Bilanz des Winters Zehntausende im Krankenhaus, Millionen krankgeschrieben

Die Grippewelle im vergangenen Winter war außergewöhnlich stark, etwa 31.000 Erkrankte mussten ins Krankenhaus. Viele Menschen, die zu Risikogruppen zählen, waren nicht geimpft.
Patient mit Infusionskanüle (Archivbild): Eine Grippe kann so schwer verlaufen, dass Infizierte ins Krankenhaus müssen

Patient mit Infusionskanüle (Archivbild): Eine Grippe kann so schwer verlaufen, dass Infizierte ins Krankenhaus müssen

Foto: DPA

Die schwere Grippewelle im vergangenen Winter hat zu schätzungsweise 6,2 Millionen zusätzlichen Arztbesuchen und 31.000 mehr Krankenhauseinweisungen geführt. 3,7 Millionen Mal wurden Infizierte krankgeschrieben oder benötigten - im Fall von jenen, die keine Krankschreibung benötigten - Bettruhe und Pflege.

In diesem Winter hatten insbesondere über 60-Jährige mit schweren Krankheitsverläufen zu kämpfen.

Insgesamt kam es laut einem Bericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza  des Robert-Koch-Instituts (RKI) während der Grippesaison zu 19 Millionen Arztbesuchen wegen akuter Atemwegserkrankungen.

Ältere und chronisch Kranke haben ebenso wie Schwangere ein höheres Risiko für gefährliche Komplikationen. Dennoch ist Deutschland von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geforderten Impfquote für Risikogruppen von mindestens 75 Prozent noch weit entfernt.

"Die Impfung ist eine wichtige und sichere Schutzmöglichkeit, auch wenn ihre Wirksamkeit schwanken kann", erklärte RKI-Präsident Lothar Wieler. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat für die kommende Saison bereits mehr als 17 Millionen Impfdosen freigegeben. "Die Impfstoffe für die neue Saison 2015/2016 unterscheiden sich in zwei der drei Komponenten gegenüber der vorangegangenen Saison", erklärte PEI-Präsident Klaus Cichutek.

In der vergangenen Grippesaison hatte sich gezeigt, dass der Impfstoff nur eingeschränkt vor den zirkulierenden A(H3N2)-Viren schützt. Der H3N2-Stamm hatte sich genetisch verändert, nachdem die Impfstoffproduktion bereits begonnen hatte. Wie Daten des Nationalen Referenzzentrums für Influenza zeigten, wurde ausgerechnet dieser Stamm in der vergangenen Saison am häufigsten nachgewiesen.

Neue Saison, neuer Impfstoff

Der saisonale Grippeimpfstoff setzt sich jedes Jahr aus Bestandteilen der aktuell weltweit zirkulierenden drei Influenza-Virustypen zusammen. Dabei gibt es immer Unwägbarkeiten, da sich Grippeviren ständig verändern.

Die Grippewelle hat in den vergangenen Jahren meist im Januar begonnen und drei bis vier Monate gedauert, es können jedoch auch schon vorher Infektionen auftreten. Experten raten ab Ende Oktober zur Impfung. Empfohlen wird diese in erster Linie Menschen über 60 Jahren, chronisch Kranken mit Grundleiden wie Diabetes, Asthma oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, medizinischem Personal und Schwangeren ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel.

Laut einer aktuellen RKI-Studie  lag die Grippe-Impfquote bei über 60-Jährigen 2013/14 bei knapp 50 Prozent. Bei chronisch Kranken zwischen 18 und 59 Jahren waren lediglich ein Viertel geimpft.

Rund 22 Prozent der nicht Geimpften gaben als einen der Gründe dafür an, dass sie der Impfung misstrauen. 21 Prozent hielten die Grippe für ungefährlich, 15 Prozent hatten über das Thema noch nicht nachgedacht (Mehrfachnennungen waren erlaubt).

Erkältung und Grippe: So schützt man sich

1. Häufig die Hände waschen. Wasser und normale Seife reichen aus, spezielle antibakterielle Seife ist nicht notwendig.

2. Die Hände vom Gesicht fernhalten. Hat man einen mit dem Virus belasteten Gegenstand angefasst, ist das Risiko groß, sich zu infizieren, wenn man sich an die Nase oder den Mund fasst.

3. Während der Grippewelle Abstand zu anderen Personen halten, engen Kontakt vermeiden. Dazu zählt auch, anderen die Hand zu geben, sich zu küssen oder zu umarmen.


Quellen: Robert Koch-Institut, Gesundheitsinformation.de
wbr/AFP
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