Altersstudie Die Generation der rüstigen Rentner

Die neue Generali-Altersstudie zeigt: viele Senioren sind bis ins hohe Alter sportlich aktiv. Rentner achten heute deutlich stärker auf ihre Gesundheit als noch vor wenigen Jahren. Aber Vorsicht: Die Grundlagen für die Fitness werden in jungen Jahren gelegt.
Senioren beim Sport: Selbst Raucher halten sich heute für fit und gesund

Senioren beim Sport: Selbst Raucher halten sich heute für fit und gesund

Foto: Corbis

"Ich gehe zweimal in der Woche ins Fitnessstudio zur Gymnastik, mache auch andere Sachen, zum Beispiel Schwimmen oder Wassergymnastik. So versuche ich, meinen Bewegungsapparat in Takt zu halten." Das sagt kein sportlicher Mittvierziger, sondern eine 74-jährige Seniorin in der am Mittwoch vorgestellten Generali Altersstudie 2013. Nach den vom Allensbacher Institut für Demoskopie erhobenen Daten ist die Dame beileibe kein Einzelfall.

Deutsche Rentner sind heute rüstiger denn je. Die ausführliche Befragung von mehr als 4000 65- bis 85-Jährigen hat ergeben, dass 37 Prozent mindestens einmal pro Woche Sport treiben, 21 Prozent sogar mehrmals, knapp die Hälfte (44 Prozent) immerhin gelegentlich. Zwar nimmt die Sportlichkeit mit dem Alter ab - doch selbst bei den 75- bis 79-Jährigen ist noch jeder Dritte regelmäßig sportlich aktiv. Sogar von den 80- bis 85-Jährigen macht noch ein Fünftel (22 Prozent) Sport.

Doch die Experten stellten auch fest: Wer nicht schon in jungen Jahren den Spaß an Sport und Bewegung vermittelt bekommen hat, der lässt sich auch im Alter nicht mehr dafür begeistern.

Best-Ager im Bewusstseinswandel

Damit unterscheidet sich die Generation der heutigen Senioren deutlich von ihren Vorgängern: 1968 trieben laut Allensbach gerade einmal fünf Prozent der Westdeutschen über 65 überhaupt Sport - davon vier Prozent nur gelegentlich. Selbst 1986 waren es nur 16 Prozent, die sich ab und zu bewegten.

Die Demografen gehen davon aus, dass sich ein Wandel im Umgang mit der eigenen Gesundheit vollzogen hat, auch in anderen Altergruppen. Dieser Wandel ist nun auch bei den Senioren angekommen.

Nach den Zahlen der Experten hat vor knapp 20 Jahren nur ein Viertel (26 Prozent) der Bevölkerung auf ihre Gesundheit geachtet, heute ist es beinahe ein Drittel (32 Prozent). Das schlägt sich auch in anderen Lebensbereichen nieder: Zwei Drittel (67 Prozent) in der erfassten Altersgruppe achten auf genügend Schlaf, 62 Prozent gaben an, wenig oder gar kein Alkohol zu trinken. Knapp jeder Zweite achtet laut eigener Aussage auf gute Ernährung und sein Gewicht, weniger als ein Drittel (31 Prozent) der deutschen Senioren rauchen.

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Generali-Altersstudie: Freud und Leid des Alters

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Hinter den nüchternen Zahlen verbergen sich erstaunliche Sportprogramme, die so manchem Vierzigjährigen den Atem rauben würden. So berichtet ein 66-Jähriger den Demografen: "Ich mache im Winter gerne Langlauf-Sport. Wenn es etwas wärmer ist, ist mein Sport Fahrradfahren und natürlich Wandern. Wir besuchen gerne mal das Schwimmbad." Sogar Senioren, die aufgrund einer körperlichen Einschränkung manche Aktivitäten nicht mehr ausüben können, sind um genügend Bewegung bemüht. Ein 73-jähriger Mann erzählt: "Spazierengehen geht ja nicht. Ich kann wegen meiner Verletzung am Bein nur sehr schlecht laufen. Aber Radfahren kann ich gut."

Auch Raucher halten sich für gesund

Überraschende Antworten erhielten die Allensbacher Forscher auf ihre Frage, wie die Senioren es mit dem Rauchen halten: Ob ein Mensch im Leben geraucht hat oder nicht, scheint den subjektiven Gesundheitszustand wenig zu beeinflussen.

Von den regelmäßigen Rauchern stufen 37 Prozent ihren Gesundheitszustand als sehr gut oder gut ein - 41 Prozent der ehemaligen Raucher bewerten ihre Gesundheit genau so. Bei den Nichtrauchern, die nie im Leben Zigaretten geraucht haben, und sich genau so fit fühlen, sind es nur zwei Prozent mehr. Allerdings räumen die Forscher ein, dass die tatsächlichen Folgen des Nikotinkonsums für die Gesundheit der einzelnen Personen nicht erfasst wurden.

Es gibt noch ein weiteres Indiz für das gestiegene Gesundheitsbewusstsein der Älteren: Das schlechte Gewissen meldet sich. Ein 66-jähriger Mann berichtet: "Ich sollte mehr machen - etwa auf dem Heimtrainer trainieren. Aber man denkt immer: Das mach ich morgen, dann mache ich das dafür länger."

Solche Ausreden kommen auch Jüngeren bekannt vor. Auch auf diesem Gebiet haben die Senioren also aufgeholt.

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