Vorbeugung von Übergewicht schon weiter.

Lebensmittel: Hält ein teurer Preis Verbraucher davon ab, Ungesundes zu kaufen?
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Lebensmittel: Hält ein teurer Preis Verbraucher davon ab, Ungesundes zu kaufen?


Berlin - Wer sich ungesund ernährt, kostet den Staat letztendlich Geld: Teure Behandlungen von Diabetes, Herz-Kreislauf- und anderen Erkrankungen sind häufig eine Folge von zu fettigem und zu süßem Essen, gepaart mit mangelnder Bewegung. Während Krankenkassen beispielsweise Sportprogramme fördern, gibt es auf der anderen Seite die Idee, durch eine gezielte Preisbildung bei Lebensmitteln die Einkaufsgewohnheiten zu verändern.

Als erstes Land der Welt hatte Dänemark 2011 eine Steuer auf Fette in Lebensmitteln eingeführt. In Frankreich gibt es seit 2012 eine "Cola-Steuer" für Getränke, die mit Zucker angereichert sind. Und in Mexiko führte die Regierung Ende 2013 eine Strafsteuer für Fast-Food-Gerichte, Süßigkeiten und Softdrinks ein, die mehr als 275 Kilokalorien pro 100 Gramm enthalten.

Auch deutsche Mediziner halten offenbar viel von diesem Prinzip: Erneut haben jetzt Diabetes-Verbände von der Politik höhere Steuern auf ungesunde Lebensmittel gefordert. Grund sei die steigende Zahl von Zuckerkranken in Deutschland, inzwischen über sechs Millionen Menschen, teilte die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) am Dienstag in Berlin mit. Eine Ernährung mit zu viel Zucker und Fett erhöht das Diabetes-Risiko.

19 Prozent Mehrwertsteuer auf Fast Food?

Ein sinnvoller Weg könnte der volle Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent auf besonders kalorienreiche und ballaststoffarme Produkte sein, sagte DDG-Geschäftsführer Dietrich Garlichs. Neben dieser Zucker-Fett-Steuer sollten gesunde Lebensmittel wie Obst und Gemüse dagegen bewusst gering besteuert werden. Für viele Lebensmittel gilt bisher ein Steuersatz von sieben Prozent.

Jeden Tag erkranken in Deutschland nach DDG-Angaben mehr als 700 Menschen neu an Diabetes. Darunter sei eine große Zahl von Kindern und Jugendlichen, die erst durch falsche Ernährung zuckerkrank würden (Typ 2). Bei den über 70-Jährigen sei in Deutschland inzwischen fast jeder Dritte Diabetiker. Im Vergleich zum Typ-2-Diabetes kommt der Typ 1 wesentlich seltener vor. Zum Entstehen dieser Form tragen eine Fehlsteuerung des Immunsystems und erbliche Faktoren bei.

Diabetes mellitus
Honigsüßer Durchfluss
Der Diabetes mellitus (wörtlich aus dem Griechischen: "honigsüßer Durchfluss"), umgangssprachlich Zuckerkrankheit genannt, ist eine chronische Stoffwechselstörung. Der Name bezieht sich auf den zuckerhaltigen Urin, an dessen Süße die Krankheit in der Antike erkannt wurde. Heute gilt Diabetes als Überbegriff für verschiedene Krankheitsbilder, die durch zu hohe Blutzuckerwerte, die Hyperglykämie, gekennzeichnet sind. Der Grund dafür ist, dass Traubenzucker (Glukose) wegen eines Insulinmangels nicht mehr in die Zellen aufgenommen werden kann und sich im Blut anreichert.
Typ-1-Diabetes
Beim Typ-1-Diabetes, von dem fünf bis zehn Prozent aller Zuckerkranken betroffen sind, zerstört das Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Die Symptome des fortschreitenden Insulinmangels beginnen meist in der Kindheit oder der Jugend: Die Blutzuckerkonzentration steigt extrem an, es kommt zu starkem Wasser- und Nährstoffverlust, was ständigen Durst und häufiges Erbrechen zur Folge hat. Auch eine schnelle Gewichtsabnahme gehört zu den Symptomen. Als Therapie müssen die Diabetiker sich Insulin selbst spritzen. Als Ursache von Typ-1-Diabetes werden genetische Veränderungen vermutet.
Typ-2-Diabetes
Der Typ-2-Diabetes wurde früher als Altersdiabetes bezeichnet. Im Zuge wachsender Zahlen übergewichtiger Menschen insbesondere in den Industrieländern erkranken aber immer öfter auch junge Menschen und inzwischen sogar Kinder am Typ-2-Diabetes. Falsche Ernährung gilt als die Hauptursache der Krankheit: Die großen Mengen von Zucker, die dem Körper zugeführt werden, kann die Bauchspeicheldrüse in jungen Jahren noch durch eine verstärkte Insulinproduktion wettmachen. Im Laufe der Zeit versiegt aber die Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse und auch die Zellen werden unempfindlicher für das Insulin, sodass die Glukose immer schlechter abgebaut wird und sich im Blut anreichert.

