Fuß- und Nagelpilz "Es ist falsch, sich selbst mit Medikamenten zu behandeln"

Juckreiz, gerötete Haut, Schuppen: Einen Fuß- oder Nagelpilz wird man nur schwer wieder los. Zwar helfen Antipilz-Tinkturen und Medikamente. Doch die Therapie ist langwierig. Am besten ist es, einer Pilzinfektion vorzubeugen - mit einfachen Maßnahmen.
Füße im Schwimmbad: Gerade in feuchten Biotopen ist die Pilzgefahr besonders hoch

Füße im Schwimmbad: Gerade in feuchten Biotopen ist die Pilzgefahr besonders hoch

Foto: Lukas Schulze/ picture alliance / dpa

Schwimmbäder, Umkleideräume und Hotelteppiche - das sind die besten Brutstätten für jene Mikroorganismen, die dem Menschen lästig werden können: Fadenpilze. Die Erreger, die für Fuß- und Nagelpilzerkrankungen verantwortlich sind, leben unsichtbar für unser Auge auf menschlichen Hautschuppen. Um sich vor einer Infektion zu schützen, die meistens von sogenannten Dermatophyten verursacht wird, hilft vor allem eines: Badeschlappen tragen und Zehenzwischenräume gut abtrocknen.

Der Pilz bevorzugt schlecht durchblutete Haut. Auch Menschen mit rissiger Haut oder Schwielen haben ein erhöhtes Infektionsrisiko, weil ihre Hautoberfläche den Organismen ideale Eintrittspforten bieten. Ebenso gefährdet sind Diabetiker, denn der erhöhte Blutzucker lässt Pilze bestens gedeihen. Für sie ist es ratsam, alle vier bis sechs Wochen zum medizinischen Fußpfleger (Podologen) zu gehen.

Der Körper wehrt sich gegen den Eindringling - was für Betroffene mitunter Folgen hat. Die Immunantwort führt zu einem allergischen Ekzem, die Haut verändert sich oberflächlich: Schuppen bilden sich, die Hornhaut wird dicker und rissig, oder es juckt. Mitunter treten aber keine Symptome auf, so dass Betroffene von ihrem Fußproblem gar nichts merken. Doch in zahlreichen Fällen greift der Fußpilz irgendwann auf die Zehennägel über. Spätestens dann wird es für Betroffene unangenehm. Das Problem: Ein Nagelpilz lässt sich nur schwer behandeln.

Vorsicht bei Selbstdiagnose

Manche Menschen ignorieren die Symptome lange. Werden sie schließlich doch aktiv, gehen sie zunächst in die Apotheke. "Doch es ist falsch, sich selbst mit rezeptfreien Medikamenten zu behandeln", warnt der Tübinger Dermatologe Martin Schaller. Eine genaue Diagnose sei wichtig, weil ein vermeintlicher Fußpilz auch ein allergisches Kontaktekzem oder Neurodermitis sein könne. "Nagelpilz wird auch gerne mal mit Schuppenflechte verwechselt."

Um auszuschließen, dass der Betroffene nicht an anderen Erkrankungen leidet, muss der Hautarzt sich den ganzen Körper des Patienten anschauen. Eine Schuppenflechte etwa würde eine Nagelpilzerkrankung der Zehennägel perfekt imitieren - sie mit Antipilz-Mitteln zu behandeln, wäre allerdings falsch.

Wie rückt man einem Pilzbefall am besten zuleibe? Man muss sehr konsequent behandeln, um ihn wieder los zu werden. "Die Motivation der Patienten ist unglaublich wichtig", sagt Schaller. Zu den Maßnahmen gehören nicht nur Medikamente. Grundsätzlich sei alles wichtig, was die Lebensbedingungen der Pilze verschlechtert.

Gute Lüftung für die Füße

Statt Turnschuhe zu tragen, sind beispielsweise gut belüftete Schuhe und Baumwollstrümpfe ratsam. Zudem lässt sich die Durchblutung der Füße mit Hilfe von Fußbädern verbessern. Besonders wichtig ist das bei Diabetikern.

Wichtig ist auch die Größe des Schuhwerks. Es darf nicht vorne an den Zehen drücken. Bei Fußpilz sollte der Patient regelmäßig eine Antipilz-Creme auftragen. Ist auch der Nagel befallen, sollte man eine Tinktur anwenden. Allerdings hilft sie nur, solange nicht mehr als ein Drittel der Nagelplatte betroffen ist. "Wenn der Patient nach Anwendung der Tinktur den Eindruck hat, dass die Symptome weg sind, sollte er noch mindestens einen Monat lang weiterbehandeln", rät der Tübinger Dermatologe.

Ist ein größerer Teil des Nagels befallen, können spezielle Antipilz-Tabletten verhindern, dass der Pilz im Nagel weiter wächst. Der Pilz arbeitet sich mit dem Nagel dann nach vorne raus. Zerstörte Nagelanteile trägt der Dermatologe auf mechanischem oder chemischem Wege oder mittels Laser ab. Allerdings belasten Antipilz-Medikamente die Leber. Deshalb müssen deren Werte regelmäßig kontrolliert werden. Zudem vertragen sich die Tabletten mit vielen anderen Medikamenten nicht.

Geduld nötig

Werden sie beispielweise mit Allergie-Medikamenten eingenommen, kann es zu Herzrhythmusstörungen kommen - noch ein Grund, frühzeitig mit der Therapie zu beginnen. Dann reicht nämlich die harmlosere Tinktur. Ist die Tablettentherapie abgeschlossen, sollte der Nagel noch eine Weile mit Antipilz-Lack bestrichen werden. Aber Geduld ist nötig: Die Therapie kann Monate bis ein Jahr dauern.

Derzeit arbeiten die Tübinger Dermatologen an einem Verfahren, dass schneller als herkömmliche Methoden dazu führen soll, frei von Pilzbefall zu sein: Eine spezielle Substanz, ein sogenannter Lichtsensibilisator, wird auf den Zehennagel aufgetragen und lagert sich in den Pilz ein. Anschließend wird dieser mit einer leistungsstarken LED-Quelle bestrahlt. Der Vorgang setzt Stoffe frei, die für den Pilz giftig sind. Doch bis zum Einsatz beim Patienten wird laut Schaller noch etwas Zeit verstreichen.