Gluten-Unverträglichkeit Diagnose bei Kindern auch ohne Magenspiegelung

Um eine Zöliakie zu diagnostizieren, führen Ärzte oft eine Gastroskopie durch. Dabei könnte eine Gluten-Unverträglichkeit gerade bei Kindern oft auch ohne die lästige Prozedur erkannt werden.
Manche Getreidesorten enthalten das Klebereiweiß Gluten

Manche Getreidesorten enthalten das Klebereiweiß Gluten

Foto: DPA/ TMN/ Jens Büttner

Eine Magenspiegelung ist immer unangenehm - für Kinder besonders. Doch bisher gehört die sogenannte Gastroskopie samt der Entnahme einer Gewebeprobe zu einer der Prozeduren, die man über sich ergehen lassen muss, wenn ein Verdacht auf Zöliakie - eine Gluten-Unverträglichkeit, vorliegt. Dabei könnte Kindern die Gastroskopie unter Narkose in vielen Fällen erspart bleiben, glauben Forscher.

Ihre in der Fachzeitschrift "Gastroenterology"  veröffentlichte internationale Untersuchung ergab, dass eine zuverlässige Diagnose in mehr als 50 Prozent der Fälle ohne den Eingriff gestellt werden kann.

Etwa ein Prozent der Kinder und Jugendlichen in Europa leiden an der Gluten-Unverträglichkeit Zöliakie. Getreidesorten wie Weizen, Roggen oder Gerste, die das Klebereiweiß Gluten enthalten, lösen bei ihnen eine Reaktion des Immunsystems aus. Das führt zur chronischen Entzündung der Dünndarmschleimhaut. Die Beschwerden bei Zöliakie sind sehr vielfältig, sie reichen von Verdauungsproblemen mit Bauchschmerzen, Durchfall, Blähungen oder Verstopfung bis zu vermindertem Wachstum oder Blutarmut. Zöliakie-Patienten müssen lebenslang auf alle Speisen mit Gluten verzichten.

"Top Ten der übersehenen Krankheiten"

Für Kinder bedeute eine Magenspiegelung mit Gewebeentnahme, dass sie tagsüber in der Klinik bleiben müssten - mit allen Ängsten und Unannehmlichkeiten, sagte die Leiterin der Kindergastroenterologie im Dr. von Haunerschen Kinderspital am Uniklinikum München, Sibylle Koletzko, die mit ihren Mitarbeitern die neue Studie koordinierte.

Der Verzicht auf die Spiegelung sei nicht nur für die Kinder angenehmer, sondern gehe auch mit erheblichen Kosteneinsparungen im Gesundheitssystem einher. Auch die teuren genetischen Untersuchungen seien für die sichere Diagnose nicht mehr notwendig. Die Veranlagung für die Krankheit ist erblich, auch wenn die genauen Auslöser bis heute nicht bekannt sind.

Weil die Beschwerden oft wechseln, werde die Zöliakie auch als Chamäleon unter den Krankheiten bezeichnet, sagte Koletzko. "Die Zöliakie gehört zu den Top Ten der übersehenen Krankheiten. Dabei ist sie sehr häufig."

Bluttests mit deutlichen Ergebnissen

Koletzko und ihre Kollegen sammelten in 33 Kliniken in 21 Ländern Daten, Labor- und Gewebeproben von mehr als 700 Kindern und Jugendlichen mit Zöliakie-Auto-Antikörpern. Das sind von Immunzellen gebildete Abwehrstoffe, die sich gegen das eigene Gewebe richten und eine Entzündung im Darm auslösen können.

Die Wissenschaftler konnten anhand der Daten nachweisen, dass eine sichere Diagnose in vielen Fällen auch anhand spezifischer Beschwerden und Bluttests mit deutlichen Ergebnissen gestellt werden kann. Fallen die Blutuntersuchungen weniger eindeutig aus, sei weiterhin eine Magenspiegelung nötig, sagte Koletzko. Ob auch bei Kindern ohne offensichtliche Symptome oder bei Erwachsenen eine Zöliakie ohne Gewebeprobe sicher diagnostiziert werden kann, müssten nun weitere Studien klären.

Manche Menschen meiden ohne Not Gluten - weil sie das für besonders gesund halten. "Die Erkrankung Zöliakie darf nicht mit dem Modetrend "Gluten-Sensitivität" und einer selbst gewählten glutenfreien Diät, die ohne Notwendigkeit nicht als vorteilhaft angesehen werden kann, verwechselt werden", sagte Koletzko. Eine glutenfreie Ernährung sei in manchen Fällen sogar ungesünder, weil wichtige Nährstoffe etwa aus Vollkornprodukten fehlten.

joe/dpa
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