Familienministerin der SPD Giffey spricht sich für Masernimpfpflicht aus

Die Weltgesundheitsorganisation erklärte die Ablehnung von Impfungen kürzlich zu den größten globalen Gefahren. Familienministerin Giffey will nun eine Impfpflicht einführen.
Familienministerin Franziska Giffey: "Der Staat muss dann handeln"

Familienministerin Franziska Giffey: "Der Staat muss dann handeln"

Foto: FILIP SINGER/EPA-EFE/REX

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey hat sich für eine Masernimpfpflicht ausgesprochen. "Der Staat muss dann handeln, wenn das Risiko, in Kindergärten, Schulen und anderen Einrichtungen Mitmenschen zu gefährden, anders nicht in den Griff zu bekommen ist", sagte Giffey.

Es gehe nicht nur um die Verantwortung jedes Einzelnen für sich und seine Kinder, sondern auch um die Verantwortung für andere Menschen, fuhr die SPD-Politikerin fort. Eine Impfflicht einzuführen sei indes "keine leichtfertige Entscheidung", sondern müsse das Ergebnis einer "sorgfältigen Abwägung" sein.

Unterstützung für die Einführung einer Masernimpfpflicht kam zuletzt auch von Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery. Im Bundesgesundheitsministerium laufen derzeit Gespräche über verpflichtende Impfungen von Kindern gegen Masern. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hält sie in Kitas und Schulen für sinnvoll.

Masern können zu Entzündung des Gehirns führen

Über eine Impfpflicht wurde in Deutschland bereits wiederholt diskutiert, vor allem nach regionalen Masernausbrüchen. Anlass der aktuellen Debatte ist eine verstärkte Häufung von Masernfällen, unter anderem im Raum Hildesheim.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte die Ablehnung von Impfungen kürzlich zu einer der zehn größten globalen Gesundheitsbedrohungen erklärt, weil die medizinisch mögliche Ausrottung der Masern durch die in den Industrieländern verbreitete Verweigerung von Impfungen verhindert werde. Masern sind extrem ansteckend und potenziell tödlich. Neben der akuten Erkrankung kann es als Spätfolge zu einer Entzündung des Gehirns kommen.

In vielen reichen Industriestaaten breitet sich eine Anti-Impf-Bewegung aus. Deren Anhänger verbreiten in Online-Netzwerken die medizinisch unhaltbare Behauptung, es gebe einen Zusammenhang zwischen Masern-Impfungen und Autismus. Die Entwicklung droht die Erfolge im Kampf für die Ausrottung der Masern zunichte zu machen.

Video: Gefährliche Verschwörungstheorie - Die bizarre Welt deutscher Impfgegner

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bam/AFP