Im Unterschied zum Typ 1 gibt es beim Typ-2-Diabetes lange keine eindeutigen Symptome wie etwa verstärktes Wasserlassen oder Durstgefühl, sondern eher unspezifische Anzeichen wie ein ständiges Hungergefühl, Gewichtszunahme, Niedergeschlagenheit und Müdigkeit. Typ-2-Diabetes kann anfangs durch gesündere Ernährung, mehr Bewegung und Abnehmen bekämpft werden. Gelingt das nicht, sind später Medikamente zur Regulierung des Blutzuckers und auch eine Insulintherapie notwendig.
Verbreitung
Diabetes gehört schon heute zu den größten Volkskrankheiten und wird sich in den kommenden Jahren voraussichtlich dramatisch ausbreiten. Schätzungen zufolge gibt es weltweit mehr als 150 Millionen Zuckerkranke, Tendenz stark steigend.

In Deutschland lebten laut Einschätzungen der DEGS Gesundheitsstudie des Robert Koch-Instituts 7,2 Prozent der Bevölkerung zwischen 18 und 79 Jahren mit Diabetes, demnach sind 4,6 Millionen Personen betroffen. Bei den 70- bis 79-Jährigen ist mehr als jeder Fünfte an Diabetes erkrankt (21,9 Prozent). Die Zahl der Erkrankungen ist zwischen 1997 und 2010 um 38 Prozent angestiegen, davon sind nur 14 Prozent durch die Alterung der Bevölkerung zu erklären.
Als Hauptargument für den bereits seit Jahren kontrovers diskutierten Steuerhebel nennt die DDG sichtbare Präventionserfolge bei Alcopops und Zigaretten. Nach Preissteigerungen seien diese Alkoholika weniger gefragt - und der Tabakkonsum von Teenagern erheblich gesunken, sagte Garlichs.

Reine Appelle an die Bevölkerung, auf gesunde Ernährung zu achten und Übergewicht zu vermeiden, seien dagegen nachweislich gescheitert. Zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen in Deutschland sind nach DDG-Angaben übergewichtig - und haben damit auch ein erhöhtes Diabetes-Risiko. Zwischen 1998 bis 2011 sind die Erkrankungszahlen laut Robert-Koch-Institut (RKI) um 38 Prozent gestiegen.

Die Spätfolgen können für die Betroffenen der chronischen Stoffwechselkrankheit hart sein: Pro Jahr gibt es laut DDG 40.000 Amputationen, 2000 Erblindungen und 2300 neue Nierenkranke mit Dialyse durch Diabetes. Das alles verursacht auch hohe Kosten für das Gesundheitssystem.

Dass die Prävention von Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern weit zurückliegt, zeigte sich erst vergangene Woche beim Uno-Gipfel gegen nichtübertragbare Krankheiten, der in New York stattfand. Während zahlreiche Länder über Maßnahmen wie etwa die Reduktion von Salz in Lebensmitteln oder die Einführung einer Fett- und Zuckersteuer berichteten, sei die Bundesregierung dieser Uno-Konferenz ferngeblieben, heißt es in einer Pressemitteilung der DDG.

"Wir denken immer noch zu sehr in Krankheiten, statt in der Verhinderung von Krankheiten", sagte Margaret Chan, Chefin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf dem Gipfel. Die Uno-Generalversammlung beschloss, dass die Staaten bis zum kommenden Jahr nationale Ziele entwickeln und Pläne aufstellen sollen, um die vorzeitige Sterblichkeit durch chronische Krankheiten zu senken.

Auch der Bundesrat hatte die Bundesregierung am 11. Juli dazu aufgefordert, einen Nationalen Diabetesplan zu erarbeiten. Die Länderinitiative schlägt auch vor, noch in diesem Jahr ein Präventionsgesetz vorzulegen.

