Gedächtnis-Coaching Hallo, wie geht's?

Telefonate und Gespräche sind ein gutes Training für die grauen Zellen. Zwei Übungen helfen, soziale Kontakte aktiver zu gestalten.


SPIEGEL WISSEN hat ein zehnwöchiges Gedächtnis-Coaching entwickelt, mit dem Sie Ihre Merkfähigkeit im Alltag verbessern können. Dies ist der erste Teil. Die anderen Teile finden Sie in den folgenden Wochen hier.

Markus Esser/ Getty Images

Wer sein Gedächtnis im Alltag mit wenig Aufwand effektiv trainieren möchte, kann an einem elementaren Punkt ansetzen: seinen sozialen Kontakten.

Kognitionswissenschaftler und Gedächtnisforscher sind sich einig, dass nichts die grauen Zellen so auf Touren bringt wie ein aufmerksames Gespräch mit einem Freund oder Nachbarn, alternativ auch ein Telefonat mit Familienangehörigen oder alten Bekannten. Sozialer Kontakt wirkt dabei auf zwei Arten: Zum einen hebt er die Stimmung und wirkt so auf Umwegen positiv aufs Gehirn. Zum anderen ist eine Unterhaltung mit anderen eine komplexe kognitive Leistung. Diese unterschätzen wir häufig.

Die Aufgaben, die wir Ihnen in dieser Woche stellen, setzen deshalb im sozialen Alltag an. Sie fördern gezielt den aufmerksamen Kontakt mit anderen Menschen. Sie können zwischen einer Aufgabe für "Anfänger" und einer für "Fortgeschrittene" wählen - entscheiden Sie selbst, ob Sie in Sachen Kommunikation eher zu den Zurückgenommenen oder zu den Könnern gehören.

Animation: Wie das Hirn uns täuscht

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Wichtig: In den Trainingseinheiten der nächsten Wochen geht es um sehr unterschiedliche Lebensbereiche. Falls Sie ein Kontaktmuffel sind, verzagen Sie jetzt nicht! Es wird noch andere Aufgabenschwerpunkte geben, die Ihnen vermutlich mehr liegen.

Dennoch: Probieren Sie diese Woche einfach mal Ihr Glück mit mehr Kommunikation. Und falls Sie ein Kontakt-Ass sind, betrachten Sie diese Übung als leichten Einstieg ins Thema.

Für Anfänger: Drei Anrufe machen

Telefonate mit Freunden und Bekannten erfordern komplexe Kognitionsleistungen. Geben Sie sich einen Ruck und rufen Sie im Laufe dieser Woche drei Bekannte oder Freunde an, die Sie schon länger sprechen wollten. Machen Sie am besten eine Liste mit fünf Namen und suchen Sie dann spontan aus, auf welches Gespräch Sie Lust haben.

Vorsicht: Der erste Anruf ist manchmal schwer, gerade, wenn man sich ein paar Wochen oder Monate nicht gesprochen hat. Also: Melden Sie sich kurz, plaudern Sie fünf bis zehn Minuten darüber, was es Neues gibt, oder verabreden Sie sich per Telefon. Wichtig: SMS, WhatsApp und andere Arten der virtuellen Kommunikation sind bei diesen drei Kontaktaufnahmen nicht erlaubt. Sie haben keinen aktiven Trainingseffekt fürs Gedächtnis.

Wenn Sie nicht zu den Menschen gehören, die am liebsten kurz und knapp telefonieren, probieren Sie lieber die Aufgabe für Fortgeschrittene.

Für Fortgeschrittene: Aktiv zuhören und Fragen stellen

Im Alltag machen wir viel Small-Talk, tauschen Floskeln übers Wetter, die Arbeit, die Familie aus. Führen Sie in dieser Woche eine Unterhaltung mit einer Person aus dem Bekannten- oder Freundeskreis, auf die sie sich wirklich zehn bis fünfzehn Minuten lang voll konzentrieren.

Das heißt: Fragen Sie die Person, wie es ihr geht. Gehen Sie näher auf Sorgen, Neuigkeiten oder Probleme ein. Oder interessieren Sie sich - ebenfalls durch gezieltes Weiterfragen - für ein bestimmtes Hobby oder eine Leidenschaft, die diese Person pflegt. Versuchen Sie auch, eigene Erfahrungen oder Erinnerungen zum Thema einzubringen. Eine solche konzentrierte, aktive und ergebnisoffene Unterhaltung schafft Vernetzungen im Gehirn - und ist auf Dauer ein perfektes Training für die grauen Zellen.

Ein Zusatztipp fürs gesamte Training: Reflektieren Sie am Ende jeder Woche kurz, wie die Aufgaben gelaufen sind. Welche haben Sie gemacht? Was war leicht, was war schwer? Was haben Sie in den Telefonaten oder im konzentrierten Gespräch erlebt? Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit, darüber nachzudenken.

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