Influenza-Welle 35.000 Grippefälle in nur einer Woche

In Deutschland hat sich die Grippe ausgebreitet - vor allem eine Virusvariante, vor der der gängige Impfstoff nicht direkt schützt. Experten empfehlen eine andere Impfung, doch die müssen die Kassen bislang nicht zahlen.
Grippe, 8. Kalenderwoche (grün steht für "geringfügig bis moderat erhöhte Aktivität", orange für "deutlich", rot für "stark")

Grippe, 8. Kalenderwoche (grün steht für "geringfügig bis moderat erhöhte Aktivität", orange für "deutlich", rot für "stark")

Foto: Arbeitsgemeinschaft Influenza

Fast 120.000 Menschen in Deutschland sind in diesem Winter bereits an der Grippe erkrankt. Allein in der achten Kalenderwoche gab es rund 35.300 neue Fälle. Drei Viertel der Erkrankungen wurden von sogenannten Influenza-B-Viren der Yamagata-Linie ausgelöst.

Das Problem: Der Dreifachimpfstoff dieser Grippesaison schützt nicht direkt vor diesen Erregern. Ein besserer Impfschutz ist mit einem Vierfachimpfstoff möglich - doch der wird bisher nicht von allen gesetzlichen Krankenversicherungen erstattet.

"Bis heute übernehmen nicht alle Krankenkassen die wichtige Vierfach-Impfung", sagt Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz. "Gezahlt wird häufig nur der halb so teure Dreifachwirkstoff."

Zwar hat die Ständige Impfkommission (Stiko) des Robert Koch-Instituts (RKI) bereits im November den Vierfachimpfstoff empfohlen und eine ausführliche Begründung dazu im Januar veröffentlicht . Doch jetzt muss der für den Leistungskatalog der Kassen zuständige gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) noch beschließen, den Impfstoff auch als Pflichtleistung für die Versicherungen aufzunehmen.

Patientenschützer fordern Eilverfahren

Der G-BA hatte im Januar mitgeteilt, nach der Stiko-Empfehlung zügig zu beraten. Das bedeutet allerdings, dass die Entscheidung etwa drei Monate später, also erst im April fällt. In Kraft tritt der Beschluss erst zwei weitere Monate später, wenn das Bundesgesundheitsministerium ihn nicht beanstandet, teilte der G-BA auf Anfrage mit. Das wäre dann im Juni.

Das sei viel zu spät für diese Grippesaison, kritisiert Brysch. Chronisch und schwerstkranke Menschen seien heute beim Grippeschutz auf das Wohlwollen ihrer Krankenkasse angewiesen. "Deshalb muss der Gesetzgeber für solche Gefährdungssituationen ein Eilverfahren einführen."

Der G-BA betont, die Umsetzung der Stiko-Empfehlung sei wie diese selbst zukunftsgerichtet auf die Grippesaison 2018/19.

Wer sich in der aktuellen Saison noch impfen lassen will, muss also vorher seine Kasse fragen, ob sie die Kosten für den Vierfachimpfstoff übernimmt. Wer die Kosten selbst übernimmt, muss wissen: Selbst wenn der G-BA-Beschluss im Sommer in Kraft tritt, kann man die Kosten nicht nachträglich bei der Kasse einfordern.

Die jährliche Schutzimpfung wird unter anderem für alle ab 60-Jährigen, für viele chronisch Kranke, für Schwangere (ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel) empfohlen. Des Weiteren wird die Impfung auch Menschen nahegelegt, die ein größeres Risiko haben, im Krankheitsfall andere anzustecken, medizinisches Personal zum Beispiel.

Laut dem Wochenbericht  der Arbeitsgemeinschaft Influenza wurden seit Beginn der Grippewelle 216 Todesfälle infolge einer Grippe ans RKI gemeldet. Unter anderem verzeichnet das RKI 232 Ausbrüche mit mehr als fünf Fällen - die meisten davon in Kindergärten, Schulen und Krankenhäusern. Die Dunkelziffer bei Grippefällen gilt als hoch, weil nicht in jedem Fall Erregerproben analysiert werden.

wbr/dpa
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