Fuß- und Nagelpilz Genetische Jagd nach den lästigen Haut-Eindringlingen

Schätzungen zufolge hat jeder dritte Erwachsene in Deutschland einen Fußpilz - und viele von ihnen sind ahnungslos. Für die richtige Behandlung ist eine genaue Diagnose nötig. Ein neuer Gentest aus der Apotheke verspricht Abhilfe. Doch er hat Tücken.
Gesunde Füße: Behandlung von Fuß- und Nagelpilz ist langwierig

Gesunde Füße: Behandlung von Fuß- und Nagelpilz ist langwierig

Foto: Ole Spata/ picture alliance / dpa

Es juckt zwischen den Zehen, der Nagel ist verdickt und schwefelgelb. An manchen Stellen ist er bereits krümelig. Höchste Zeit, zum Dermatologen zu gehen. Denn das, was Probleme wie diese verursacht, sind meistens sogenannte Dermatophyten: Fadenpilze, die nicht Bestandteil der natürlichen Hautbesiedlung sind, also dort eigentlich nicht hingehören.

Ist man davon betroffen, hat man es meist schwer, den unliebsamen Mitbewohner wieder loszuwerden: Insbesondere dann, wenn der Fadenpilz bereits auf den Nagel übergegangen ist - dann dauert die Behandlung sehr lang (mehr über die Behandlung von Fuß- und Nagelpilz lesen Sie hier).

Deshalb ist es wichtig, den Feind zu kennen. "Eine genaue Diagnostik durch den Hautarzt ist unbedingt nötig", sagt die Pilzexpertin Yvonne Gräser vom Institut für Mikrobiologie der Charité Berlin, die dort auch das Nationale Konsillarlabor für Dermatophyten leitet. Allerdings reiche eine Blickdiagnose dafür nicht aus, denn laut Studien sei sie in 50 Prozent der Fälle falsch, so Gräser. "Bisher ist es besser, eine mikroskopische Betrachtung und das Anlegen einer Kultur vorzunehmen."

Künftig könnten Dermatologen für die Diagnose aber auch auf einen neuen Gentest setzen: Damit lassen sich Haut-, Haar- und Nagelproben auf das Vorhandensein eines Pilzerregers untersuchen. Den "MycoTYPE Skin" entwickelte das Universitätsklinikum Dresden gemeinsam mit der Firma Biotype Diagnostics. Der Test vergleicht genetisches Material bestimmter Pilzarten mit jenem von den Pilzzellen in Proben des Patienten.

Gute Treffsicherheit bei Fadenpilzen

Diese sogenannte Genotyp-Bestimmung des Erregers ist laut einer Pressemitteilung der Dresdner Forscher auch genauer als eine Untersuchung per Mikroskop oder Kultur: In einer Patientenstudie mit 253 Proben konnte der Test deutlich mehr Hautpilzinfektionen nachweisen als die herkömmlichen Methoden. Im Schnitt liegt die Treffsicherheit, krankes Material als solches zu erkennen, demnach bei 87 Prozent. Allerdings gilt dieser Wert nur für Fadenpilze. Für Hefepilze, die bei Fuß- und Nagelpilzinfektionen weniger häufig eine Rolle spielen, liegt das Ergebnis deutlich niedriger (etwa 63 Prozent).

Der Vorteil: Die Testergebnisse liegen bereits nach einem bis drei Tagen vor. "Nach der herkömmlichen Vorgehensweise werden präparierte Schuppen mikroskopisch untersucht, was relativ schnell geht. Sie geben aber keine Information darüber, welcher Pilz im Detail vorliegt", sagt der Dermatologe Martin Schaller, leitender Oberarzt an der Universitäts-Hautklinik Tübingen. Und beim Anlegen einer Kultur könne man erst etwa nach vier Wochen mit einem Ergebnis rechnen.

Ein weiterer Vorteil: Der Test funktioniert auch bei einer Vorbehandlung gut, weil das genetische Material untersucht wird. In Kultur wachsen die Pilze dagegen oft nicht mehr, wenn die Patienten vorbehandelt sind.

Zwar sei die molekulare Diagnostik stark im Kommen, sagt die Berliner Mikrobiologin Gräser, allerdings sieht sie bei dem neuen Gentest auch deutliche Schwachpunkte: "Insgesamt sind nur fünf Dermatophyten-Spezies nachweisbar, wobei zwei davon sehr selten vorkommen." Immerhin könne man damit die bei Fuß- und Nagelpilz beteiligten Hautpilze feststellen. "Für diesen Zweck ist der Test also gut geeignet", sagt Gräser.

In anderen Fällen ist laut der Berliner Pilzexpertin nur die Pilzgattung als solche feststellbar. "Wenn es um Haarpilze oder spezielle Hautpilze geht, die beispielsweise vom Haustier auf den Menschen übertragen werden, liefert der Test also nicht wirklich zufriedenstellende Informationen", so Gräser. Zwar spielt es für die Behandlung keine Rolle, ob nur die Gattung und nicht die Art festgestellt wird. Aber um die Quelle der Infektion zu kennen, ist die Artbestimmung wichtig. Nur so lässt sich eine Neuinfektion und damit eine erneute Behandlung verhindern. Auch im Hinblick auf mögliche Resistenzentwicklungen sollte man die Art bestimmen.

Angeboten wird der Dresdner Gentest in zwei Varianten: Eine, bei der die Haut- und/oder Nagelprobe vom Arzt, Apotheker, Fußpfleger oder Kosmetiker entnommen wird (98 Euro), und eine günstigere, bei der die Proben vom Käufer zu Hause entnommen und ans Labor geschickt werden können (86 Euro). Für die Patienten ist auch der teure Test in der Apotheke frei verkäuflich.

Fachgerechte Probenentnahme ist wichtig

Das sehen Dermatologen sehr kritisch: "Es ist eine richtig gute, fachgerechte Abnahme kranken Gewebes notwendig, um ein korrektes Ergebnis zu erhalten", sagt auch Andrea Bauer vom Universitätsklinikum Dresden, die die Patientenstudie zum Test durchgeführt hat. Verwendet man nicht das richtige Gewebe in der Zone direkt benachbart zum gesunden Gewebe und entnimmt man nicht genug Gewebe, könne der Test ein falsches Ergebnis liefern. "Der Patient selbst hat nicht das Know-how dafür."

Ein weiterer Kritikpunkt: "Ein positives Testergebnis ist noch nicht gleichbedeutend mit einer behandlungsbedürftigen Pilzerkrankung", so Bauer. Zudem gibt es Erkrankungen, die Fuß- und Nagelpilz ähneln. Sie müssen unbedingt vorher vom Arzt ausgeschlossen werden. Wer den Test beim Hautarzt machen lassen möchte, zahlt als gesetzlich Versicherter etwa hundert Euro. Privatversicherte bekommen ihn von ihrer Kasse bezahlt.

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