Gerichtsurteil in Florida Eltern müssen Chemotherapie ihres Sohnes fortsetzen

Die Chemotherapie ihres dreijährigen Sohnes hielten Eltern in den USA für zu gefährlich. Sie brachen sie ab und setzten stattdessen auf medizinisches Cannabis. Nun schritt ein Gericht ein.


Ein Gericht aus Florida hat entschieden, dass die Chemotherapie eines dreijährigen, krebskranken Jungen fortgesetzt werden muss - gegen den Willen der Eltern. Bei dem Kind war im April eine akute lymphatische Leukämie diagnostiziert worden. Ärzte behandelten den Jungen daraufhin mit einer Chemotherapie, die die Eltern jedoch aus Angst vor Nebenwirkungen abbrachen.

Stattdessen wollten sie ihren Sohn mit medizinischem Cannabis, Homöopathie, einer Vitamintherapie und einer sogenannten alkalischen Diät therapieren. Weil das Leben des Jungen auf dem Spiel stand, landete der Fall vor Gericht.

Eltern dürfen weiterhin auch Alternativmedizin nutzen

Der zuständige Richter entschied, dass die Eltern zumindest die erste Phase der Chemotherapie fortsetzen müssen. Nach 28 Tagen soll erneut über die weitere Therapie entschieden werden. Es stehe den Eltern allerdings frei, in dieser Zeit auch Alternativmedizin einzusetzen. Medizinisches Cannabis ist in Florida legal. Kindern kann es beispielsweise in Form von Tropfen gegeben werden, die nicht psychoaktiv wirken.

Die Eltern sagten nach der Verhandlung, sie seien enttäuscht über die Entscheidung des Gerichts. Ihr Fall eröffne dennoch eine Diskussion über die Rechte von Eltern und Patienten. Weil die Eltern nach Abbruch der Therapie in einen anderen Bundesstaat gereist waren, wurde ihnen das Sorgerecht vorübergehend entzogen. Das Kind lebt derzeit bei den Großeltern.

Die von den Eltern präferierten Behandlungsmethoden seien nicht geeignet, um den Krebs zu besiegen, warnten Ärzte während der Verhandlung. Ohne die Chemotherapie sei zu befürchten, dass der Junge innerhalb kurzer Zeit sterben würde.

Bei einer akuten lymphatischen Leukämie vermehren sich die weißen Blutkörperchen rasant und unkontrolliert, ohne zu funktionstüchtigen Zellen heranzureifen. Es ist die häufigste Form der Leukämie bei Kindern. In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 450 Kinder bis 14 Jahren neu daran.

Die ersten Symptome treten bereits wenige Wochen nach Beginn der Erkrankung auf. Die Kinder fühlen sich schlapp, sind anfällig für Infektionen und blass, weil ihnen rote Blutkörperchen fehlen, die die Zellen mit Sauerstoff versorgen. Zudem kommt es wegen des rasanten Wachstums der Leukämiezellen häufig zu Knochenschmerzen, vor allem in Armen und Beinen. Gerade kleinere Kinder wollen dann nicht mehr laufen und getragen werden.

Mit Chemo liegen Überlebenschancen bei 90 Prozent

Die einzelnen Symptome müssen nicht zwangsläufig bedeuten, dass eine Leukämie vorliegt. Sie treten häufig auch bei harmlosen Erkrankungen auf. Für eine sichere Diagnose sind eine umfassende Blutuntersuchung und eine Knochenmarkpunktion nötig.

Bestätigt sich der Verdacht, müssen Betroffene schnellstmöglich mit einer Chemotherapie beginnen. Dabei bekommen die Patienten eine Kombination verschiedener Medikamente, die das Zellwachstum hemmen. In einigen Fällen ist zudem eine Strahlentherapie oder eine Stammzelltransplantation notwendig.

Da die Medikamente auch gesunde Körperzellen treffen, treten zum Teil heftige Nebenwirkungen auf. Die Therapie ist jedoch überlebenswichtig. Statistisch gesehen heilt sie 90 Prozent der betroffenen Kinder dauerhaft von der Krankheit. Ohne eine geeignete Therapie verläuft eine akute lymphatische Leukämie meist innerhalb weniger Monate tödlich.

koe/AP

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