Gewalt im Kongo Ebola-Helfer müssen Arbeit unterbrechen

Die Gewalt im Ost-Kongo ist erneut eskaliert, mehrere Organisationen mussten ihre Helfer aus dem Ebola-Hotspot Beni abziehen. Auslöser waren Proteste gegen die prekäre Sicherheitslage.

Kongolesische Soldaten in den Straßen von Beni, Archivaufnahmen vom 16. Juli 2019
Jerome Delay/ AP

Kongolesische Soldaten in den Straßen von Beni, Archivaufnahmen vom 16. Juli 2019


Erneut ein Rückschlag im Kampf gegen die Ebola-Epidemie im Osten der Demokratischen Republik Kongo: Nachdem es zu gewalttätigen Protesten gekommen war, mussten internationale Helfer ihre Arbeit im Kampf gegen die Epidemie teilweise einstellen.

Zuvor hatten Bewohner der Stadt Beni gegen die Unsicherheit und andauernden Angriffe durch Milizen protestiert und dabei einen Stützpunkt der Uno-Friedenstruppen in der Stadt angegriffen. Wegen der Gewalt zogen die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie mehrere NGOs, die den Ebola-Ausbruch bekämpfen, Mitarbeiter aus Beni ab. Die Stadt ist immer wieder Zentrum der Epidemie.

Eine Ebola-Klinik von Ärzte ohne Grenzen (MSF) in Beni sei zwar weiterhin geöffnet, das Personal sei aber aus Sicherheitsgründen reduziert worden, sagte Brian Moller, der Notfall-Koordinator von MSF in der Provinz Nord-Kivu. Die Kinderhilfsorganisation World Vision stellte nach eigenen Angaben ihre Arbeit in Beni vorübergehend komplett ein. Die WHO hat laut eines Sprechers mehr als ein Drittel ihrer Mitarbeiter in die nahe liegende Stadt Goma verlegt.

Plünderungen als Reaktion auf Gewalt

Aufgebrachte Demonstranten hatten am Montag in Beni einen Stützpunkt der Uno-Friedenstruppen gestürmt und geplündert. Das Büro der Monusco genannten Uno-Mission wurde nach Angaben eines Uno-Sprechers beschädigt und Mitarbeiter wurden aus Sicherheitsgründen verlegt. In Beni sind demnach rund 700 Blauhelme aus Malawi und Indien stationiert.

Die Polizei ging gewaltsam gegen die Demonstranten vor, laut Amnesty International teilweise mit scharfer Munition. Mindestens ein Mensch sei getötet worden. Die Vizepräsidentin einer zivilgesellschaftlichen Organisation in Beni, Noella Katsongerwaki, sprach von mindestens fünf Toten bei dem Vorfall.

Anlass der Proteste war die Sicherheitslage in und um Beni. Immer wieder greifen bewaffnete Gruppen Zivilisten an, vor allem die radikal-islamische Miliz ADF. Allein in den vergangenen zwei Wochen habe die ADF mehr als 70 Menschen getötet, berichtete eine von Human Rights Watch mitgegründete Organisation, die die Gewalt im Ost-Kongo dokumentiert. Am Wochenende kam es erneut zu einem Angriff mit mehreren Toten.

Neben Ebola- auch Masernausbruch

"Dieser Ausbruch von Gewalt hätte nicht zu einem schlimmeren Zeitpunkt kommen können", Leiterin von World Vision im Ost-Kongo, Helen Barclay-Hollands. Die Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo dauert bereits seit mehr als einem Jahr an. Bislang sind den Behörden zufolge mehr als 3300 Menschen erkrankt und knapp 2200 Menschen gestorben.

Der Ausbruch ist vor allem wegen der Instabilität in der Region so schwer in den Griff zu bekommen. Etliche Milizen sind dort aktiv, denen es meist um die Kontrolle über Gebiete und deren Bodenschätze wie Gold oder Kobalt geht. Immer wieder greifen sie Zivilisten und Ebola-Helfer an. Hinzu kommt ein Masernausbruch im Kongo, der seit Anfang des Jahres laut WHO mehr als 5100 Todesopfer gefordert hat. Schätzungsweise eine Viertelmillion Menschen sind in dem Land in diesem Jahr an Masern erkrankt.

irb/dpa

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