Umstrittenes Pflanzenschutzmittel EU-Kommission will Glyphosat-Zulassung verlängern

Alle formalen Schritte wurden bereits in die Wege geleitet: Die EU-Kommission hat angekündigt, das Pflanzenschutzmittel Glyphosat weiter zuzulassen - wahrscheinlich für 18 Monate.
Kanister mit Glyphosat stehen in einem speziellen Lagerraum für Pflanzenschutzmittel

Kanister mit Glyphosat stehen in einem speziellen Lagerraum für Pflanzenschutzmittel

Foto: Jens Büttner/dpa

Die Brüsseler EU-Kommission will die Europa-Zulassung für den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat verlängern. Das kündigte der zuständige EU-Kommissar, Vytenis Andriukaitis, am Rande eines Treffens der EU-Agrarminister in Luxemburg an. Seine Behörde werde eine Verlängerung der Glyphosat-Genehmigung um bis zu 18 Monate annehmen, sagte er. Die aktuelle Zulassung läuft zum Monatsende aus.

Eigentlich wollte die Behörde die Entscheidung bereits am Montag im Kreis der EU-Kommissare treffen. Wegen Beratungen über das britische Brexit-Votum kam es aber nicht dazu.

Offiziell entschieden ist die Zulassungsfrage mit der Ankündigung nach Angaben der EU-Kommission aber nicht. Ein Sprecher bestätigte, dass ein so genanntes schriftliches Verfahren gestartet wurde. Dabei kann die Behörde einen Entschluss fassen, ohne dass die EU-Kommissare zusammensitzen. Die Entscheidung könnte am Mittwoch fallen und mitgeteilt werden, so der Sprecher.

EU-Mitgliedstaaten konnten sich nicht einigen

Die Mitgliedstaaten hatten sich am vergangenen Freitag auch im Berufungsausschuss nicht auf eine Mehrheitsposition zum Kommissionsvorschlag einigen können, die Zulassung von Glyphosat um bis zu eineinhalb Jahre zu verlängern. Deshalb lag die Zukunft des umstrittenen Mittels nun in den Händen der EU-Kommission.

In den kommenden 18 Monaten soll die europäische Chemikalienagentur Echa ihre Bewertung über die Sicherheit des umstrittenen Pflanzenschutzmittels vorlegen. Glyphosat steht im Verdacht, Krebs zu erregen.

Verschiedene Behörden sind sich bei der Bewertung allerdings uneins. Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) kam zum Schluss, dass Glyphosat wahrscheinlich krebserregend beim Menschen ist. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) sowie die Arbeitsgruppe Joint Meeting on Pesticide Residues (JMPR) urteilten dagegen, dass Glyphosat kein Risiko darstellt, wenn es sachgemäß verwendet wird.

Die Gremien beschäftigen sich dabei mit unterschiedlichen Fragen: Bei der IARC geht es - unabhängig von Einsatzszenarien oder Dosierung - um mögliche Krebsgefahren. Bei JMPR und Efsa geht es um praktische Fragen: In welchen Konzentrationen oder bei welchen Aufnahmeformen könnte ein Stoff gesundheitsschädlich sein?

Glyphosat ist das weltweit am meisten verwendete Herbizid, in Deutschland wird es auf knapp 40 Prozent der Ackerfläche eingesetzt. Experten warnen, dass Landwirte nach einem Verbot auf eine Mischung verschiedener Herbizide ausweichen werden, die sie als problematischer als Glyphosat einschätzen.

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