Fußreflexzonenmassage Unten drücken, oben spüren

Nacken verspannt? Ein Druck auf den großen Zeh kann helfen: Die Fußreflexzonenmassage soll Schmerzen lindern, die Durchblutung fördern und die Selbstheilungskräfte anregen. Manche Ärzte nutzen die wohltuenden Effekte auch bei der Behandlung von Kranken.
Fußreflexzonenmassage: Einige Ärzte setzen auf ihren wohltuenden und schmerzlindernden Effekt

Fußreflexzonenmassage: Einige Ärzte setzen auf ihren wohltuenden und schmerzlindernden Effekt

Foto: Andreas Gebert/ picture alliance / dpa

Aua, das hat wehgetan. "Aha", meint die Physiotherapeutin und drückt noch mal. "Haben Sie derzeit Rückenprobleme?" Bingo. Damit hat sie ins Schwarze getroffen. Offenbar verrät der Fuß, was sich sehr viel weiter oben abspielt - zumindest wenn man Erfahrungsberichten glaubt.

Die Fußreflexzonenmassage basiert auf der Annahme, dass jedes Organ, jeder Muskel und Knochen über Reflexbahnen mit unseren Füßen in Wechselbeziehung steht. Demnach sind die einzelnen Reflexzonen auf den Fußsohlen bestimmten Organen und bestimmtem Gewebe zugeordnet: Das Gehirn steht etwa mit einer Stelle am großen Zeh in Verbindung, die Hormondrüsen mit der Ferse.

Der Therapeut setzt mit den Fingern an diesen Reflexzonen an, massiert und drückt sie - und übt auf diese Weise Reize aus. Die sollen auf das jeweils zugehörige Organ positiv einwirken: dessen Durchblutung steigern, die Selbstheilungskräfte anregen und so die Erkrankung lindern. Schmerzt eine Zone am Fuß, lässt das der Theorie zufolge gewisse Rückschlüsse auf das Befinden des zugehörigen Organs zu.

Doch wissenschaftlich bewiesen ist die Existenz der Fußreflexzonen nicht. "Es gibt keinerlei anatomische Belege dafür", sagt Andreas Michalsen, Professor für Naturheilkunde an der Berliner Charité. "Deshalb sprechen wir auch nur von einer Fußmassage statt von einer Fußreflexzonentherapie."

Die wohltuende Wirkung ist unstrittig

Gleichwohl gibt es eine Vielzahl von Erfahrungsberichten über positive Effekte der Fußreflexzonentherapie. "Die Fußmassage begeistert auch unsere Patienten sehr", erzählt Michalsen. Und er räumt ein, dass er durchaus glaubt, dass Fernwirkungen bestünden. Allerdings denkt er dabei mehr an durchblutungsfördernde Effekte.

Unstrittig ist die Tatsache, dass die Druckpunktmassage das Wohlbefinden steigert. An den Füßen befinden sich sehr viele Nervenrezeptoren. "Ein Reiz an den Füßen wird bereits von daher als sehr wohltuend empfunden. Eine angstlösende, beruhigende und müde machende Wirkung haben einige kleinere Studien festgestellt", sagt der Berliner Mediziner.

Michalsen setzt die Fußmassage deshalb bei Krebspatienten, bei ängstlichen und unruhigen Patienten sowie bei Patienten mit einer Erkrankung des peripheren Nervensystems ein. Bei Letzteren soll es die Regeneration der Nerven anregen. Bei Rheuma und Weichteilrheuma nutzt Michalsen den schmerzlindernden Effekt der Fußmassage auf den ganzen Körper.

2006 fand eine Doktorandin vom Kompetenzzentrum für Naturheilkunde des Universitätsklinikums Jena Hinweise darauf, dass die Massage Schmerzen lindern und die Beweglichkeit des Kniegelenks steigern kann. 30 Probanden mit Kniearthrose unterzogen sich über sechs Wochen zweimal wöchentlich einer Fußreflexzonenmassage. Das Ergebnis: Lokale Beschwerden, Steifigkeit und Ruheschmerz verringerten sich um 60 Prozent. Die Beweglichkeit des Gelenks steigerte sich um etwa zwölf Grad. Und dies, obwohl keine Bewegungstherapie durchgeführt wurde. Der Ruheschmerz war zwei Monate nach der Behandlung sogar ganz weg. Spätere Kontrolltermine gab es in dieser kleinen Studie allerdings nicht. Wie lange der Effekt anhält, ist also unklar.

Menschliche Zuwendung spielt entscheidende Rolle

Die starke Schmerzlinderung überrascht Doreen Jaenichen, Leiterin der Ambulanz für Naturheilkunde und Integrative Onkologie am Universitätsklinikum Jena, nicht. "Eine wichtige Rolle hierbei dürfte zusätzlich zu anderen Effekten die menschliche Zuwendung und sanfte Berührung durch den Therapeuten zweimal wöchentlich spielen", sagt Jaenichen.

Die frühere und inzwischen verstorbene Leiterin des Jenaer Kompetenzzentrums, Christine Uhlemann, die die Studie betreute, stellte die Hypothese auf, dass die verbesserte Beweglichkeit unter anderem auf einer Reizung der sogenannten Propriorezeptoren  beruht. Sie sind an den Füßen in besonders hoher Dichte präsent. Ihre Aufgabe ist es, die Stellung des menschlichen Körpers im Raum an das Gehirn weiterzuleiten. Das Gehirn verarbeitet diese Informationen und veranlasst geeignete Veränderungen der Muskelspannung.

Uhlemann glaubte weniger an Nervenverbindungen zwischen Fußreflexzonen und Organen, wie das für die Reflexzonen am Rücken eindeutig belegt ist - sondern an Verbindungen über Faszien. Diese gehören zum Bindegewebe, umhüllen Organe, Muskeln und Muskelgruppen und haben Stütz- und Verbindungsfunktionen. Auch Michalsen kann sich gut vorstellen, dass eine Fernwirkung zwischen den Füßen und den Organen über Faszien möglich ist. Aber dass eine genaue Einteilung der Füße in Zonen möglich sein soll, bezweifelt er.

Dennoch: Wer keine Krampfadern an den Füßen und keinen diabetischen Fuß hat, kann sich eine wohltuende Fußreflexzonenmassage durchaus gönnen. Pro Behandlung, die etwa 30 bis 40 Minuten dauert, ist mit 25 bis 40 Euro zu rechnen.