Raupen des Eichenprozessionsspinners Deutschlands giftige Plage

Er löst Polizeieinsätze und Autobahnsperrungen aus: Der Eichenprozessionsspinner hat sich in Deutschland massiv ausgebreitet, begünstigt durch warme, trockene Witterung. Was Sie über die giftigen Raupen wissen müssen.

Der Eichenprozessionsspinner breitet sich immer weiter aus - auch in Deutschland
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Der Eichenprozessionsspinner breitet sich immer weiter aus - auch in Deutschland


Im Mai legten Raupen die A1 bei Hamburg für drei Nächte lahm. Bei einem Sportfest in Mühlheim mussten drei Schüler mit Hautreizungen und Atemnot ins Krankenhaus. In Dortmund wurde ein Park drei Wochen lang geschlossen. Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Seit Wochen beschäftigt der Eichenprozessionsspinner Bürger und Kommunen in Deutschland. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was ist ein Eichenprozessionsspinner und wie sieht er aus?

Der Eichenprozessionsspinner ist ein unscheinbarer Nachtfalter, der sich am liebsten in warmen und trockenen Gebieten aufhält. Für die Eiablage bevorzugt er freistehende Eichen. Den Namen Prozessionsspinner hat der Falter den Raupen zu verdanken, die im Juni in bis zu zehn Meter langen Prozessionen auf Nahrungssuche gehen. Die Raupen schlüpfen Anfang Mai und sind durch eine breite dunkle Rückenlinie erkennbar. Darauf befinden sich samtig behaarte Felder mit rotbraunen, langbehaarten Warzen.

Raupe des Eichenprozessionsspinners
DPA

Raupe des Eichenprozessionsspinners

Warum breitet er sich in Deutschland aus?

Milde Frühlingsmonate und warme, trockene Sommer begünstigen die massenhafte Vermehrung des Falters. Angaben der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) zufolge verbreitet sich der Eichenprozessionsspinner mittlerweile in allen deutschen Bundesländern. Am stärksten betroffen sind Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bayern.

Ist der Eichenprozessionsspinner gefährlich?

Der Falter selbst stellt keine Gefahr für den Menschen dar, wohl aber seine Raupen. Sie tragen ab dem dritten Larvenstadium Brennhaare, die das Eiweiß Thaumetopoein enthalten und allergische Reaktionen bei Menschen und Tieren auslösen. Kurz vor der Verpuppung besitzt eine Raupe bis zu 700.000 Brennhaare. Das darin enthaltene Nesselgift ist noch über mehrere Jahre hinweg aktiv.

Die SDW warnt deshalb vor verlassenen Nestern an Bäumen und auf dem Boden. Vorsicht ist unter anderem beim Sammeln von Brennholz in betroffenen Gebieten geboten. Die Härchen können außerdem mit dem Wind weggeweht werden.

Nest mit Eichen-Prozessionsspinnern
DPA

Nest mit Eichen-Prozessionsspinnern

Was passiert beim Kontakt mit den Brennhaaren?

Die Raupenhaare sind mit Widerhaken ausgestattet. Kommen sie mit der Haut in Kontakt, setzen sie sich dort fest und verursachen Reizungen in Form von Knötchen, Quaddeln und Entzündungen. Unbehandelt halten diese ein bis zwei Wochen an. Durch Verwehungen können die Härchen auch in Atemwege und Augen gelangen und dort die Schleimhäute angreifen. Im schlimmsten Fall erleiden Betroffene einen allergischen Schock.

Mit Raupenhaaren in Berührung gekommen - was nun?

Die Europäische Stiftung für Allergieforschung (ECARF) rät:

  • Kleidung sofort im Freien wechseln und bei 60 Grad waschen,
  • sichtbare Raupenhaare mit einem Klebestreifen entfernen,
  • betroffene Gegenstände wie Rucksack oder Auto gründlich reinigen,
  • gründlich duschen und die Haare reinigen,
  • gereizte Augen mit Wasser ausspülen,
  • bei Hautreizungen den Hausarzt aufsuchen,
  • bei Atemnot den Rettungsdienst alarmieren.
  • Zur Behandlung von Hautreaktionen und Juckreiz eignen sich außerdem Kortisonpräparate und Antihistaminika.

    Wie kann ich mich schützen?

    Gesundheitsbehörden und Landesministerien rufen die Bevölkerung zur Achtsamkeit auf. Experten raten zu folgenden Schutzmaßnahmen:

    • vom Eichenprozessionsspinnern befallene Gebiete meiden,
    • Raupen und deren Nester nicht berühren und
    • empfindliche Hautbereiche wie Nacken, Hals und Unterarme schützen.

    Welche Maßnahmen werden zum Schutz der Bevölkerung ergriffen?

    Zur Schädlingsbekämpfung kommen unter anderem mechanische Verfahren zum Einsatz. Dazu gehört das Absaugen der Nester sowie deren sachgerechte Entsorgung in der Müllverbrennung. Das Bayerische Staatsministerium rät dringend davon ab, Nester selbst abzuflämmen oder mit einem Wasserstrahl zu entfernen. Aufgrund der Gesundheitsgefahr seien spezielle Arbeitstechniken nötig.

    Wann ist die Plage wieder vorbei?

    Die Hochzeit hatten die Raupen im Juni, Anfang Juli beginnen sie mit der Verpuppung. Gebannt ist die Gefahr trotzdem nicht. Da das Gift der Raupen über mehrere Jahre hinweg wirksam ist und ganzjährig Häutungsnester in bewaldeten Gebieten zu finden sind, sind die Härchen das ganze Jahr über eine Gefahrenquelle.

    ctl



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