WHO Forscher suchen Universalimpfstoff gegen Grippe

Die Frage ist nicht ob, sondern wann eine schwere Grippepandemie kommt, warnt die Weltgesundheitsorganisation. Wie sich Länder auf den Ernstfall vorbereiten sollten.
Impfspritzen (Symbolbild)

Impfspritzen (Symbolbild)

Foto: imago/Christian Ohde

So viele Wissenschaftler wie nie zuvor arbeiten nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) derzeit an einem universellen Grippeimpfstoff. Bislang müssen Impfstoffe jährlich auf die jeweils kursierenden Virenstämme abgestimmt werden. Das macht die Produktion aufwendig, zudem kursieren mitunter andere Stämme als von den Experten erwartet - dann ist der für die kommende Saison vorbereitete Impfstoff weniger wirkungsvoll als erhofft.

"Ein universeller Grippeimpfstoff ist der Heilige Gral", sagte Martin Friede, WHO-Koordinator für Impfstoffe. Wann so ein Stoff verfügbar sein wird, sei schwer vorauszusagen. "Es gab aber in letzter Zeit einen gewaltigen Anstieg an Forschungsmitteln und an internationalen Gruppen, die daran arbeiten", sagte Friede. Das Problem: Grippeviren verändern sich extrem schnell. Einen Wirkstoff zu finden, der alle Erreger gleich gut bekämpft, ist deshalb sehr schwer.

50 Millionen Menschen starben an Spanischer Grippe

Die WHO warnt, dass die Welt nicht genügend auf die nächste Grippepandemie vorbereitet sei. "Die Frage ist nicht ob, sondern wann eine neue Grippepandemie kommt", sagte WHO-Direktor Tedros Adhanom Ghebreyesus. "Eine solche Pandemie würde die Wirtschaft und Gesellschaft jedes Landes berühren", warnte die Expertin für Grippebereitschaft, Ann Moen. Die Spanische Grippe von 1918 bis 1920 hatte 50 Millionen Menschen das Leben gekostet. Ausgerechnet jungen Erwachsenen fehlte offenbar die Immunität gegen das Virus.

Um ähnliche Ausbrüche zu verhindern, veröffentlichte die WHO eine neue Grippestrategie. Die zentralen Forderungen:

  • Mehr Forschung für eine verbesserte Diagnostik, Behandlung und Impfung von Grippe.
  • Internationale Datenbank zu Influenzafällen
  • Über vorbeugende Maßnahmen aufklären
  • nationale Gesundheitssysteme auf drohende Influenzapandemie vorbereiten

Ziel ist es, in allen Ländern der Welt eine bessere Überwachung sich anbahnender Ausbrüche zu schaffen und den Länder zu helfen, im Falle eines Falles schneller reagieren zu können. Schon die saisonalen Grippeausbrüche führen jedes Jahr zu bis zu 650.000 Todesfällen.

In Deutschland hat die Grippewelle ihren derzeitigen Höhepunkt Anfang März erreicht. Vieles deutet darauf hin, dass die Grippewelle diesen Winter deutlich leichter ausfallen könnte als im vergangenen Jahr. Damals hatten Grippepatienten noch Mitte März Arztpraxen und Krankenhäuser lahmgelegt, der Höhepunkt der Grippewelle war erst gegen Ende März überwunden worden.

Häufiges Händewaschen senkte das Risiko für eine Infektion. Wasser und normale Seife reichen aus, es braucht weder spezielle antibakterielle Seife noch Desinfektionsmittel. Damit alle Krankheitserreger abgespült werden, sollten Handflächen und Fingerzwischenräume mindestens 20 Sekunden lang eingeseift werden.

Nur Erkältung - oder die echte Grippe?

Viele sprechen von einer Grippe, wenn sie nur einen grippalen Infekt haben. Zwischen beiden gibt es aber einen großen Unterschied: Während ein grippaler Infekt in der Regel harmlos verläuft und von vielen verschiedenen Viren verursacht wird, stecken hinter einer echten Grippe allein Influenzaviren.Die Symptome einer Grippe sind deutlich stärker als bei einem grippalen Infekt. Bei älteren, sehr jungen und immungeschwächten Menschen kann eine Infektion lebensgefährlich werden. "Auch wenn beide oft miteinander verwechselt werden, ist die Grippe eine ganz andere Nummer als ein grippaler Infekt", sagt der Virologe Stephan Ludwig von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster."Wenn man eine richtige Grippe hat, dann weiß man das. Dann hat man nicht ein bisschen Schnupfen und Kopfdruck, dann hat man hohes Fieber und Schmerzen." Vor den Influenzaviren schützt die jährliche Grippeimpfung. Die harmlosen Erkältungen hingegen kann auch sie nicht abwehren.

Ebenfalls ratsam ist, die Hände vom Gesicht fernzuhalten. Hat man etwa in der U-Bahn eine Haltestange angefasst, an der Viren klebten, ebnet der anschließende Griff an Nase oder Mund den Krankheitserregern den Weg in den Körper. Falls möglich hilft es zudem, während der Grippewelle zu anderen Personen Abstand zu halten und wenig Hände zu schütteln.

koe/dpa
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