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27. Januar 2014, 16:15 Uhr

GlaxoSmithKline

Hersteller gehen wichtige Impfstoffe für Kinder aus

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Lieferprobleme bei der Pharmafirma GlaxoSmithKline bereiten Ärzten Sorgen. Dem Hersteller gehen in den kommenden Wochen wichtige Impfstoffe für Kinder aus. Obwohl es derzeit noch Alternativ-Impfungen gibt, droht ein Engpass im Kampf gegen gefährliche Krankheiten.

Sie gehören zu den wichtigsten Krankheiten, vor denen Kinder effektiv geschützt werden können: Kinderlähmung (Polio), Diphtherie, Wundstarrkrampf (Tetanus), Keuchhusten, Masern, Mumps, Röteln und Windpocken. Doch der Hersteller, der unter anderem zwei Vierfach-Impfungen und eine Einzelimpfung gegen diese acht Krankheiten produziert, kann sie in den kommenden Wochen vorübergehend nicht liefern.

Dafür gibt es laut Hersteller GlaxoSmithKline (GSK) zwei verschiedene Gründe: Die Vierfach-Impfung MMRV gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen (Windpocken; Handelsname Priorix Tetra) sowie der Windpocken-Einzelimpfstoff (Handelsname Varilrix) könnten derzeit nicht geliefert werden, "weil einige Chargen nicht die GSK-internen Qualitätskriterien und -standards für die Freigabe erfüllten", schreibt GSK auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE.

Das Problem: Zumindest auf den Vierfach-Impfstoff hält GSK ein Monopol. Laut der Firma können die Auslieferungen von Priorix Tetra und Varilrix erst dann wieder beginnen, wenn die Untersuchungen des Herstellungsproblems abgeschlossen sind. Zudem kommt es bei der Impfung gegen Diphtherie, Tetanus, Polio und Keuchhusten demnach im Februar 2014 zu einer Lieferunfähigkeit, weil es einen "erhöhten Marktbedarf (…) bei gleichzeitig beschränkten Herstellungskapazitäten" gebe, hieß es seitens GSK.

Die ständige Impfkommission (Stiko) am Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin und das für die Zulassung von Impfstoffen zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) wurden darüber bereits am 20. Januar informiert. Ein anderer Hersteller bietet neben GlaxoSmithKline ebenfalls eine Vierfach-Impfung gegen Diphtherie, Tetanus, Polio und Keuchhusten an, weitere Firmen liefern Einzelimpfstoffe. Es besteht also kein grundsätzlicher Mangel an den einzelnen Komponenten.

"Man erspart Kindern einen Piekser"

Doch während die Lieferengpässe bei den Impfstoffen für diese Krankheiten den Behörden keine größeren Sorgen bereiten, gibt es Kritik an den Schwierigkeiten bei der Impfstoff-Herstellung der MMRV-Vakzine: "Es ist ausgesprochen ärgerlich, dass man nun auf die Impfstoffe warten muss", sagt der Pädiater Ulrich Fegeler, Sprecher des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). "Mit der Vierfach-Impfung MMRV erspart man Kindern einen Piekser."

Es ist nicht das erste Mal, dass es zu Schwierigkeiten bei der Versorgung der Grundimmunisierung kommt: Bereits im vergangenen Jahr und auch 2010 hatte GSK Engpässe anmelden müssen, der Berufsverband hatte sich daraufhin bei GSK beschwert. "Ob das etwas gebracht hat, ist fraglich", so Fegeler zu SPIEGEL ONLINE.

Auch die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) schrieb nach den Lieferengpässen von 2013 in einer Stellungnahme: "In diesen Situationen kann es zu einer aus ethischer Sicht bedenklichen Priorisierung innerhalb von Indikationsgruppen kommen."

In einem gemeinsam verfassten Schreiben haben RKI und PEI gemeinsam aufgelistet, wie die Priorisierung in der Praxis auszusehen habe: Das wichtigste sei demnach, die erste Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln rechtzeitig ab dem zwölften Lebensmonat mit einem Dreifachimpfstoff durchzuführen. Diesen gibt es von verschiedenen Firmen. Gleichzeitig solle eine Impfung gegen Varizellen (Windpocken) erfolgen, solange der Impfstoff zur Verfügung stehe.

Doch die Kritiker bemängeln, dass die Alternativ-Impfstoffe den Bedarf in der Bevölkerung voraussichtlich nicht abdecken können. Die Folge, so die DAKJ, könne ein nicht ausreichender oder fehlender Impfschutz bei zahlreichen Kindern sein. "Lieferengpässe, wie sie aktuell bei GlaxoSmithKline vorliegen, können somit zu einem Rückgang der Zahl vollständig grundimmunisierter Kinder führen, was wiederum die Impfziele gefährdet", heißt es in der Stellungnahme.

Monopole gefährden Impfungen

Gleichwohl unterstützt Fegeler die Empfehlung des RKI und des PEI: "Ganz wichtig ist außerdem, dass die zweite Impfung innerhalb des zweiten Lebensjahres erfolgt", so der Kinderarzt. "Ob das vier oder acht Wochen oder noch später nach der ersten Impfung erfolgt, ist nicht so wichtig." Vor allem dürfe durch die Engpässe aber keine Impfmüdigkeit entstehen. "Wir müssen nicht nur das Kind durch die Impfung schützen, sondern wollen auch die Herdenimmunität verbessern", so Fegeler.

Unter Herdenimmunität versteht man die Tatsache, dass so viele Menschen durch eine Impfung immun gegen eine Krankheit sind, dass sie sich nicht ausbreiten kann. Zuletzt hatten Ausbrüche von Masern in verschiedenen Teilen Deutschlands immer wieder gezeigt, wie groß die Impflücken in Deutschland mittlerweile schon sind.

Neben der schwierigen Frage, wer wann welchen Impfstoff bekommt, sieht die DAKJ vor allem bei den Herstellern ein Problem. Die Monopolisierung und fehlender Preiswettbewerb gefährde die Impfprävention, heißt es in der Stellungnahme: "Die DAKJ fordert die politisch Verantwortlichen daher auf, sich der geschilderten Problematik anzunehmen."

In Deutschland überwacht das PEI Zulassung, Herstellung und Qualität der Impfstoffe. Die Stiko empfiehlt, wann welche Impfungen sinnvoll sind und spricht Empfehlungen aus. Welcher Konzern aber wie viele Impfdosen und in welcher Kombination herstellt, unterliegt den Gesetzen der freien Marktwirtschaft. Die Politik greift hier nicht ein. "Wir haben keine Zuständigkeit für die Marktüberwachung", sagt eine Pressesprecherin des PEI. "Wir optimieren bei uns die Abläufe zur staatlichen Freigabe von Impfstoff-Chargen."

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