Wie gut die einzelnen Steuerkonzepte für ungesunde Lebensmittel in den einzelnen Ländern funktionieren und welchen Effekt sie tatsächlich haben, wird sich voraussichtlich in vielen Fällen erst in den nächsten Jahren zeigen. Dänemark hat die Fettsteuer inzwischen wieder abgeschafft. Der Grund: Viele Dänen hatten ihre Einkäufe aus Kostengründen ins Ausland verlagert.

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cib/dpa

insgesamt 131 Beiträge
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Seite 1
boeseHelene 15.07.2014
1.
Zitat von sysopDPAZu viel Fett, zu viel Zucker - und irgendwann krank: Die Deutsche Diabetes Gesellschaft fordert eine höhere Steuer für ungesunde Lebensmittel. Andere Länder sind bei der Vorbeugung von Übergewicht schon weiter. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/fett-zucker-diabetes-aerzte-fordern-kaloriensteuer-fuer-lebensmittel-a-981139.html
und ich fordere eine Steuer für dumme Ideen das ist eine davon ;) Dänemerk hat gelernt und seine Fettsteuer abgeschafft und hier wird sie unter anderem Namen gefordert. Sollte diese Steuer kommen würde ich erst recht kalorienreich einkaufen und dank Internet und EU kann man ohne Probleme auch im europ. Ausland einkaufen. Apropos wer bestimmt eigentlich was ungesund ist per se ist nichts ungesund nur ein zuviel kann schaden.
ornitologe 15.07.2014
2. Na klar
Die Leute erst von diesem Nahrungsmüll abhängig machen und dann mit "Strafsteuern" kräftig abkassieren. Nach heutigen Erkenntnissen bez. gesunder Ernährung wäre es im Sinne des Konsumenten sinnvoller, diese Produkte oder Zusätze komplett aus dem Verkehr zu ziehn. Wenn Inhaltstoffe wie Glutamat, Aspartam und E-Stoffe nach wie vor ohne Beanstandung in Nahrungsmitteln vorzufinden sind, können Kalorien als das geringste Übel angesehen werden. Insofern Augenwischerei der Industrie und Nahrungsmittellobby.
tailspin 15.07.2014
3. Gefahr fuer Ihre Gesundheit
Ich mag Steuern grundsaetzlich nicht. Aber was die Lebensmittelindustrie inzwischen anbietet, ist eine Frechheit. Das sind nicht nur die Fette und Zucker, die ueberall drin, sondern auch Zusatzstoffe, die ueber lange Zeiten eingenommen, schwere Gesundheitsschaeden verursachen. http://naturalon.com/10-of-the-most-cancer-causing-foods/
teufelsküche 15.07.2014
4. Lebensmittel teurer zu machen ist der falsche Weg
Zitat von sysopDPAZu viel Fett, zu viel Zucker - und irgendwann krank: Die Deutsche Diabetes Gesellschaft fordert eine höhere Steuer für ungesunde Lebensmittel. Andere Länder sind bei der Vorbeugung von Übergewicht schon weiter. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/fett-zucker-diabetes-aerzte-fordern-kaloriensteuer-fuer-lebensmittel-a-981139.html
Stattdessen müsste man eine vernünftige Koch- und Esskultur schaffen. Hauswirtschaft als Schulfach, was ist daran verkehrt? Mit Schulklassen mal Betriebe mit Massentierhaltung besuchen, damit die Kinder sehen, daß Fleisch nicht im Kühlregal wächst, sondern von unwürdig gehaltenen Tieren stammt. Nix Kuh auf grüner Weide, keine Schweine die sich glücklich suhlen können. Und Geflügelbetriebe (auf die Schnäbel achten)! Stattdessen wird die Lebensmittelindustrie hofiert, der Bürger abgezockt, und ändern wird sich nichts.
kdshp 15.07.2014
5.
Zitat von boeseHeleneund ich fordere eine Steuer für dumme Ideen das ist eine davon ;) Dänemerk hat gelernt und seine Fettsteuer abgeschafft und hier wird sie unter anderem Namen gefordert. Sollte diese Steuer kommen würde ich erst recht kalorienreich einkaufen und dank Internet und EU kann man ohne Probleme auch im europ. Ausland einkaufen. Apropos wer bestimmt eigentlich was ungesund ist per se ist nichts ungesund nur ein zuviel kann schaden.
So ist es und anreize schafft man wenn menschen weniger zahlen müssen. Deswegen sollte die krankenkasse auch nach gewicht gehen. Wer viel wiegt zahlt auch mehr krankenkassenbeiträge da er ja auch mehr kosten verursacht. Krankeheitsbedinge dinge sollten natürlich ausgenommen werden.
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