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02. September 2016, 11:17 Uhr

Gelbfieber-Epidemie

"Noch nicht über den Berg"

Mehr als 400 Todesopfer und 6000 Infizierte: Die Gelbfieber-Epidemie in Angola und der Demokratischen Republik Kongo ist noch nicht überstanden, warnen Experten.

Rund 6000 Menschen haben sich bei einem Gelbfieber-Ausbruch in Angola und der Demokratischen Republik Kongo mit der Krankheit infiziert, schätzen Experten.

Sie hoffen, dass die Epidemie sich dem Ende nähert: In beiden Ländern wurden in den vergangenen Monaten Millionen Menschen geimpft, um die Ausbreitung der Erreger einzudämmen. Zu kämpfen hatten die Helfer dabei unter anderem, weil der Impfstoff knapp wurde.

Gelbfieber wird von Stechmücken übertragen. Zu größeren Ausbrüchen kann es kommen, wenn sich Menschen in dicht besiedelten Gebieten anstecken.

Die meisten Erkrankten leiden an Fieber, Kopf- und Gliederschmerz, Übelkeit und Erbrechen. Bei rund 15 Prozent der Infizierten folgen deutlich schwerere Symptome, darunter Blutungen im Magen-Darm-Trakt. Die Krankheit greift dann auch Leber und Nieren an, Haut und Augen verfärben sich gelb, es kann zu Krämpfen und Bewusstseinsstörungen kommen. 10 bis 20 Prozent der Erkrankten sterben infolge der Gelbfieber-Infektion, berichtet das Robert Koch-Institut.

Die Regenzeit steht bevor

Beim aktuellen Ausbruch in Afrika hat die Weltgesundheitsorganisation WHO zwar am 12. Juli den vorerst letzten Fall identifiziert. Entwarnung haben Experten bei einem Treffen in dieser Woche jedoch nicht gegeben. Denn es steht die Regenzeit bevor, in der die Moskitos besonders zahlreich sind. "Wir sind noch nicht über den Berg", sagte Oyewale Tomori, der das Notfallkomitee der WHO leitet.

Seit dem Beginn der Epidemie im Dezember 2015 sind mehr als 400 Menschen in den beiden betroffenen Ländern an Gelbfieber gestorben.

Allein im August wurden in der der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, Kinshasa, etwa 7,7 Millionen Menschen gegen Gelbfieber geimpft. Weitere 1,5 Millionen in anderen Teilen des Landes erhielten die Impfung ebenfalls, dazu noch 2,4 Millionen im benachbarten Angola.

Impfen mit dem Bruchteil einer Dosis

Die WHO-Reserve an Impfdosen liegt bei sechs Millionen - und wurde entsprechend in diesem Jahr schon mehrmals aufgebraucht, was laut WHO noch nie vorgekommen war. Vier Hersteller würden rund um die Uhr arbeiten, um neuen Impfstoff zu produzieren.

Trotzdem ist der Impfstoff so knapp, dass die Helfer dazu übergegangen sind, Gefährdeten nur ein Fünftel der üblichen Impfdosis zu spritzen. Das sei eine Notfallmaßnahme, die nur unter diesen Umständen zu empfehlen sei, so die WHO. Die Organisation will ihren Impfstoffvorrat bis Dezember auf 20 Millionen Dosen ausbauen.

wbr/rtr/AP

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