Urlaub mit der Familie Airlines für Notfälle mit kranken Kindern schlecht vorbereitet

Tablette zu groß, Dosierung zu hoch oder gar keine Medikamente an Bord: Das Kabinenpersonal im Flieger kann bei Zwischenfällen mit kranken Kindern oft nur unzureichend reagieren. Was bei Reisen zu beachten ist.

Fluggesellschaften verfügen nicht immer über Medikamente, die für Kinder geeignet sind
Mareen Fischinger/ Westend61 / Getty Images

Fluggesellschaften verfügen nicht immer über Medikamente, die für Kinder geeignet sind


Wer mit Kindern fliegt, sollte selbst kindgerechte Medikamente mitführen - denn Fluggesellschaften sind laut einer aktuellen Studie oft nicht ausreichend auf junge Patienten vorbereitet. Das Hauptproblem: Erste-Hilfe-Sets an Bord seien nicht immer auf die notwendigen Behandlungen für den Nachwuchs ausgelegt, schreiben die Forscher in einer Studie für die Fachzeitschrift "Annals of Emergency Medicine".

"In fast 16 Prozent der medizinischen Notfälle in Flugzeugen sind Kinder betroffen, damit sind das keine seltenen Zwischenfälle", sagt Hauptautor Alexandre Rotta von der Duke Universität. Demnach braucht statistisch gesehen ein Kind pro 2000 Flüge medizinische Hilfe.

Die Wissenschaftler haben 75.587 Vorfälle zwischen Januar 2015 bis Oktober 2016 ausgewertet, die im medizinischen Support-Center in den USA eingegangen sind. Das Zentrum hat in dem Zeitraum Notrufe von 77 Fluggesellschaften aus sechs Kontinenten angenommen. Diese machten rund 35 Prozent des kommerziellen Personenluftverkehrs weltweit aus. In etwa 11.200 Fällen waren Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren betroffen.

Am häufigsten treten Übelkeit und Erbrechen auf

In den meisten Fällen musste der Studie zufolge das Kabinenpersonal einschreiten, wenn die Eltern die Medikamente ihres Kindes nicht selbst dabeihatten. Aber auch die Medikamente in den Erste-Hilfe-Boxen der Fluggesellschaften seien nicht immer für Kinder geeignet. So könne ein Kleinkind die Tablette, die für einen Erwachsenen gedacht ist, oftmals nicht schlucken, geschweige denn die Dosierung vertragen.

"Sowohl Fluggesellschaften als auch Eltern sollten sich der häufigsten Krankheiten bewusst sein und darauf vorbereitet sein, mit ihnen umzugehen", fordert Rotta. An Bord müsse es zudem Informationsmaterial geben, das die benötigte Medikamentenmenge für das jeweilige Gewicht der Kinder angibt.


Das Tropeninstitut empfiehlt bei Reisen mit Kleinkindern, folgende Medikamente in kindgerechter Dosierung mitzunehmen:

  • Fieber
  • Durchfall
  • Husten
  • Schnupfen
  • Bindehautreizung
  • Reisekrankheit
  • Mückenschutzmittel
  • Sonnencreme
  • Desinfektionsmittel
  • Je nach Reiseland Malariamittel

Bei Fragen können Ärzte und Apotheker helfen. Über diese Seite finden Sie zudem reisemedizinische Beratungsstellen.


In der Luft haben die kleinen Patienten den Autoren der Studie am häufigsten mit Übelkeit oder Erbrechen zu kämpfen (33,9 Prozent). Weitere häufige Beschwerden sind Fieber oder Schüttelfrost (22,2 Prozent), akute allergische Reaktionen (5,5 Prozent), Bauchschmerzen (4,7 Prozent) und Magen-Darm-Verstimmungen (4,5 Prozent).

Die Symptome kennt auch Michael Sroka, Leiter der Notfallambulanz am Flughafen Frankfurt. "Typisch sind Atemwegsinfekte, Übelkeit, Erbrechen und allgemeine Reisekrankheit", sagt der Mediziner. Hinzu kämen Unfälle, beispielsweise beim Spielen. Die Notfallambulanz am Flughafen Frankfurt, sowie der Rettungs- und Notarztdienst der Fraport AG, versorgen jährlich rund 30.000 Patienten.

Die meisten Eltern seien gut auf Reisen mit Kindern vorbereitet, sagt Sroka. Viele informierten sich beispielsweise bereits vor der Reise, welche Impfungen nötig sind. Bei einer reisemedizinischen Beratung geben Ärzte auch Tipps, welches Essen für Kinder geeignet ist, ob sie beispielweise nur Gekochtes essen und auf Eis besser verzichten sollten.

Rund 83 Prozent, und damit die meisten medizinischen Notfälle konnten den Studienautoren zufolge während des Flugs gelöst werden. Bei 16,5 Prozent war eine Behandlung nach der Landung erforderlich und in 0,5 Prozent der Fälle führte der Notfall zu einer Umleitung der Flugzeuge.

Die Lufthansa teilte als Reaktion auf die Studie mit, dass das Kabinenpersonal auch auf Notfälle mit Kindern an Bord vorbereitet sei. Auch Medikamente für Kinder, zum Beispiel Zäpfchen, seien an Bord vorhanden.

koe/dpa



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