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30. November 2015, 11:42 Uhr

Nach EU-Bewertung

Wissenschaftler schreiben Glyphosat-Protestbrief

Ist Glyphosat doch krebserregend? Viele Forscher wollen sich mit der Entwarnung der EU-Behörde Efsa nicht abfinden. In einem offenen Brief kritisieren sie den EU-Bericht als "wissenschaftlich unakzeptabel".

Der Streit um das auch in Deutschland großflächig eingesetzte Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat geht in die nächste Runde. Die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) hatte den Stoff kürzlich als "wahrscheinlich nicht krebserregend" eingestuft. Jetzt kritisieren knapp hundert internationale Forscher die Bewertung in einem offenen Brief, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Auch gegen das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erhoben die Wissenschaftler schwere Vorwürfe.

Die Analyse der deutschen Behörde sowie die darauf aufbauende Bewertung der Efsa enthalte schwerwiegende Mängel, schrieben die Forscher dem Bericht zufolge. Sie sei in Teilen "wissenschaftlich unakzeptabel", und die Ergebnisse seien "durch die vorliegenden Daten nicht gedeckt". In dem Brief an EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis fordern die Wissenschaftler demnach die EU-Kommission auf, bei ihren Entscheidungen "die fehlerhafte Bewertung der Efsa nicht zu beachten".

Die Zulassung für Glyphosat läuft in der Europäischen Union nächsten Sommer aus, für die Hersteller geht es um Milliardenumsätze. Für eine neue Genehmigung müssen die Risiken des Unkrautvernichters neu bewertet werden. Ob das Mittel weiter eingesetzt werden kann, entscheidet die EU-Kommission. Dabei wird sie sich auf das Urteil des Efsa-Berichts stützen.

Weltweit am meisten verkauftes Pestizid

Die Risiken des weltweit am meisten verkauften Pestizids sind umstritten, seit die Krebsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Wirkstoff im Frühjahr als "wahrscheinlich krebserregend für Menschen" bewertet hat. Auch Umweltschützer halten den Stoff für hochgiftig und fordern seit Jahren ein Verbot von Glyphosat.

Koordinator des offenen Briefes der Wissenschaftler ist der "Süddeutschen Zeitung" zufolge der Krebsforscher Christopher Portier, Ex-Direktor des US National Toxicology Program, einer wichtigen Einrichtung der US-Regierung zur Chemikalien-Prüfung. Unter den 96 Unterzeichnern befinden sich demnach auch weitere anerkannte Wissenschaftler, die für renommierte Organisationen arbeiten, etwa das Krebsforschungszentrum Heidelberg, die Leibniz-Gesellschaft sowie Universitäten in den USA, Australien oder Japan.

Die Forscher aus 25 Ländern weisen aber ausdrücklich darauf hin, dass sie für sich selbst sprechen, nicht für ihre Institutionen. Der offene Brief soll am Dienstag in Brüssel übergeben werden.

Das BfR wies die Vorwürfe der 96 Forscher auf Anfrage der "Süddeutschen Zeitung" zurück. Die deutsche Behörde hat nach eigenen Angaben mehr als tausend Studien, Dokumente und Veröffentlichungen ausgewertet und sich auch der Monografie der Krebsagentur gewidmet. Trotzdem gehen die Meinungen der Experten in entscheidenden Punkten auseinander.

irb/AFP

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