Deutschland Grippewelle erreicht den Norden

Die aktuelle Grippewelle betrifft Tausende Menschen in Deutschland. Nach ersten Ausbrüchen im Süden und Osten häufen sich auch im Norden die Fälle. Mehr als hundert Menschen starben.


SPIEGEL ONLINE / Robert Koch-Institut

Eine starke Grippewelle sorgt in Deutschland für volle Arztpraxen. Allein in der vergangenen Meldewoche seien rund 14.000 bestätigte Fälle und 32 größere Ausbrüche übermittelt worden, sagte die Grippe-Expertin des Robert Koch-Instituts, Silke Buda. Beides sind bisherige Saisonhöchstwerte.

Nachdem anfangs vor allem der Süden und Osten Deutschlands betroffen waren, häuften sich in der vergangenen Woche auch im Norden die Fälle. Die stärkste Verbreitung dokumentierten die Experten jedoch nach wie vor in Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. "Wir sehen insgesamt viele Atemwegserkrankungen, die inzwischen am häufigsten durch Influenza verursacht werden", so Buda.

Die Gesamtzahl der bestätigten Fälle ist seit Oktober 2016 auf 43.288 gestiegen. Tatsächlich dürften aber weit mehr Menschen erkrankt sein, da längst nicht bei jedem Infizierten ein Abstrich gemacht und der Erreger identifiziert wird. Mehr als jeder fünfte Patient mit einer bestätigten Infektion musste im Krankenhaus behandelt werden (22 Prozent).

126 Todesfälle bis jetzt

Die Ausbrüche treffen vor allem Einrichtungen, in denen viele Menschen zusammenkommen - neben Schulen auch Kindertagesstätten, Alten- und Pflegeheime, Krankenhäuser und Reha-Kliniken.

Bislang dokumentierte das Robert Koch-Institut 126 Todesfälle. Fast alle Betroffenen waren mindestens 60 Jahre alt. Nur Schulkinder erkrankten derzeit noch häufiger als Menschen in dieser Altersgruppe, so Buda. Wie schon in der Saison 2014/15 kursiert aktuell vorrangig der Virustyp A (H3N2). Er macht insbesondere Älteren zu schaffen, die bei einer Infektion das höchste Risiko für schwere Krankheitsverläufe haben.

Aus diesem Grund befürworten vor allem internationale Experten zunehmend eine Prophylaxe mit antiviralen Arzneimitteln, wenn es zu Ausbrüchen in Altenheimen kommt. Diese Medikamente könnten bei rechtzeitiger Einnahme eine Grippeerkrankung verhindern. Das RKI macht dazu keine Empfehlungen - es sei eine Option, die in den Heimen erwogen werden sollte, sagte Buda. "Gerade, wenn Bewohner engen Kontakt hatten mit bereits Erkrankten."

Wird Karneval einen Einfluss haben?

Ob die Karnevalsfeiern Ende Februar noch Einfluss auf den weiteren Verlauf der Grippewelle haben werden, ist unklar. Buda empfiehlt, sich des Ansteckungsrisikos in Menschenansammlungen bewusst zu sein und zum Beispiel mit gründlichem Händewaschen vorzusorgen. Erkrankte können bereits am Tag vor dem Auftreten der Symptome ansteckend sein - und dann circa eine Woche lang.

Verstärktes Auftreten der Grippe in Karnevalshochburgen habe das RKI bislang nicht beobachtet. "Was wir aber sehen, ist der Einfluss von Schulferien", betont Buda. So habe sich die Erkrankungswelle etwa über den Jahreswechsel etwas verlangsamt.

irb/dpa

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