Lieferengpässe Ärzte fordern Stopp der Ausschreibungen bei Grippeimpfung

Rollt die jährliche Grippewelle an, kommt es immer wieder zu Lieferengpässen. Ein Grund dafür sind Exklusivverträge zwischen den Krankenkassen und einzelnen Herstellern. Ärzteverbände fordern jetzt, solche Ausschreibungen zu stoppen.

Sichtkontrolle eines Grippeimpfstoffs: Lieferengpässe könnten Akzeptanz in der Bevölkerung senken
DPA

Sichtkontrolle eines Grippeimpfstoffs: Lieferengpässe könnten Akzeptanz in der Bevölkerung senken


Berlin - Ob Masern, Mumps, Röteln und Varizellen, Gelbfieber, oder Grippe: Immer wieder haben Hersteller wichtiger Impfstoffe Schwierigkeiten, die Medikamente in ausreichender Menge rechtzeitig zu liefern. Das wird vor allem dann ein Problem, wenn Ärzte ihre Patienten beispielsweise im Frühherbst dazu auffordern, sich vor der jährlich anrollenden Grippewelle zu schützen.

Jetzt haben Ärzteverbände einen Stopp der Ausschreibungen für Grippeimpfstoffe gefordert. Neben der Versorgungssicherheit stehe auch die Akzeptanz der Impfung auf dem Spiel, warnten die Berufsverbände der Internisten (BDI), Frauenärzte (BVF), der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) und weitere Verbände am Montag in Berlin. Besonders für Risikopatienten wie ältere Menschen und chronisch Kranke könne das Fehlen der empfohlenen Grippeschutzimpfung zu ernsten Gesundheitsproblemen führen.

In den vergangenen Jahren war es zeitweise zu Lieferproblemen bei Impfstoffen gegen Influenza gekommen. Als wichtigen Grund für die immer wieder auftretenden Lieferschwierigkeiten führen Experten nicht nur die aufwendige und langwierige Produktion an, sondern vor allem das System der Rabattverträge zwischen den Gesetzlichen Krankenkassen und Herstellern. Die Ausschreibung habe in manchen Bundesländern zu Engpässen bei der Versorgung mit Grippeimpfstoffen geführt, wenn der von den Krankenkassen ausgewählte Hersteller nicht rechtzeitig liefern konnte, sagte BDI-Präsident Wolfgang Wesiack.

Die Lieferprobleme tragen nach Ansicht der Mediziner auch dazu bei, dass die Akzeptanz der Impfung zurückgeht. Bereits vereinbarte Termine müssten abgesagt, Ersatzimpfstoffe mühsam organisiert werden. "Viele Patienten verzichten dann auf die jährliche Impfung gegen Influenza", warnte Wesiack.

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Zudem bemängelten die Verbände, dass geeignete Impfstoffe für Kinder oder Schwangere in Ausschreibungen nicht berücksichtigt würden. Eltern, denen in der vergangenen Saison für ihre kleinen Kinderein neuer Grippeimpfstoff als Nasenspray angeboten wurden, hätten diesen aus eigener Tasche bezahlen müssen, sagte Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Dabei sei der Impfstoff für Kinder bis sechs Jahren von der Ständigen Impfkommission (Stiko) empfohlen. Die Ausschreibungen der Kassen hätten dies aber ignoriert, so Hartmann.

Auch bei einigen anderen Medikamenten hatte es in den vergangenen Jahren Lieferengpässe gegeben. Betroffen waren unter anderem Krebsmittel, Antibiotika, Schilddrüsenhormone und ein Masern-Mumps-Röteln-Windpocken-Kombiimpfstoff eines Herstellers.

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cib/AFP

insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
Frittenbude 19.05.2014
1. war da nicht was?
Da fällt mir ein: Hatten wir nicht gerade letztes Jahr diesen danals zum Super-GAU hochstilisierten Lieferengpass? Und was ist dann tatsächlich daraus geworden? Hatten wir auch nur einen Grippetoten mehr zu beklagen als in den Vorjahren? Bitte die Statistiker vor.
Connor Larkin 19.05.2014
2. Das hat doch System
Das ist doch üblich in unserem Gesundheitssystem. Ich tippe die Krankenkassen vereinbaren absichtlich eine zu knappe Menge Impfstoff, damit dann doch ein Teil der Patienten sich nicht impfen lässt. Und schon hat man wieder Geld gespart. Das letzte Mal als ich mich impfen lassen wollte ging das auch in die Hose. Ärzte und "Fachleute" haben massiv für FSME Impfung geworben. Da ich viel im draußen bin und im Risikogebiet wohne, dachte ich mir "ok, machen wir mal". 1. Impfung sofort. 2. nach 4 oder 6 Wochen wurde dann abgesagt, weil der Impfstoff fehlte. Der Impfstoff sollte auch erst wieder in 6 Wochen verfügbar sein, das hätte dann aber bedeutet die Impfung wieder von vorne zu starten und niemand konnte mir versichern, dass zu den nächsten Terminen dann nicht wieder der Impfstoff fehlt. Ich finde ja, die Krankenkassen sollten sich in solchen Fällen das Geld für die erste Impfung vom Impfstoffhersteller erstatten lassen. Das war jedenfalls das letzte Mal das ich ne Impfung gemacht hab.
fatherted98 19.05.2014
3. Gähn....
Zitat von FrittenbudeDa fällt mir ein: Hatten wir nicht gerade letztes Jahr diesen danals zum Super-GAU hochstilisierten Lieferengpass? Und was ist dann tatsächlich daraus geworden? Hatten wir auch nur einen Grippetoten mehr zu beklagen als in den Vorjahren? Bitte die Statistiker vor.
...das übliche Impf-bashing.....wenn es tatsächlich zu einer Katastrophe a la Spanische Grippe gekommen wäre, wären Sie wahrscheinlich der Erste gewesen der nach seiner Dosis Impfstoff gerufen hätte....
Frittenbude 19.05.2014
4.
Zitat von fatherted98...das übliche Impf-bashing.....wenn es tatsächlich zu einer Katastrophe a la Spanische Grippe gekommen wäre, wären Sie wahrscheinlich der Erste gewesen der nach seiner Dosis Impfstoff gerufen hätte....
Gilt es jetzt schon als Impfbashing, wenn man wagt, nach Zahlen zu fragen? Haben Sie keine Zahlen oder fallen die nicht in Ihrem Sinne aus? Und Sie irren - ich werde sicherlich nicht nach irgendeiner Dosis Impfstoff rufen, da ich noch nie eine Grippe hatte, auch nicht während der vergangenen angeblichen Epidemien.
CancunMM 19.05.2014
5.
Zitat von sysopDPARollt die jährliche Grippewelle an, kommt es immer wieder zu Lieferengpässen. Ein Grund dafür sind Exklusivverträge zwischen den Krankenkassen und einzelnen Herstellern. Ärzteverbände fordern jetzt, solche Ausschreibungen zu stoppen. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/grippe-aerzte-fordern-ausschreibungsstopp-bei-influenza-imfpung-a-970250.html
Es geht ja nicht nur ums Impfen, sondern auch um andere Medikamente. So ist im Augenblick auch kein Depo-Penicillin zu bekommen. Nur aus Spanien, aber dann muss es der Patient selbst bezahlen.
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